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Georges Simenon-Denkmal hinter dem Lütticher Rathaus

120. Geburtstag von Georges Simenon: Lüttich feiert seinen Krimiautoren

Der legendäre belgische Krimiautor Georges Simenon wäre in diesem Jahr 120 Jahre alt geworden. Seine Heimatstadt feiert ihren Schriftsteller. Mitte März organisierte die Stadt einen viertägigen „Simenon-Frühling“, doch das Programm geht weiter. So wurde eine neue App für einen touristischen Simenon-Spaziergang entwickelt und im Musée Grand Curtius findet eine Ausstellung mit Fotos des Autoren statt. Doch das ist noch nicht alles…

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Georges Simenon ist der am meisten gelesene, am meisten verfilmte und der am häufigsten Übersetzte französischsprachige Autor des 20. Jahrhunderts. Simenon (13. Februar 1903 in Lüttich - 4. September 1989 in Lausanne), kam vor 120 Jahren in Lüttich zur Welt und diese Stadt feiert ihren Sohn dementsprechend. Nach dem „Simenon-Frühling“ Mitte März gehen die Feierlichkeiten mit insgesamt zwei Ausstellungen weiter und auch auf touristischer Ebene gibt es in der „Feurigen Stadt“ einiges Neues zu Georges Simenon.

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Rund um die Kirche Saint-Pholien in Outremeuse spielen sich Kindheit und Jugend Simenons ab und hier entstehen auch erste Ideen zu Büchern

Das Museum Grand Curtius zum Beispiel zeigt in einer Ausstellung eine Auswahl aus zahllosen Fotos, die Simenon auf seinen Reisen aufgenommen hatte. Dass er überhaupt fotografierte, war und ist nur wenigen bekannt, doch nach Ansicht der Ausstellungskuratoren zeigen diese Fotos ein neues und unbekanntes Bild seiner auch schriftstellerischen Arbeit. Nicht zuletzt dokumentieren seine Fotos von Afrikareisen auch Themen, die in seinen Kriminalromanen auftauchen. „Images d’ un Monde en crise“, noch bis zum 27. August im Musée Grand Curtius, Feronstré 136, 4000 Lüttich.

Die zweite Ausstellung im Archiv „Les Fonds Patrimoniaux de Liège“, das ist das kulturhistorische Archiv der Stadt (Ilot St. Georges, 4000 Lüttich), werden drei Comics vor ihrer eigentlichen Veröffentlichung präsentiert und dort wird dort auch ein vorläufiges Drehbuch zu einer filmischen Bibliographie zu Georges Simenon vorgestellt.

John Simenon

Zu den Organisatoren des Simenon-Festivals gehört neben der Universität Lüttich (Ulg) und der Stadt Lüttich auch John Simenon, der Sohn des Schriftstellers. Dieser rief dieses Festival mit seiner Gesellschaft Simenon.tm ins Leben. John Simenon freut sich darüber, dass die Bücher seines Vaters auch 30 Jahre nach dessen Tod noch immer weltweit beliebt sind. Informationen über das weitere Programm zum 120. Geburtstag von Georges Simenon bietet die Webseite www.printemps.simenon.com und die Internetseite des Tourismusamtes der Stadt Lüttich https://www.visitezliege.be/de  

Geschichten von und über Simenon

Alles begann irgendwann im Februar 1931 in Paris, als der Lütticher Autor Georges Simenon, der bis dahin fast nur Groschenromane geschrieben hatte, sein erstes echtes Buch präsentierte: „Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien“. Diese Geschichte spielt sich nicht weit von seinem Elternhaus ab und dort, an der Kirche Saint-Pholien, führt auch jeder Simenon-Spaziergang vorbei. Eine der Personen, die in diesem ersten Maigret vorkommen, wurde an der Türklinke dieses Gotteshauses aufgehängt…

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Die Türklinke der Saint-Pholien-Kirche

Und diese Geschichte hat eine wahre Begebenheit als Ursprung. Im Jahr 1922 wurde dort die Leiche eines alten Freundes von Georges Simenon gefunden. Die Polizei ging damals von Selbstmord aus, doch Simenon bezweifelte dies, ebenso andere Zeitgenossen. Vor diesem Hintergrund vermischen sich in „Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien“ Legenden, Phantasie und wahre Begebenheiten.

Antiquariat

Gleich neben der Kirche befindet sich ein Antiquariat und dieses kann den Schriftsteller nicht von sich abstreifen. Warum auch. Der Laden heißt „A l’enseigne du commissaire Maigret“ („Am Zeichen von Kommissar Maigret“) und vielleicht findet man dort auch den Roman „Maigret bei den Flamen“ („Maigret chez les Flamands“).

Dieses Buch spielt in der französischen Kleinstadt Givet nahe der belgischen Grenze und beschäftigt sich mit den Themen Vorurteile, was man heute vielleicht sogar als Rassismus bezeichnen könnte. Hier verschwindet eine junge Frau und als Verdächtige ist eine zurückgezogen lebende Familie flämischen Ursprungs schnell ausgemacht.

Diese Leute sind erfolgreiche Händler und wohl reicher als die Einheimischen. Maigret reist in diese Stadt mit dem Ziel, den Ruf dieser Familie zu retten… Wie diese Geschichte spielen sich die meisten der 75 Romane und 28 Erzählungen Simenons mit Kommissar Maigret in Frankreich ab. Belgien oder seine Heimatstadt Lüttich kommen eher selten vor. Das hält die Stadt aber nicht davon ab, ihren schriftstellerischen Sohn zu würdigen.

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Etwas seelenlos - Simenons Geburtshaus in der rue Léopold 24

Auf den Spuren von Georges Simenon

Es gibt vor allem im Ortsteil Outremeuse, eine zentrumsnahe Insel zwischen der Maas und dem Seitenarm Dérivation, eine Simenon-Jugendherberge und ein Simenon-Denkmal. Dieses jedoch ist bereits einige Male Opfer von Dieben geworden. Mehrmals wurde Simenons Pfeife abgebrochen und gestohlen. Irgendwann hatte die Stadt genug davon und brachte keine neue Pfeife mehr an. Doch das Rauchen hat sich der Krimiautor nicht abgewöhnt. Es sieht so aus, als ob er einen Zigarettenstummel im Mundwinkel hält.

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Simenon-Denkmal in Outremeuse... Pfeife geklaut...

Das Tourismusamt der Stadt Lüttich organisiert auch deutschsprachige Führungen auf den Spuren von Georges Simenon und es wurde zum Anlass des „Frühlings von Georges Simenon“ eine neue Wander-App entwickelt: https://www.printemps-simenon.com/activite/parcours/#

Simenons Lüttich - Viel hat sich hier nicht verändert...

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