Das US-Chemieunternehmen 3M muss einer Familie aus Zwijndrecht, wo der Konzern ein Werk betreibt, einen vorläufigen Schadensersatz zahlen. Dies beschloss ein Friedensrichter in Antwerpen. Es ist das erste Mal, dass ein Gericht ein Urteil zur PFAS-Verseuchung durch 3M rund um die Fabrik in Zwijndrecht fällt.
Das Chemieunternehmen 3M muss einer Familie wegen PFAS-Verseuchung Schadensersatz zahlen
Die 4köpfige Familie, die gegen 3M geklagt hat, wohnt etwa 1 Kilometer von der Fabrik entfernt. PFAS wurde sowohl im Blut der beiden Kinder und der Eltern sowie in deren Garten festgestellt und dies in abnormaler Menge. Genau damit begründete der Antwerpener Friedensrichter sein Urteil.
PFAS sind chemische Stoffe, die lange in einem menschlichen Körper bleiben können und somit gesundheitsschädlich sind und die die Natur nicht abbauen kann. Die Familie hatte aufgrund von übermäßiger Nachbarschaftsbelästigung geklagt.
Vorläufig muss 3M jedem der 4 Familienmitglieder 2.000 € Schadensersatz zahlen, doch dieser Betrag kann sich noch erhöhen, z.B. in einer weiteren Instanz. 3M kann gegen den Urteilsspruch noch in Berufung gehen.
Viele Anwohner, die rund um das 3M-Werk leben, machen sich aufgrund der PFAS-Belastung große Sorgen und es ist davon auszugehen, dass dieses Urteil weitere Klagen gegen den amerikanischen Chemiekonzern mit sich bringen wird.
Zur Vorgeschichte
Nach ersten Vermutungen im April explodierte die Bombe im PFOS-Skandal im Juni 2021, als bei den Oosterweel-Bauarbeiten Abraum abgegraben wurde, der hochgradig mit dem chemischen Produkt PFOS verseucht war. Die kontaminierte Erde kam aus dem US-Chemiewerk 3M in Zwijndrecht und war dort mehr schlecht als recht abgelagert worden. PFOS ist ein Nebenprodukt, das zur PFAS-Familie gehört. Dies ist eine Bezeichnung für chemische Produkte bzw. Kunststoffe, die sich in der Natur nicht auflösen und die deshalb auch „forever chemicals“ genannt werden.
In den Wochen und Monaten danach wurde immer deutlicher, dass die Behörden und die flämische Landesregierung bereits seit etwa 2017 wussten, dass sich in Zwijndrecht hochgradig verseuchter Abraum befand, doch dazu wurde jede Kommunikation verhindert. Inzwischen wurden schon mehrmals Arbeiten an Oosterweel-Baustellen wegen PFOS unterbrochen und an einigen Stellen wurde bereits mit der Bodensanierung begonnen. In diesem Fall sind mehrere Klagen sowohl gegen 3M, als auch gegen die flämische Landesregierung anhängig.
Das 3M-Management wurde bereits einige Male vor den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zitiert und steht auch bei der flämischen Landesregierung schwer in der Kritik. 3M will 150 Mio. € in die Sanierung der verseuchten Böden in der Antwerpener Region stecken, doch nach Ansicht der flämischen Landesregierung könne das nur ein Anfang sein.
