Nach Lidl und Aldi kündigt jetzt auch Carrefour an, in ihren belgischen Filialen die Preise für einige Basisprodukte zu senken. In der Werbung der Warenhausgruppe wird dies „Anti-Inflations-Kampagne“ genannt. Bedeutet das, dass der Spuk der Inflation nach einem Jahr abebbt oder verbirgt sich dahinter etwas anderes? Eine Marketing- und Retailexpertin der Uni Löwen rechnet vor, dass es sich dabei um einige hundert Produkte in einer Angebotspalette von bis zu 30.000 Produkten handelt, die ein durchschnittlicher Markt anbietet.
Nach einem Jahr Inflation und hohen Preisen beginnt in Belgien ein Preiskrieg in den Supermärkten
Die französische Warenhaus- und Supermarktkette Carrefour wartete Anfang der Woche in Belgien mit der Ankündigung in ihrer Werbung auf, dass die Basispreise für gut 100 Produkte in den kommenden Wochen sinken würden. Von Spaghetti über Mehl bis Kroketten und WC-Papier und sowohl bei Produkten der Eigenmarken als auch bei Markenprodukten würde es Angebote und sinkenden Preise dank ihrer „Anti-Inflations-Kampagne“ geben.
„Wir wollen die Kaufkraft der belgischen Familien stärken“, heißt es weiter dazu bei Carrefour. Vorher ließen auch die deutschen Discountergruppen Lidl und Aldi ihre Kundschaft in Belgien wissen, dass - wenn auch in beschränktem Maße - Preise für einige Basisprodukte gesenkt würden. Damit scheint es nach einem Jahr voller schlechter Nachrichten über hohe Preise und leere Regale - auch ausgelöst durch die aktuellen geopolitischen Konflikte auf dieser Welt - wieder etwas Perspektive zu geben.
Oder verbirgt sich etwas anderes dahinter?
„Angebote sieht man öfter in den Geschäften, doch solche Preisnachlässe bei so vielen Produkten gleichzeitig sind in der Tat außergewöhnlich“, so die Marketing- und Retail-Professorin Els Breugelmans von der Uni Löwen (KU Leuven). Trotzdem geht es hierbei nicht um einen guten Zweck: „Hierbei handelt es sich vielmehr um eine große Schlacht um die Kunden, die im vergangenen Jahr mit einer starken Inflation konfrontiert wurden. Die Ketten sagen zwar, dass es sich hier um Basisprodukte handelt, doch in Wirklichkeit betrifft das nur einen kleinen Prozentsatz ihrer Angebotspalette.“
Ein durchschnittlicher Hypermarkt eines gängigen Warenhauskonzerns habe durchaus bis zu 30.000 Produkte auf Lager: Die Kunden, die in die Märkte kommen, kaufen bestimmt auch Produkte, die nicht günstiger sind.“ Auf den Index, dass sind die Preise des Warenkorbs, nach dem die Inflation berechnet wird, hätten die Angebote von Lidl, Aldi oder Carrefour kaum Einfluss, so Breugelmans: „Es geht hier vielmehr um PR.“
Die Warenhausketten haben offenbar noch Marge
„Einige Rohstoffe, wie z.B. Mehl, sind in den letzten Wochen wieder billiger geworden, weil es wieder mehr Angebot gibt. Dadurch haben die Supermärkte wieder mit ihren Lieferanten verhandeln können. Das machen sie regelmäßig, um die Preise für das kommende Jahr festzulegen. Jetzt ist dabei eine leichte Preissenkung herausgekommen“, so die Retail-Expertin.
Die Kehrseite der Medaille bekommen in erster Linie die kleinen Supermärkte im Viertel oder der Tante Emma-Laden um die Ecke zu sehen: „Sie haben nicht die Kraft einer Ketten, um mit ihren Lieferanten gute Margen zu verhandeln. Sie werden dann im Vergleich zu Carrefour noch teurer erscheinen.“
Noch nicht vorbei
Trotz des Preiskrieges zwischen einigen Ketten geht Professorin Breugelmans weiter davon aus, dass es mit der Inflation noch nicht wirklich in Belgien vorbei ist, auch wenn einige Preise signifikant sinken: „Neben den Rohstoff- und Lebensmittelpreisen haben die Supermärkte noch mit anderen hohen Kosten zu kämpfen, mit weiter hohen Energiepreisen und mit steigenden Lohnkosten. Das alles hat auch Auswirkungen auf die Preise, die man letztendlich an der Kasse bezahlt.
