Zum Hauptinhalt springen
Umwelt & Klima
Energie

Der Sozialtarif für Energie läuft aus: "Bill-Schock" für eine halbe Million Haushalte in Belgien?

Das Netzwerk gegen Armut aber auch der Ombudsmann für Energiefragen in Belgien warnen vor dem Folgen für sozialschwache Haushalte, wenn ab dem 1. Juli 2023 der Sozialtarif ausläuft. Das bedeutet für rund eine halbe Millionen Familien, dass ihre Energierechnungen erheblich teurer werden. Letztes Jahr stiegen übrigens die Beschwerden beim Ombudsmann für Energiefragen der belgischen Regierung um rund 300 % gegenüber 2021. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die belgische Bundesregierung hatte den Sozialtarif 2021 im Rahmen der Unterstützung der Bürger im Zuge der Energiekrise geschaffen, aber von vorne herein darauf hingewiesen, dass dieser nicht ewig gelten könne und zeitlich befristet sei. Jetzt läuft dieser Sozialtarif für Strom und Gas, wie angekündigt, am 1. Juli aus.

Sowohl verschiedene Armuts- und Sozialverbände warnen jetzt vor den Folgen davon, als auch der belgische Ombudsmann für Energiefragen, Eric Houtman: „Der Sozialtarif wird beendet, weil die Preise an den internationalen Märkten sinken und dass hat Einfluss auf die kommerziellen Preise. Doch es bleiben Unterschiede zum Sozialtarif.“

Beim Strom falle das nicht besonders ins Gewicht, doch beim Gas beläuft sich ein Jahresverbrauch im Durchschnitt auf rund 1.433 € während der Sozialtarif bei knapp 700 € liegt. Nach Angaben der staatlichen Regulierungsbehörde für Energie, Creg, sind vom Ende des Sozialtarifs rund 300.000 Gaskunden und etwa eine halbe Million Stromkunden betroffen.

Der Sozialtarif wird beendet, weil die Preise an den internationalen Märkten sinken und dass hat Einfluss auf die kommerziellen Preise. Doch es bleiben Unterschiede zum Sozialtarif.“

Eric Houtman, Ombudsmann für Energiefragen der belgischen Regierung

Ab dem 1. Juli sind die Energieversorger dazu verpflichtet, ihren Kunden, die bisher von Sozialtarif profitieren konnten, ihre niedrigsten Produkte anzubieten und dies für eine Dauer von mindestens 3 Monaten. Der Energieombudsmann rät den betroffenen Familien und Haushalten dazu, jetzt damit anzufangen, die Tarife der einzelnen Anbieter zu vergleichen und notfalls den Lieferanten zu wechseln.

Die Armuts- und Sozialverbände verlangen indessen von der belgischen Bundesregiering, dass die den Sozialtarif in Phasen oder Stufen auslaufen lassen sollen, damit sich die Betroffenen darauf vorbereiten können und Zeit dazu haben, z.B. den Empfehlungen von Ombudsmann Houtman zu folgen.

Houtman teilte inzwischen auch mit, dass bei ihm zwischen 2021 und 2022 rund 300 % mehr Beschwerden gegen die Energielieferanten eingegangen seien. Insgesamt seien letztes Jahr 26.920 Beschwerden bearbeitet worden, gegenüber rund 9.000 im Jahr davor. In den meisten Fällen betrafen diese Beschwerden die Energiepreise, doch auch die Rechnungsführung und Probleme bei den Zählern waren häufige Gründe für Klagen. 45 % der Beschwerden waren zulässig und hier konnte in fast 85 % der Fälle geholfen werden. 

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5