Aus der jüngsten „Abstimmung“ der Brüsseler Universität VUB und der Antwerpener Uni (UAntwerpen), eine Umfrage im Auftrag unserer Redaktion VRT NWS und der flämischen Tageszeitung De Standaard, ist ersichtlich, dass viele Flamen, eigentlich die meisten, mit der Politik und ihren Institutionen nicht zufrieden sind. Und gegenüber der letzten „Abstimmung“ 2019 ist diese Unzufriedenheit noch größer geworden.
"Die Abstimmung": Die meisten Flamen sind unzufrieden mit der Politik und ihren Einrichtungen
„De Stemming“, in Deutsch „Die Abstimmung“, zeigt, dass sich die Stimmung gegenüber der Politik und ihrer Instanzen im belgischen Bundesland Flandern, auf belgischer Bundesebene, auf Ebene der EU und auch in Städten und Gemeinden sowie gegenüber den Parteien weiter verschlechtert. Im Allgemeinen haben die Flamen das Gefühl, dass sie von ihren Politikern nicht wirklich gut vertreten werden.
Bei der Umfrage, eigentlich schlicht und einfach ein Stimmungstest, ist zum Beispiel herausgekommen, dass 57 % der Flamen der Ansicht sind, dass die Politiker korrupter geworden sind. Und nur noch knapp die Hälfte der Flamen gehen davon aus, dass unser Land noch wirklich demokratisch geführt wird.
Die Demokratie bleibt Glaubwürdig
Das soll aber nicht bedeuten, dass die Flamen nicht mehr an die Demokratie glauben. Das demokratische System bekommt noch immer eine Bewertung von 8 auf 10. Allerdings ist die Stimmung gegenüber der Politik aktuell so schlecht, dass sich mancher überlegt, vielleicht gar nicht wählen zu gehen, wenn im kommenden Jahr in Bund, Ländern und Regionen und in Städten und Gemeinden gewählt wird.
Bei den Kommunalwahlen 2024 zum Beispiel ist die Wahlpflicht in Flandern abgeschafft. 30 % der Befragten gab dazu an, dann nicht mehr oder eher nicht zur Wahl zu gehen. Auf belgischer Bundesebene bzw. auf flämischer Landesebene würden nur noch knapp unter 50 % der Wähler zur Wahl gehen, wenn die allgemeine Wahlpflicht abgeschafft würde. Hier allerdings spielen Bildung und der soziale Status eine große Rolle, denn vor allem Bürger mit niedrigem Einkommen gehen auf diesem Wege für die Demokratie verloren.
Wenig Vertrauen in die Instanzen
60 % der Befragten gehen davon aus, dass wir in einem technokratischen System leben, in dem Experten die Entscheidungen anstelle der Politiker fällen. 16 % der Flamen erachten es sogar möglich, dass Belgien von der Armee regiert wird. Und 35 % der Bürger sind der Ansicht, dass ein „starker Führer“ die beste Lösung wäre, was ein vergleichsweise hoher Prozentsatz ist.
Knapp 10 % der Befragten, vor allem Anhänger von rechts- oder linksextremen Parteien, haben auch kein Problem damit, Politiker zu beschimpfen oder zu bedrohen, deren oder öffentliches Eigentum im Rahmen von Protesten zu beschädigen oder auch Politiker körperlich zu anzugehen.
Methodologie
„De Stemming“ ist eine Untersuchung, die online bei 2.092 Flamen im Auftrag von VRT NWS durchgeführt wurde. Die Umfrage wurde von der niederländischsprachigen Freien Universität Brüssel (VUB) und von der Universität Antwerpen (UAntwerpen) durchgeführt und von den Professoren Stefaan Walgrave (UA) und Jonas Lefevere (VUB) geleitet.
Sie wurde zwischen dem 13. und dem 23. März durchgeführt, als die flämische Landesregierung ihr Stickstoffabkommen und die belgische Bundesregierung ihr Migrationsabkommen vorgestellt hatten.
