Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten (Groen, Foto) kann sich vorstellen, dass innovative Kernreaktoren, wie die neuen kleinen modularen Reaktoren, unter strengen Auflagen auch in Belgien zum Einsatz kommen könnten. Entsprechende Pläne der flämischen Grünen werden vom Regierungskabinett besprochen.
Belgiens Energieministerin kann sich neue kleine Kernreaktoren vorstellen
Das Thema Kernenergie zur Sicherung der Energieversorgung ist nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ein Dauerthema. Einige Parteien arbeiten schon länger daran, die Gesetze zum belgischen Atomausstieg anzupassen, um weiter auf Atomkraft setzen zu können. Jetzt sind die kleinen und innovativen modularen Reaktoren, kurz SMR genannt, im Gespräch.
Gegen die Idee, solche Reaktoren zur Energiegewinnung vielleicht schon ab 2040 zu nutzen, versperrt sich auch nicht Belgiens grüne Energie- und Umweltministerin Tinne Van der Staeten von den flämischen Grünen Groen. Auf Regierungsebene wird dieses Thema allerdings stetig vertagt und damit kommt es auch (noch) nicht vor das Parlament.
Van der Straeten will einen eigenen Gesetzesvorschlag für ein klimaneutrales Energiesystem vorlegen, in dem auch Raum für die SMR-Reaktoren sein kann. Die Liberalen und die flämischen Christdemokraten der CD&V können sich vorstellen, dass auch die ältesten Kernreaktoren in Belgien, Doel 1 und 2 sowie Tihange 1 über 2025 hinaus am Netz bleiben könnten, doch ab dann ist laut Atomausstiegsgesetz Schluss für diese Meiler.
In den Plänen Van der Straetens ist auf jeden Fall keine Rede von einer Laufzeitverlängerung der rund 40 Jahre alten Meiler. Ihre Idee ist ein Einsatz von modularen SMR-Meilern, die keinen hochradioaktiven Strahlenabfall produzieren.
Laufzeitverlängerung für Doel 4 und Tihange 3?
Inzwischen läuft die mögliche Laufzeitverlängerung für die beiden jüngsten belgischen Atomreaktoren Doel 4 und Tihange 3 auf Hochtouren weiter. Ob diese Meiler über 2025 hinaus weiter am Ntz bleiben können, hängt letztendlich auch von den Gesprächen zur Finanzierung mit Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel ab. Und hier hat der französische Konzern ein Problem, nämlich die extrem teure Behandlung und Endlagerung des hochradioaktiven Strahlenabfalls.
Endlos können die Gespräche nicht mehr geführt werden, denn die Zeit drängt und es muss entsprechendes Spaltmaterial angeschafft werden (ebenfalls nicht gerade billig). Und mittlerweile durchkreuzt auch die Energiesicherheit für die anstehenden Winter 2025-2026 bzw. 2026-2027, die durch die noch nicht abgeschlossene Energiekrise ungesichert ist.
Belgiens Kernenergie-Kontrollorgan FANC kann sich vorstellen, dass die oben genannten Meiler nach entsprechenden Modernisierungen weiterlaufen können und auch Engie ist nicht wirklich dagegen. Doch erst muss die Finanzierung gesichert sein. Und das kann noch dauern, auch wenn eigentlich keine Zeit mehr ist.
