Zum Hauptinhalt springen

"Rerum Novarum": Christliche Arbeiterbewegung fordert höhere Löhne und eine faire Steuerreform

Im Rahmen von „Rerum Novarum“, dem Feiertag der christlichen Arbeiterbewegung in Belgien, forderte der zum Jahresende scheidende ACV-Gewerkschaftsvorsitzende Marc Leemans (Foto) höhere Löhne und Gehälter, die Abschaffung der Lohnnorm in Belgien und eine gründliche Steuerreform, bei der mit Großverdienern bei Betrugsversuchen genauso streng umgegangen werden soll, wie mit „kleinen Leuten“, die bei der Sozialhilfe schummeln. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:
Aktualisiertupdate:

„Wenn sich arbeiten mehr lohnen soll, dann ist deutlich, was wirklich passieren muss. Zum einen müssen die Löhne und die Kaufkraft ganz einfach steigen und zum andern muss es eine faire steuerliche Reform geben,“ so Leemans am Vorabend von „Rerum Novarum“.

Der christliche Gewerkschaftsführer ist der Ansicht, dass Raum für Lohn- und Gehaltserhöhungen da ist: „Viele Unternehmen haben vom Krieg in der Ukraine und von den Nachwehen von Covid Gebrauch gemacht, um ihre Gewinnmargen zu erhöhen.“

„Rechte Parteien zeichnen ein Bild von Wohlstandsstaat als ein Paradies, in dem einem gebratene Hühner in den Mund fliegen, während den entsprechenden Rechten ein Arsenal an Pflichten und Sanktionen steht, die man immer strenger anwendet. Auf diese Art und Weise verstärken sie ein Wir-Ihr-Denken, um nach unten zu treten und zu stigmatisieren.“

Leemans geht in Rente

Marc Leemans verlässt am 1. Januar 2024 die ACV nach 12 Jahren Vorsitz und geht dann mit 64 Jahren in Rente. Leemans sah sich bei der Ankündigung seiner Pensionierung scharfer Kritik ausgesetzt, weil er von einer Vorruhestandsregelung (Arbeitslosigkeit mit Betriebszuschlag) profitieren kann.

Doch Leemans gab den Ball zurück: „Aus allen Umfragen ist ersichtlich, dass es in der Gesellschaft keine Basis für die blinde Politik des längeren Arbeitens gibt. Gerade dies spielt sicher mit beii den immer extremeren Umfrageresultaten. Die persönliche Abrechnung gegen mich war auch ein Angriff auf das soziale Mittelfeld, auf die Gewerkschaft und auf die Arbeitnehmer, die sich vereinigen, um stärker zu werden.“

Das Amt des christlichen Gewerkschaftsvorsitzenden in Belgien übernimmt von Marc Leemans wohl Ann Vermorgen (Foto unten), die derzeitige flämische ACV-Vorsitzende. Vermorgen wird die erste Frau an der Spitze der größten belgischen Gewerkschaft.  

Ann Vermorgen

"Rerum Novarum"

An Christi Himmelfahrt gedenkt die christliche Arbeiterbewegung in Belgien der Enzyklika über die Rechte und Pflichten von Kapital und Arbeit, bekannt als „Rerum Novarum“, die am 15. Mai 1891, von „Arbeiterpapst“ Leo XIII. erlassen wurde.

Zum ersten Mal erkannte die katholische Kirche damals die Ausbeutung der Arbeiter an und zum ersten Mal durften diese ab dann mit dem Segen der katholischen Kirche eigene Organisationen gründen. Was für die Sozialisten der 1. Mai ist, ist für die christliche Arbeiterbewegung „Rerum Novarum“.

Noch immer ist die christliche Gewerkschaft (ACV/CSC), die größte Arbeitnehmervertretung Belgiens. Sie bildet gemeinsam mit der christlichen Krankenkasse (CM), den christlichen Frauen- und Jugendverbänden und anderen sozial engagierten christlichen Gruppen die christliche Arbeiterbewegung. Diese tritt seit einigen Jahren im belgischen Bundesland Flandern unter dem Namen „Beweging.net“ auf.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5