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CHECK - Falsche Behauptung über ‚Antwerpener Händchen‘ und Belgiens koloniale Vergangenheit taucht wieder auf

Auf Twitter wird erneut behauptet, dass sich das regionale Produkt ‚Antwerpse handjes‘ (‚Antwerpener Händchen‘) – ein Keks in der Form einer Kinderhand - auf die abgetrennten Hände der Kongolesen während der belgischen Kolonialvergangenheit beziehen würde. Das stimmt absolut nicht: ‚Antwerpener Händchen‘ erinnern an die Herkunftslegende der Hafenstadt. Die nachweislich falsche Behauptung kursiert wahrscheinlich schon seit einem Jahrzehnt im Internet.

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In Kürze: Laut einem Tweet des Accounts "Africa Archives" würde sich das regionale Produkt ‚Antwerpener Händchen‘ auf die abgetrennten Hände der Kongolesen während der belgischen Kolonialzeit beziehen.

Das ist aber nicht korrekt: Die Antwerpener Hände wurden erstmals 1934 auf den Markt gebracht, und die Form geht auf eine Legende über die gallorömische Gründung und Benennung der Stadt Antwerpen zurück. Diese falsche Behauptung kursiert seit mindestens einem Jahrzehnt im Internet. 

Auf dem Twitter-Konto von Africa Archives erschien der folgende Beitrag vor einigen Tagen. Er wurde etwa 600.000 Mal aufgerufen. Africa Archives berichtet über den afrikanischen Kontinent, aber nicht immer wahrheitsgetreu.

Die Behauptung ist seit Jahren im Umlauf

Die falsche Hintergrundgeschichte erschien erstmals im März 2021 auf dem Twitter-Account von Africa Archives.

Ende letzten Jahres tauchte die Geschichte erneut auf Facebook auf und es gibt auch Videos dazu auf TikTok. Viele Menschen haben jedoch sowohl auf den diesjährigen als auch auf den Beitrag von 2021 auf Twitter geantwortet, dass diese Geschichte nicht stimme. Zu dem Beitrag auf Facebook fügte Facebook selbst hinzu, dass diese Geschichte nicht wahr sei.  

Historisches Symbol

Auch wenn das Gebäck erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkam, stammen die ‚Antwerpener Händchen‘ als Symbol für die Stadt aus einer Zeit, lange bevor Leopold II. den Kongo kolonisierte. Nach Angaben des Stadtarchivs wurden die Hände bereits im 16. Jahrhundert in die Wappen der Stadt Antwerpen aufgenommen. Dabei soll die rechte Hand das Privileg des Stapelns und Lagerns symbolisieren und die linke Hand die mautfreie Durchfahrt auf der westlichen Schelde-Mündung.

Auch die Antwerpener Stadtbrauerei De Koninck nahm die Hände in ihr Logo auf, als sie 1833 gegründet wurde. Das war 52 Jahre bevor der Kongo 1885 unter die Herrschaft von Belgiens König Leopold II. kam. 

Wer steckt hinter dem Account?

Das Account von African Archives wird von Walter Gido verwaltet. Er bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Afrikaner. Seinem LinkedIn-Profil zufolge stammt er aus Nairobi, Kenia. Die Mission des Profils besteht seiner Aussage nach darin, die verlorene Vergangenheit Afrikas zu dokumentieren und sichtbar zu machen.

Warum die Behauptung jetzt wieder auf dem Account auftaucht, ist unklar. VRT NWS hat versucht, Walter Gido von Africa Archives zu kontaktieren, aber vorerst keine Antwort erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass er die Behauptung erneut gepostet hat, weil er sah, dass sie immer noch in den sozialen Medien kursierte.

Woher die Behauptung stammt, ist schwer zu ermitteln. Aber anhand einer Rückwärtssuche mit dem Bild der ‚Antwerpener Händchen‘ können wir mit Sicherheit sagen, dass diese Behauptung seit mindestens einem Jahrzehnt im Internet kursiert. Im Jahr 2014 tauchte sie in dieser schwedischen Literaturzeitschrift auf .

Schlussfolgerung

Einem Tweet von Africa Archives zufolge bezieht sich das regionale Produkt ‚Antwerpener Händchen‘ auf die abgetrennten Hände kongolesischer Kinder während der belgischen Kolonialzeit.

  • Dies stimmt nicht: die ‚Antwerpener Händchen‘ erinnern an  die Ursprungslegende der Stadt Antwerpen.

  • Außerdem sind die beiden Hände schon seit Jahrhunderten Bestandteil der Antwerpener Wahrzeichen. So waren sie beispielsweise bereits im 16. Jahrhundert auf dem Wappen und 1833 auf dem Logo der Brauerei De Koninck zu sehen. Die Kolonisierung des Kongo unter Belgiens König Leopold II. begann erst 1885.

  • Diese Behauptung kursiert seit mindestens einem Jahrzehnt im Internet und in den sozialen Medien.

  • Wir stufen diese Behauptung als unwahr ein.

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