Die belgische Bundespolizei hat am Donnerstag in West- und in Ostflandern Hausdurchsuchungen in tschetschenischen Kreisen durchgeführt. Dabei wurden sieben Personen festgenommen. Gegen sie wird wegen Terrorverdacht ermittelt, denn es wird vermutet, dass sie einen Anschlag geplant haben. Der Hauptverdächtige steht auf der Liste des Koordinationsorgans für Bedrohungsanalyse in Belgien (OCAD) und stand unter Beobachtung der Nachrichtendienste.
Razzia bei Tschetschenen: Sieben Festnahmen wegen möglicher Planung eines Anschlags
Die Razzien fanden in Roeselare, Menen, Ostende, Wevelgem und in Gent statt. Fast alle Verdächtige, die festgenommen wurden, sind tschetschenischer Herkunft und laut Bundesstaatsanwaltschaft fanatische Anhänger der islamistischen Terrororganisation IS. Drei der Verdächtigen haben die belgische Nationalität.
Bei den sieben Festgenommenen handelt es sich um junge Männer Anfang 20, die offenbar sehr schnell radikalisiert werden konnten. Sie sollen einen Anschlag geplant haben, doch ein konkretes Ziel sei noch nicht bestimmt worden, so die Staatsanwaltschaft. Allerdings seien bereits mehrere Szenarien für einen Terroranschlag besprochen worden.
Obschon das alles noch recht vage war, entschlossen sich Polizei und Justiz am Donnerstagnachmittag dazu, zuzuschlagen. Die Verdächtigen seien auch damit beschäftigt gewesen, sich Waffen zu verschaffen, doch ob ihnen dies gelungen sei, wurde nicht mitgeteilt, eben so wenig wie die Resultate der Hausdurchsuchungen.
Dies ist in kurzer Zeit die dritte Zelle, die wir ausheben und die dabei war, einen terroristischen Anschlag in Belgien zu verüben. Das ist beunruhigend. Wir beobachten, dass in bestimmten Milieus sehr schnell radikalisiert wird.“
Eric Van Der Sypt, Föderale Staatsanwaltschaft
Nach Ansicht von Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) ist der Fahndungserfolg auch darauf zurückzuführen, dass ein neues Gesetz den Nachrichten- und Geheimdiensten in Belgien ermöglicht, aktiv in geschlossene Gruppen in den sozialen Medien, wo auch islamistische Milieus ihre Informationen teilen, ermitteln können.
Van Quickenborne sagte zudem, dass der Hauptverdächtige auf diese Weise entdeckt werden konnte. Dieser sei vom Nachrichtendienst schon länger beobachtet worden und habe auf der OCAD-Liste gestanden, eine Liste, die potentielle Gefährder, Extremisten und Terroristen beinhaltet. Das OCAD ist das Koordinationsorgan für Bedrohungsanalyse in Belgien. Hier aufgeführte Verdächtige werden beobachtet.
Obschon das OCAD das Bedrohungsniveau in Belgien auf 2 belässt, heißt es von dort, dass die Sicherheitsbehörden aufmerksam sein müssen. „Unsere Gremien sind aufmerksam“, sagte Justizminister Van Quickenborne dazu gegenüber VRT NWS am Donnerstagabend.
