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Kriegstagebuch eines belgischen Soldaten kehrte aus Australien zurück und wurde dem Flanders Fields Museum in Ypern übergeben

Das Flanders Fields Museum im westflämischen Ypern ist um ein Sammlungsstück reicher. Das Kriegstagebuch des belgischen Soldaten Jules Geldhof aus Mouscron (Provinz Hennegau) ist nach den Wirren des Ersten Weltkriegs irgendwie in Australien gelandet und kam jetzt, über 100 Jahre nach Kriegsende, zurück nach Belgien.  

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Familie Ray aus Australien übergab dieses Kriegstagebuch jetzt der Familie des Soldaten in Belgien und diese wiederum stiftete es dem Weltkriegsmuseum in Ypern. Das Besondere an diesem Tagebuch ist, dass man dort nicht nur drin lesen, sondern auch noch Bilder aus dem Krieg anschauen kann. Rund 20 Familienmitglieder von Jules Geldhof kamen vor einigen Tagen nach Ypern, um es dort in die Obhut des Flanders Fields Museums zu geben. Sie kamen aus Mouscron selbst, aber auch aus Wevelgem, Izegem und Lüttich.

Für Christian Geldhof war die Existenz des Kriegstagebuchs seines Großvaters eine große Überraschung, wie er gegenüber dem VRT-Sender Radio 2 erzählte: „Wir wussten überhaupt nichts von einem Tagebuch. Plötzlich wurde eine Nichte von mir über die sozialen Medien von der australischen Botschaft kontaktiert. Man sagte uns, dass man das Kriegstagebuch unseres Großvaters gefunden habe. Und dass eine Familie Ray in Australien uns dieses Tagebuch zurückgeben wolle. Das war eine angenehme Überraschung für unsere ganze Familie.“

Jules Geldhof starb bereits 1961

„Die meisten von uns haben unseren Großvater nicht gekannt. Er starb 1961 und ich bin 1962 geboren. Was wir von ihm in der Familie wussten, dass er Architekt bei der Stadt Mouscron war. Doch über seine Kriegsvergangenheit wurde nie gesprochen. Niemals. Das war tabu. Also darüber wussten wir nichts.“, so Christian Geldhof.

Bekannt war bisher, dass Jules Geldhof ein belgischer Soldat war, der eben aus Mouscron stammte. „Er führte während des Ersten Weltkriegs ein Tagebuch,“ erzählte Annick Vandenbilcke, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Flanders Fields Museum gegenüber VRT NWS: „Das ist viel eher ein Fotobuch, als ein echtes Tagebuch. Darin sind viele einmalige Fotos, denn Jules hatte ein Auge für seine Umgebung. Er machte Fotos von Kindern und von seinen Kameraden, als sie schwammen. Doch er machte auch Fotos von seinem besten Freund, der gefallen war. Dank dieser Fotos bekommt der Soldat Seghers ein Gesicht für uns. Wir werden dieses Foto der Namensliste, die wir im Museum führen, hinzufügen.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Wie kam das Kriegstagebuch überhaupt nach Australien?

„Ganz sicher sind wir nicht, denn wir haben das militärische Dossier von Jules Geldhof nicht,“ so die Wissenschaftlerin: „Doch wir glauben, dass Jules verwundet wurde und dass man ihn nach England brachte. Dort wurde er von der Krankenschwester Clara Carter gepflegt. Sie bekommt dieses Tagebuch in ihre Hände. Wir glauben nicht, dass Jules es ihr gegeben hat. Vielleicht musste er dort überstürzt weg und hat es dort vergessen? Jedenfalls behält es Clara. Nach dem Krieg geht sie nach Australien und heiratet dort jemanden aus der Familie Ray. Jonathan Ray, ein Enkel von Clara, wollte es jetzt nach Hause bringen und suchte nach einem Kontakt zur Familie Geldhof. Und die Familie Geldhof hat ihrerseits beschlossen, dieses Kriegstagebuch unserem Museum zu schenken.“

„Ich habe gerade noch darin geblättert,“ so Christian Geldhof. Es sei seltsam, seinen Großvater so kennenzulernen: „Wir wollen jetzt auf jeden Fall etwas tiefer graben, um unsere Familiengeschichte herauszubringen. Ich habe schon alte Fotos aus dem Speicher geholt, um das eine oder andere herauszufinden.“ Die Geschichte von Jules Geldhof kann mit diesem Foto- und Kriegstagebuch jetzt jedem erzählt werden. Im Flanders Fields Museum will man jetzt gemeinsam mit der Familie die Geschichte dieses Soldaten aufschreiben, damit man es dort lesen kann. 

Das Flanders Fields Museum in Ypern bekommt pro Woche etwa zwei Schenkungen. Dabei handelt es sich sowohl um Fotos oder um Tagebücher und Briefe, als auch um Objekte. Doch diese Schenkung sei schon etwas ganz Besonderes, so Annick Vandenbilcke: „Auch weil sie aus Australien kommt und eine weite Reise gemacht hat. Und es bleibt immer etwas Besonderes, wenn man mit einer solchen Emotion auch Familien zusammenbringen kann, auch wenn es sich nur um ein kleines Büchlein handelt.“  

In Flanders Fields Museum, Grote Markt 34, 8900 Ieper (Ypern), Info: https://www.inflandersfields.be/de

Im "In Flanders Fields Museum" in Ypern

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