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Die Lesefähigkeit von Viertklässlern in Flandern hat sich wieder verschlechtert

Das Leseniveau von Kindern in der 4. Klasse im belgischen Bundesland Flandern ist im europäischen Vergleich wieder schlechter geworden, gerade auch dort, wo es um verstehendes Lesen geht. Dies ist aus einer internationalen Studie ersichtlich, an der rund 5.000 flämische Schulkinder teilgenommen haben. 

Andreas Kockartz
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Die aktuelle PIRLS-Studie - in Deutsch IGLU, eine internationale Studie zum verstehenden Lesen von Grundschulkindern der 4. Klasse, weist eine deutliche Verschlechterung bei den flämischen Kindern auf, als bei der letzten entsprechenden Studie im Jahr 2016.

Flandern steht aktuell in dieser Studie nur noch knapp über dem europäischen Durchschnitt. Flanderns Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) ist denn auch schwer enttäuscht: „Die Resultate sind dramatisch, doch wir hatten das erwartet. Die Schulkinder legten ihre Tests während der Coronakrise ab, doch das ist sicher nicht die einzige Ursache für diesen Rückgang.

Katrijn Denies, die an dieser PIRLS-Studie mitgearbeitet hatte, beobachtet, dass die Schulen heute nicht mehr wirklich an sich glauben und auch nicht an die Fähigkeiten ihrer Schulkinder: „Wir sehen, dass die Schulen müde und überbeansprucht sind. Das führt dazu, dass deren Erwartungen gegenüber den Kindern kippen. Flämische Eltern sollten etwas von den Schulen in anderen Ländern lernen.“

In Flandern herrscht überall ein akuter Mangel an Lehrkräften, was besonders dramatisch in den Sekundarschulen ist, wo dieser Beruf inzwischen zum Mangel- oder Engpassberuf beim Arbeitsamt geworden ist. Zudem werden das Schulsystem und die Lernziele häufig reformiert, was einer gewissen Kontinuität im Unterrichtswesen hinderlich ist. 

Die Verantwortung liegt auch bei den Eltern

Denies stellt fest, dass sich Eltern heute relativ wenig mit ihren Kindern beschäftigen: „Es werden wenig Bücher gelesen, mit Buchstaben gespielt, auch wenn bekannt ist, dass dies mit den Leistungen der Kinder in der Schule signifikant zu tun hat.“

Hinzu kommt noch, dass immer weniger Kinder zuhause Niederländisch sprechen, so Bildungsminister Weyts gegenüber VRT NWS, der hier ebenfalls an die Verantwortung der Eltern appelliert. Das betrifft sowohl Familien mit ausländischen Wurzel, als auch Haushalte, in denen Dialekt oder die in Flandern sogenannte „Zwischensprache“ gesprochen wird, eine Art Umgangssprache zwischen Dialekt und dem eigentlichen Niederländisch.

Weyts will, dass die Schulziele in Flandern einmal mehr umeschrieben werden: „Mindestens die Hälfte der Unterrichtszeit sollte mit Niederländisch lesen und mit Mathematik verbracht werden. Das ist die Essenz.“ Doch vor den kommenden Wahlen in Bund, Ländern und Regionen in Belgien 2024 sei das nicht mehr zu schaffen, so der flämische Nationaldemokrat. 

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