Aufatmen bei vielen Volkswirten in Belgien: Die Inflation in unserem Land ist nach einer leichten Stagnation im vergangenen Monat im April wieder deutlicher zurückgegangen. Kurz vor dem Monatsende beträgt die Teuerungsrate aktuell 5,6 %. Das bedeutet, dass die Lebenshaltungskosten hierzulande nicht mehr so schnell steigen, wie in den vergangenen Monaten. Eine Ausnahme bleiben dabei aber die Lebensmittelpreise. Im Vergleich zu Deutschland ist Belgien inflationsmäßig etwas besser dran.
Entspannung? Die Inflation in Belgien sinkt deutlich, auch wenn Lebensmittel teuer bleiben
Im März 2023 standen den Ökonomen in Belgien noch die Haare zu Berge, denn die Inflation lag bei plus 6,62 % gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat. Zuvor registrierte man während 4 Monaten noch eine sinkende Inflation. Jetzt, im April aber, scheint sich der Trend der weniger schnell steigenden Teuerungsrate seit dem Jahreswechsel dann doch durchzusetzen. Laut dem belgischen Statistikamt Statbel liegt die Inflation im April bei 5,6 %.
Das bedeutet, dass man für einen Einkauf, der im April 2022 noch 100 € kostete, heute 105,6 € zahlen muss. Seit November 2021 ist die Inflation in Belgien nicht mehr so niedrig gewesen, doch von einem normalen Niveau in Sachen steigende Lebenshaltungskosten ist unser Land noch etwas entfernt. Normalerweise liegt die Inflation hier bei durchschnittlich 2 % pro Jahr.
Lebensmittel bleiben teuer
Die langsam steigende Inflation ist zum größten Teil den seit einiger Zeit wieder sinkenden Energiepreisen zu verdanken, die seit April 2022 um 17,08 % nach unten gingen. Seit März 2023 sind die Preise für Erdgas um 32,7 % und für Strom um 18,5 % gesunken. Im Vergleich zu März 2022 sanken diese Preise um 62 % für Erdgas respektive um 20 % für Elektrizität.
Doch auf Ebene der Lebensmittelpreise ist die Stimmung noch nicht besonders glorreich. Im vergleich zum vergangenen Jahr steigen die Lebensmittelpreise im Durchschnitt um 16,64 %. Das ist vielleicht nicht mehr ein so großer Anstieg, wie vor einigen Wochen noch, doch z.B. bei Frischgemüse und bei frischem Obst steigen die Preise noch sehr stark. Auch bei Ölen, Fisch, Milchprodukten, Brot und Getreide sowie bei Fleisch steigen die Preise weiter in die Höhe. Einige Beispiele: Vollmilch + 35 %, Olivenöl + 33 %, Zucker + 32 %, Eier + 31 %...
Besser dran als Deutschland?
Laut dem Ökonomen Stijn Baert von der Universität Gent (UGent) hat der belgische Index-Ausschuss die hiesigen Inflationswerte mit denen von anderen Ländern in Europa verglichen: „Dann sehen wir, das wir ein bisschen in der Mitte liegen. Im Vergleich mit vielen anderen Ländern liegen wir in Sachen Inflation eher im unteren Bereich. Wenn man das dann mit unserem wichtigen Nachbarland, Handelspartner und Konkurrent Deutschland vergleicht, dann sind wir sogar besser dran.“
„Viele befürchteten eine Art Lohn-Preis-Spirale, bei der aufeinanderfolgende Preisanstiege auch angesichts unserer automatischen Gehaltsindexierung neue Lohnsteigungen schaffen würden, was wiederum zu höheren Preisen führen würde. Aber das sehen wir vorläufig nicht. Also was das betrifft, sind das eher gute Nachrichten“, so UGent-Volkswirt Stijn Baert.
