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In Doel wird ein historisches Gebäude restauriert – Neuanfang für das einst bedrohte Polderdorf am Antwerpener Hafen?

Seit Anfang dieser Woche laufen die Restaurierungsarbeiten am „Hooghuis“ (Foto), einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in Doel. Dieses flämische Polderdorf war in seinem Fortbestand etwa 60 Jahre lang bedroht, denn der Hafen von Antwerpen rückte immer näher heran. Doch nach einem historischen Abkommen, das im vergangenen Jahr unterzeichnet wurde, kann Doel bestehen bleiben und muss nicht der weiteren Ausbreitung des Hafens weichen. Die Restaurierung des alten Gebäudes scheint der erste Schritt für eine neue Zukunft für Doel zu sein. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Jahrzehntelang bedrohte die Erweiterung des Antwerpener Hafens am linken Ufer der Schelde in Richtung der Provinz Ostflandern die Existenz des Polderdorfes Doel und die jüngere Geschichte des Ortes liest sich wie eine endlose Geschichte von politischer Beschlussunfähigkeit und juristischem Hin und Her. Doel schien zum Tode verurteilt und das belgische Bundesland Flandern bzw. die Provinz und der Hafen von Antwerpen erwarben sogar so gut wie alle Gebäude, mit dem Ziel, diese notfalls abzureißen. Jahrelang aber besetzten Gegner des Ausbaus des Hafens bis Doel solche Häuser und immer wieder kam es zu Räumungen und zu Demonstrationen.

In den 1960er Jahren kam das erste Neubauverbot und schon damals zogen viele Menschen von hier weg. Die, die blieben, warteten auf die Enteignung. In den 1970er Jahren aber stagnierte die Erweiterung des Hafens und es schien, als ob dort nicht mehr so viel Platz gebraucht werde. Doel schien gerettet, doch bis in die 1980er Jahre hinein blieben viele Häuser leer und die, die noch standen, waren hoffnungslos veraltet.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

"Keine Nachrichten sind gute Nachrichten"

Mitte der 80er Jahre sollte es für Doel dann doch wieder eine Zukunft geben, als die Ortschaft zu einem „Aufwertungsgebiet“ in der Gemeinde Beveren wurde, denn inzwischen hatten die ostflämische Stadt und Doel eine Gemeindefusion vollzogen. Das bedeutete, dass junge Familien angezogen werden sollten und dass in den Ort investiert werden würde. Rund 10 Jahre verschwand der Ort aus den Schlagzeilen, nach dem Motto: „Keine Nachrichten sind gute Nachrichten.“

Die die Ruhe währte nicht ewig und 1995 kamen Pläne ans Tageslicht, nach denen der Antwerpener Hafen quasi direkt am Rande von Doel ein neues riesiges Containerdock bauen wollte, das „Deurganckdok“. Und 1998 kündigte die damalige flämische Landesregierung an, dass dieses Dock gebaut werden müsse. Im gleichen Atemzug wurde aus der „Wohnzone Doel“ via Anpassung der Raumordnung ein „Industriegebiet“. Zudem sollte neben dem „Deurganckdok“ ein zweites Containerdock entstehen, das „Saeftinghedok“ und dieses sollte exakt dort entstehen, wo Doel liegt.

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Der Hafen rückte immer näher, wie z.B. das "Deurganck-Dock"

Proteste und Prozesse

In den 2000er Jahren wurde der Protest gegen das Vorhaben, Doel dem Hafenausbau zu opfern, stärker und es kam zu Gerichtsverhandlungen. Der Fall kam sogar vor den Staatsrat in Brüssel. Dort wurde die Raumordnungsänderung der flämischen Landesregierung allerdings im Jahr 2002 aufgehoben und das Dorf sollte Wohngebiet bleiben. Inzwischen aber wurde das „Deurganckdok“ direkt neben Doel fertiggebaut und 2005 eingeweiht. Dieses Dock ist übrigens das weltweit größte Gezeitendock, da es direkt im Einzugsbereich der Nordsee liegt.

2008 ist Doel nicht mehr aus den Schlagzeilen zu holen, denn es begannen die ersten Abrissarbeiten von Seiten der MLSO-Gesellschaft, die die Hafengebiete am linken Scheldeufer verwaltet. Diese Abrissarbeiten wurden aus „Sicherheitsgründen“ durchgeführt und als „Schutz gegen Hausbesetzer“. Und wieder folgte eine Flut von Protesten und Prozessen.

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Dann wird es wieder ruhig…

2009 stoppen die Abrissarbeiten, denn ein Berufungsgericht bestimmte, dass Doel ein Wohngebiet ist und dass dort Häuser nicht einfach so abgebrochen werden dürfen. Inzwischen aber sank die Zahl der Einwohner unter 200 Menschen. Es bleibt aber ruhig, auch wenn dies eine trügerische Ruhe war. Ab und zu war wieder von Bauplänen für Containerdocks die Rede und immer mehr Menschen zogen weg. Die, die blieben, hatten unter dem Leerstand und dem dazu gehörenden Verfall zu kämpfen.

Die Erlösung folgte 2018 als nach einigen Hin und Her bestimmt wurde, dass Doel dem Hafenausbau definitiv nicht weichen muss. Inzwischen lebten nur noch rund zwei Dutzend Menschen in dem Ort. Die Pläne für neue Containerkapazitäten bestimmten, dass der Ausbau hafenintern erfolgen werde und ein als „historisch“ bezeichnetes Abkommen der flämischen Regierung sorgte für den Erhalt von Doel. Es kam noch zu einem weiteren Verfahren vor dem Staatsrat, denn Bürgerinitiativen verlangten Garantien. Diese folgten und Doel wurde als Landschaft, als Wohnort und als kulturerbewürdiges Polderdorf eingestuft. Dies unterstreicht jetzt auch die Restaurierung des „Hooghuis“ aus dem 17. Jahrhundert.

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Das AKW Doel ist auch nicht weit...

Das "Hooghuis"

Mit der Restaurierung des „Hooghuis“ aus dem 17. Jahrhundert soll eine ganze Reihe von Finanzierungen die Wiederbelebung von Doel fördern. Das betrifft sowohl das architektonische Kulturerbe, als auch die umlegende Polderlandschaft. So steht auch die Restaurierung des landwirtschaftlichen Anwesens „Hof ter Walle“ und die „Scheldemolen“, eine alte Mühle an. Zudem sollen bis zu 15 Wohnhäuser wieder bewohnbar gemacht werden.

Das „Hooghuis“ ist inzwischen in den Besitz der flämischen Stiftung für Kulturerbe übergegangen und diese finanziert die Restaurierung und die spätere Nutzungsbestimmung mit 1,5 Mio. €. Die Restauration übernimmt die Stiftung „Herita“, die sich in Flandern um den Unterhalt geschützter Gebäude, Räumlichkeiten und Kunstwerke kümmert.

Das „Hooghuis“ selber wurde 1645 im Auftrag eines protestantischen Seefahrers gebaut. Jahrhundertelang diente es als Wohnhaus, als Geschäft und als Café. Seinen Namen erhielt das Gebäude aber erst im 19. Jahrhundert. Seit den 1970er Jahren steht es unter Denkmalschutz.

Das Gebäude weist eine barocke Türumrandung aus Blaustein auf und im Inneren ist ein ebenfalls barocker Kamin aus Marmor zu finden, der mit Delfter Kacheln verziert ist. Zudem ist überall eine Decke aus Eichenbalken vorhanden. Leider ist das Gebäude in einem denkbar schlechten Zustand und völlig zugewachsen. 

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