Das Kulturzentrum „de Roma“ (Foto) und die Vereinigung Merhaba haben das für kommende Woche in Antwerpen geplante Iftar für die Lgbtqia+-Gemeinschaft abgesagt. Ein Iftar ist eine Mahlzeit nach Sonnenuntergang im Ramadan, der Fastenzeit der Moslems. Mit diesem Queer-Iftar wollten die Veranstalter für eine sichere Umgebung für queere Moslems sein, doch es kamen so viele negative Reaktionen und Bedrohungen über die sozialen Medien, dass man das Event aus Sicherheitsgründen absagte. Die Politik reagierte entsetzt.
Antwerpen: Iftar für die Regenbogengemeinschaft nach Bedrohungen abgesagt
Flanderns Landesminister für Chancengleichheit, der flämische Liberale Bart Somers (Open VLD), bedauert diesen Entschluss und teilte mit, dass er nach einer Lösung suche, damit die Lgbtqia+-Gemeinschaft für ihre Moslems ein Iftar in einer sicheren Umgebung organisieren könne: „Wir dürfen uns dem nicht beugen, also schauen wir jetzt, woher die Bedrohung kommt und auf welche Art und Weise wir den Veranstaltern beistehen können.“
„Ich finde das traurig und nicht hinnehmbar“, reagierte Somers weiter: „Wir gehören zur Weltspitze, wenn es um die Holebi-Rechte geht. Dass Organisatoren im Jahr 2023 ein solches Event abblasen müssen, weil sie sich durch Bedrohung und Einschüchterung nicht sicher fühlen, können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren.
Wir dürfen uns solchen Drohungen niemals beugen, denn es geht hier um das Fundament unserer Demokratie. Tun wir das doch, dann drehen wir die Geschichte zurück.“
Der Antwerpener Stadtrat Kevin Vereecke (N-VA)
Auch aus der Antwerpener Lokalpolitik kommen solche Reaktionen. „Ich bin schwer von ‚de Roma‘ enttäuscht, dass man dort diesen Entschluss fasste. Das war eine fantastische Initiative, um Brücken zwischen den Gemeinschaften zu bauen. Wir dürfen uns solchen Drohungen niemals beugen, denn es geht hier um das Fundament unserer Demokratie. Tun wir das doch, dann drehen wir die Geschichte zurück“, sagte das Stadtratsmitglied Kevin Vereecke von den flämischen Nationaldemokraten N-VA.
Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) lädt die Queer-Gemeinschaft zu einem Iftar im Hilton Hotel in Antwerpen ein, wo eine türkische Gemeinschaft diesen eine offene Türe bietet. Auch die flämische Christdemokratin zeigt sich entsetzt darüber, dass sich "de Roma" Bedrohungen beugt.
Weder die Verantwortlichen von „de Roma“, noch die der Vereinigung Merhaba wollten auf den Vorgang eingehen. In Belgien beginnt der Ramadan am Donnerstag (23. März). Dies wurde nach einer Versammlung des Rates der Theologen, der der belgischen Moslem-Exekutive nahesteht, beschlossen. Der Ramadan beginnt dann, wenn der Neumond sichtbar wird.
