Auf welche Art und Weise kann die belgische Küste und ihr flämisches Hinterland in den kommenden 100 Jahren gegen Hochwasser, große Fluten und den steigenden Meeresspiegel geschützt werden? Entsprechende Untersuchungen konnten jetzt abgerundet werden. Jetzt ist es an der flämischen Landesregierung, zu entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll. Was ist bereits in dieser Hinsicht passiert und was muss noch gemacht werden?
Wie soll die belgische Küste im kommenden Jahrhundert gegen Fluten und den steigenden Meeresspiegel geschützt werden?
Der sogenannte „Masterplan Küste“ soll für den Schutz gegen die Unbilden der Nordsee und gegen die Folgen des Klimawandels sorgen. Ein Teil dieses Plans ist der Bau eines Sturmflutwehres in Nieuwpoort.
„Das ist eine Art Tor am Eingang des Hafens, um bei extremem Hochwasser Schutz gegen Überflutungen zu bieten. Wir tragen dabei Rechnung mit einem Anstieg des Meeresspiegels bis 2050“, erklärte Steve Timmermans von der flämischen Landesagentur für maritime Dienstleistungen gegenüber VRT NWS.
Der Bau dieses Wehres ist bereits angelaufen, doch dies ist nur eine von vielen Maßnahmen, die bereits getroffen wurden.
Der steigende Meeresspiegel ist keine kurzfristige Bedrohung, doch das ist messbar: „Wir messen seit 2000 schon jetzt einen Anstieg um etwa 1 cm alle zwei Jahre.“ Aus diesem Grunde wird der Strand der gesamten Küstenlinie schon jetzt so weit wie möglich erhöht und verbreitert, z.B. über die Zugabe von Sand (Foto oben). Und die Deiche werden weiter verstärkt.“
Unterschiedliche Szenarien
„Wir gehen von sehr unterschiedlichen Szenarien aus“, sagt Edward Van Keer, der Projektleiter von „Kustvisie“ („Küstenvision“) dazu: „Sowohl das Szenario, bei dem wir die Ziele des Klimagipfels von Paris erreichen (Beschränkung des globalen Temperaturanstiegs auf höchstens 1,5°C über der Vor-Industrialisierung (Red)), als auch ein Szenario, bei dem wir nichts unternehmen. Das macht einen Unterschied des Anstiegs des Meeresspiegels zwischen 30 oder 140 cm aus.“
Langfristig sind auf jeden Fall zusätzliche Maßnahmen notwendig. Für die Strandzonen sind spezifisch zwei Optionen ausgearbeitet worden: Die Wasserline dort halten, wo sie ist, doch Strand, Dünen und Deiche zu erhöhen. Oder die Tiefwasserlinie einige Meter in Richtung Meer verschieben. Das muss jetzt die flämische Landesregierung entscheiden.
Kosten-Nutzungs-Rechnung abwarten?
Laut Flanderns Ministerin für öffentliche Arbeiten, Lydia Peeters (Open VLD) ist die zweite Option naheliegend und diese genieße derzeit zumindest den Vorzug:
„Wir denken, dass es interessanter ist, die Küstenlinie so weit wie möglich seewärts zu ziehen. Aber wir müssen zuerst noch zusätzliche Untersuchungen durchführen lassen: Einen strategischen Umweltverträglichkeitsbericht und eine gesellschaftliche Kosten-Nutzungs-Rechnung.“
Zu dem, was das alles kosten soll oder darf, kann sich die Ministerin derzeit noch nicht äußern: „Mit dem ‚Masterplan Küste‘ haben wir bisher einen Betrag von 240 Mio. € freimachen können.“ Neben allem, was hier bereits genannt wurde, kommt aber auch noch der Schutz der See- und Küstenhäfen hinzu, was - auch kostenmäßig - eine größere Herausforderung ist.
Zeebrügge
Ein Sturmflutwehr wie in Nieuwpoort reicht für Zeebrügge bei weitem nicht aus. Hierzu sagt Edward Van Keer vom Projekt „Kustvisie“: „In Zeebrügge kann man nur den Hafen so wie jetzt offenhalten und alles graduell erhöhen. Es ist aus nautischen Gründen nicht möglich, ein Sturmflutwehr zu bauen oder mit einer Schleuse zu arbeiten.“
Um in diesem für die flämische Wirtschaft so wichtigen Hafen alles finanzierbar zu halten, wird bei allen hier geplanten Projekten und Arbeiten dazu übergegangen, alle Kais und Terminals zu erhöhen.


