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In Lier bei Antwerpen soll das älteste Bahnwärterhäuschen Belgiens abgerissen werden

An einem Bahnübergang an der Eecke Lispersteenweg-Bernardijnenlaan in Lier in der Provinz Antwerpen steht das wohl älteste Bahnwärterhäuschen von Belgien. Dieser Schrankenposten stammt vermutlich aus dem Jahr 1855 und diente dem Schrankenwärter in der Frühzeit der belgischen Eisenbahn sowohl als Arbeitsplatz, als auch als Wohnort. Jetzt droht dem Gebäude leider wegen Baufälligkeit der Abriss.

Andreas Kockartz
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Aktualisiertupdate:

Infrabel, der Infrastrukturdienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, hat jetzt einen Antrag zum Abriss des Gebäudes eingereicht und die Stadtverwaltung von Lier stimmte dem zu. Doch letztendlich muss das Denkmalschutzamt der flämischen Landesregierung einem Abbruch des Bahnwärterhäuschens zustimmen und das ist noch keine ausgemachte Sache.

Dem Grundbuchregister des Katasteramts ist zu entnehmen, dass das Bahngebäude irgendwann zwischen 1875 und 1899 fertiggestellt wurde, doch nach Ansicht des Kenners der Eisenbahngeschichte in Flandern, Hugo De Bot, entstand das Bahnwärterhäuschen schon viel früher, wie er gegenüber der Tageszeitung Het Nieuwsblad erzählte: „Die Eisenbahngesellschaft Lier-Turnhout eröffnete ihre Bahnstrecke im Jahr 1855. Die Konzession zählte alle Gebäude auf, die entlang der Strecke standen bzw. damals noch gebaut werden mussten. Damit ist dieses Gebäude das älteste noch in unserem Land stehende Bahnwärterhäuschen.“

In diesem Gebäude wohnten sogenannte Streckenwärter oder Bahnwärter, auch als Streckenläufer bezeichnet. Das waren Eisenbahner, deren Aufgabe es war, ihnen zugeteilte Abschnitte einer Eisenbahnstrecke regelmäßig abzugehen und zu kontrollieren. Mit Hammern und Hacken ausgerüstet, mussten sie die Schienenschrauben und ähnliches kontrollieren. Ihre Ehefrauen sorgten derweil dafür, dass die Schranken an den Bahnübergängen, an denen solche Häuschen zu finden waren, gesenkt wurden, wenn ein Zug kam. Sie wurden vor jeder Zugpassage vom Fahrdienstleiter angerufen.

Hugo De Bot weiß, dass das Bahnwärterhäuschen von Lier noch Mitte der 1980er Jahre bewohnt war: „Möglicherweise war dies der letzte Bewohner.“ Planungen, hier eine Brücke oder eine Unterführung anzulegen, sind in der Bevölkerung umstritten. Die Leute hier mögen ihren Bahnübergang, denn er ist auch eine Art Treffpunkt. Er liegt an der vielbefahrenen Bahnlinie 15 zwischen Antwerpen und Hasselt und die Schranken gehen hier sehr oft runter... 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Schranken schließen sich hier sehr oft...

Umständliches Verfahren

Infrabel vermeldete im Antrag auf Abriss, dass nur das baufällige Gebäude abgerissen werden soll. Der Antrag lautet nur auf Abriss und deutet nicht auf eine neue Bestimmung hin. Das Umfeld des Gebäude soll stehen bleiben und Infrabel will Schilder anbringen, auf denen die Geschichte des Gebäudes erzählt werden soll. Infrabel ist sich also dessen bewusst, dass es sich hierbei um ein besonders Bauwerk aus der belgischen Eisenbahngeschichte handelt.

Ein erster Antrag auf Abriss, der 2012 eingereicht wurde, wurde damals einstimmig von Bürgermeister- und Schöffenkollegium der Stadt Lier abgelehnt und zwar mit der Begründung, dass das Gebäude Denkmalschutzwert habe. Jetzt aber stimmt das Gemeindekollegium einem Abbruch zu. Allerdings stellte eine öffentliche Untersuchung im Jahr 2019 fest, dass das Bahnwärterhäuschen wegen seines historischen und architekturellen Wert unter Denkmalschutz gestellt werden sollte.

Lier ist allerdings der Ansicht, dass das Gebäude durch Umbaumaßnahmen vor vielen Jahren (ein Stockwerk wurde vor Jahrzehnten hinzugefügt) keinen besonderen Wert mehr habe. Hier schätzt man den Erhaltungswert als sehr gering ein, denn nur das Erdgeschoss und Teile der Fassade seien noch original. Letztendlich muss die flämische Denkmalschutzbehörde einem Abriss zustimmen. 

Doch dies ist keine ausgemachte Sache. Leider geht die belgische Bahn mit ihrer Geschichte und ihrem baulichen Kulturerbe nicht besonders pfleglich um, sonst wäre eine solche Diskussion wohl überflüssig und sonst würden in Belgien nicht so viele historische Bahnbauten dem Erdboden gleichgemacht. 

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