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Kein Denkmalschutz für das historisch wertvolle Bahnhofsgebäude von Kortrijk

Vor einiger Zeit nahm die europäische Denkmalschutzbehörde „Europa Nostra“ das Bahnhofsgebäude von Kortrijk in Westflandern in die Liste der sieben am meisten bedrohten Kulturlocations in Europa auf. Trotzdem wird dieses Gebäude nicht von den flämischen Landesbehörden unter Denkmalschutz gestellt. Diese Anerkennung führte also nicht zum Schutz für dieses Nachkriegsgebäude, dass wohl einem Neubauprojekt der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB weichen muss. 

Andreas Kockartz
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„Die Wiederaufbauarchitektur von nach dem Zweiten Weltkrieg ist in der Denkmalschutzliste schon gut vertreten und dort sind auch bereits 62 Bahnhöfe aufgelistet“, so Flanderns Kulturerbeminister Matthias Diependaele gegenüber VRT NWS.

„Wir versuchen, unsere Liste der geschützten Denkmäler so qualitätsreich wie möglich zu halten und schauen zuerst, was dort schon aufgelistet ist“, so Diependaele weiter.  

Diependaele verweist aber auch auf die Tatsache, dass die NMBS und ihr Infrastrukturdienstleister Infrabel das Gebäude durch einen modernen Bahnhof mit einem völlig neuen Umfeld ersetzen wollen und die Pläne dazu seien bereits seit weit gediehen. Eine Unterschutzstellung des alten Bahnhofs würde diese Pläne durchkreuzen.

Musterbeispiel für den modernistischen Wiederaufbau

Der Bahnhof von Kortrijk gilt als frühes Musterbeispiel für den modernistischen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde 1956 gebaut, also nur zwei Jahre vor der richtungweisenden Brüsseler Weltausstellung Expo 58. Doch dies, eine Petition gegen den Abriss und die Aufnahme in die Liste von „Europa Nostra“ werden den geplanten Abriss wohl kaum noch verhindern können.

In den Augen der Bahn entspricht das Gebäude den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Und mit diesem Argument ist auch die Stadt Kortrijk einverstanden, die sich ebenfalls dem Abriss nicht verweigern wird. 

Verantwortung der Bahn

Flanderns Denkmalschutzminister Diependaele verweist in diesem Zusammenhang aber auch auf die Verantwortung der belgischen Bahn selber, denn diese solle sich auch selber um ihr Kulturerbe kümmern. „Man kann den heißen Apfel nicht immer der flämischen Politik zuschieben. Als Besitzer der Bahnhöfe sollte die NMBS ihre eigene Vision über das eigene Patrimonium entwickeln. Ein blinkender und sehr teurer Neubau ist nicht immer die beste Lösung“, wie die flämische Tageszeitung den Minister zitiert.

Von dem alten Bahnhofsgebäude sollen nur einige bildbestimmende und künstlerisch wertvolle Teile erhalten werden, wie z.B. das Relief der vorderen Fassade und das Relief in der Schalterhalle. Viel mehr ist in den Plänen für den noch zu bauenden neuen Bahnhof nicht vorgesehen.  

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