Nach Ansicht eines Experten hängt in der Sint-Vedastus-Kirche in der limburgischen Gemeinde Hoepertingen ein Werk des flämischen Meisters Jacob Jordaens (1593-1678). Es könnte zumindest aus dessen Antwerpener Atelier kommen. Ob der Meister aber selbst hier Hand angelegt hat, ist heute nur schwer nachzuvollziehen.
Hängt ein Werk von Jacob Jordaens in einer kleinen Kirche in der Provinz Limburg?
Am Hochaltar der Sint-Vedastus-Kirche in Hoepertingen, einer Teilgemeinde von Borgloon in der flämischen Provinz Limburg, hängt ein Gemälde, dass den Besuch der schwangeren Maria bei ihrer Kusine Elisabeth, die ebenfalls schwanger ist, beschreibt und zwar nach dem Evangelium von Lukas.
Als Elisabeth, die Johannes den Täufer erwartet, Maria sieht, die Jesus in sich trägt, wird sie vom Heiligen Geist erfüllt und das ungeborene Kind in ihrem Bauch regt sich. Dabei spricht Elisabeth Worte aus, die später in das Gebet „Gegrüßet seist du, Maria ...“ einfließen werden.
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Ob dieses Gemälde in Hoepertingen allerdings von Jacob Jordaens selbst stammt, ist nicht sicher zu bestimmen. Laut Joost Vander Auwera, promovierter Kunstwissenschaftler und Kenner des Werks von Jordaens, stammt dieses Werk mit Sicherheit aus dem 17. Jahrhundert und könnte von Stil und von der Machart her mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zumindest aus dem Atelier des Meisters stammen.
Vor allem die Widergabe der Köpfe auf diesem Werk seien typisch für den Stil und die Handschrift des Barockmalers, so Vander Auwera. Ein dem Zacharias auf diesem Werk entsprechender Kopf sei auch auf einem Jordaens zu sehen, der in Wien hänge. Es sei also möglich, dass er selbst hier gemalt oder zumindest retuschiert hat. Aber, mit hundertprozentiger Sicherheit könnte man das nicht sagen, so der ausgesprochene Experte.
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Drei Versionen des gleichen Werks
Sicher ist, dass von der „Heimsuchung Mariae“, die Jacob Jordaens oder dessen Atelier zugesprochen werden, in dieser Form drei Versionen bestehen. Eine hing in der Liebfrauenkirche in Rupelmonde in Ostflandern, wurde aber im 18. Jahrhundert von den Franzosen mitgenommen und im Louvre aufgehangen wurde. Mittlerweise ist es im Bestand des Musée des Beaux-Arts in Lyon.
Das zweite Exemplar kam aus einer ungarisch-österreichischen Sammlung und wurde 1961 bei einer Auktion in New York verkauft. Danach aber wurde dieses Werk dem Dayton Art Institute in Ohio geschenkt, wo es heute noch zu sehen ist. Die dritte Version ist das hier besprochene Werk aus der Kirche in Hoepertingen.
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„Es war im 17. Jahrhundert gebräuchlich, dass von den gleichen Werken vier bis fünf Versionen angefertigt wurden. Dass ein Künstler als Genie ein originales Werk schafft, das danach vollständig kopiert wurde, ist eine romantische Idee aus dem 19. Jahrhundert. Wir können das Atelier von Jordaens nicht mit überholten Ansichten darüber, wie ein Atelier aussehen soll, herabwürdigen“, sagt Dr. Joost Vander Auwera dazu. Dieser leitet das „Jordaens Van Dyck Panel Paintings Project“, dass alle erhaltenen Werke dieser beiden flämischen Malerfürsten erforscht und analysiert.
Jetzt, da sicher ist, dass das Gemälde in der Kirche von Hoepertingen (Foto unten) zumindest aus dem Atelier von Jacob Jordaens stammt, will die Gemeinde Borgloon die Sicherheitsvorkehrungen in diesem kleinen Gotteshaus verschärfen. Schließlich wird das Werk am Hochaltar inzwischen auf rund 300.000 € taxiert. Man erwartet deutlich mehr Besucher und hofft, dass die flämischen Landesbehörden der Gemeinde Borgloon auch finanziell ein wenig unter die Arme greifen, damit das Werk seinem finanziellen und künstlerischen Wert entsprechend gesichert und versichert werden kann.
