In Leffinge in Westflandern ist der Filmemacher Raouls Servais (94, Foto) gestorben. Servais gilt international als einer der Pioniere des Animationsfilms. Er gewann für den Film „Harpya“ 1979 die Goldene Palme in Cannes und er gründete die erste Schule für Zeichentrickfilm in Europa.
Raouls Servais wurde auch gerne „Der Zauberer von Ostende“ genannt, denn er war gleichzeitig Zeichner, Erfinder, Designer und Filmregisseur. Er gilt als Pionier des Animationsfilms und erhielt für sei Schaffen im Laufe der Jahre rund 60 Auszeichnungen, darunter für den Kurzfilm „Harpya“ 1979 die Goldene Palme in Cannes. Nicht zuletzt gründete er 1963 am KASK in Gent die erste professionelle Ausbildung für Animations- und Zeichentrickfilm in ganz Europa.
Insgesamt drehte und produzierte Raoul Servais 16 Filme. An seinem Langspielfilm „Taxandria“, ein Film über den Drang nach Freiheit in einer diktatorischen Umgebung, arbeitete er nicht weniger als 15 Jahre.
Er selbst war Autodidakt und brachte sich alles selbst bei. Inspiriert wurde er durch die Stummfilme von Charlie Chaplin und von den Comicfilmen „Felix the cat“. Seine erste Kamera baute er als Jugendlicher aus einer Zigarrenkiste. Doch er widersetzte sich nie der Modernität und der technischen Entwicklung. Seine ersten Filme ließen noch eine gewisse Bastelei erkennen, doch gegen Ende seines Schaffens ging er auch den digitalen Weg.
Servaisgraphie“
Raoul Servais mischte sehr gerne und schon früh Zeichnungen und Filmszenen mit echten Schauspielern und nannte dies mit einem gewissen Schmunzeln „Servaisgraphie“. Formell und inhaltlich aber war er weit vom Unterhaltungsfilm à la Walt Disney entfernt.
Im Gegenteil: Servais ließ oft ein Kriegsgeschehen oder die Auflehnung gegen die Diktatur spüren und zeigte damit seinen Abscheu gegen Systeme, die den Menschen, die Liebe und die Poesie missachten. Ein Beispiel ist sein Anti-Kriegs-Film „Chromophobia“ aus dem Jahr 1965, womit er auch seinen internationalen Durchbruch erzielte.
Raoul Servais starb bereits am vergangenen Freitag, doch seine Familie gab seinen Tod erst in der vergangenen Nacht bekannt. Servais wurde 94 Jahre alt. Vor einigen Jahren übergab er sein riesiges Archiv an die König-Baudouin-Stiftung.
