In Brüssel hat ein Prozess begonnen, den die christliche Gewerkschaft gegen das Management der Supermarkt-Kette Delhaize angestrengt hat. Die Gewerkschaft geht damit gegen eine Anordnung eines Gerichts vor, dass Streikposten vor Delhaize-Warenhäusern bis Ende April verbietet. Dieses Verbot hatte sich Delhaize zuvor auf juristischem Weg erstritten und es wurde an einigen Stellen von Polizei und Gerichtsvollziehern eingefordert.
Verfahren der christlichen Gewerkschaft gegen das Verbot von Streikposten an Delhaize-Supermärkten
Die christliche Gewerkschaft ACV ist der Ansicht, dass die Delhaize-Direktion das Streikrecht in Belgien nicht mehr respektiert, in dem Polizisten und Gerichtsvollzieher gegen Militante vorgehen, um Streikposten vertrieben und Blockaden aufgehoben werden.
ACV-Sprecherin Veerle Verleyen sagte dazu am Mittwoch gegenüber VRT NWS: „Ziel unseres Prozesses ist, dass das Streikrecht bei Delhaize Ahold abzusichern, doch es geht noch weiter. Denn wenn man sich eigentlich auf die Justiz beruft und Streiks mit Justiz und Polizei bricht, bedeutet das, dass man eigentlich Arbeitnehmer mundtot macht und dass sie sich nicht mehr organisieren können und bei einem Sozialkonflikt aktiv werden. Das ist die eigentliche Herausforderung. Wir wollen heute erreichen, dass der Beschluss des Richters zum Verbot für Streikposten und zu Zwangsgeldern für nichtig erklärt wird.“
Seit der Ankündigung von Delhaize, alle 128 von der Gruppe selbst betriebenen Filialen an selbständige Betreiber übergeben zu wollen, schwelt dort ein schwerer Sozialkonflikt. Die möglicherweise davon betroffenen Mitarbeiter befürchten, dabei unter schlechteren Arbeits- und Lohnbedingungen beschäftigt zu werden. Bei Delhaize hieß es dazu, dass alle Beschäftigten dieser Märkte ihre Jobs behalten würden, doch davon sind die Mitarbeiter nicht wirklich überzeugt. Die Fronten zwischen Gewerkschaften und Delhaize sind weiter verhärtet, denn keine der beiden Seiten weicht von seinem Standpunkt ab...
Protest auch bei der Aktionärsversammlung von Ahold-Delhaize in den Niederlanden
Etwa 100 Gewerkschaftler von der christlichen ACV und der sozialistischen ABVV haben sich am Mittwochmorgen per Bus auf dem Weg nach Zaandam bei Amsterdam gemacht, um dort für ihre Belange bei der Aktionärsversammlung der Fusionsgemeinschaft Ahold, die Muttergesellschaft von u.a. Albert Heijn, bol.com und Delhaize einzutreten (Foto unten). Auch hier wurde vornehmlich gegen den Verkauf von 128 Delhaize-Märkten in Belgien an Franchisenehmer protestiert. In Zaandam fanden sie auch Unterstützung von einer niederländischen Gewerkschaft, die allerdings auch eine eigene Agenda hat, nämlich einen Mindestlohn von 14 € pro Stunde einzufordern. Dies sei auch notwendig, da die Aktionäre von Ahold innerhalb der vergangenen Jahre „um 80 % reicher geworden“ seien.
