Seit der Einführung des „Good Move“ genannten Verkehrsplans in Brüssel ist der Autoverkehr im sogenannten „Fünfeck“, das ist die Zone innerhalb des Innenstadtrings, um 19,2 % zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der Fahrradverkehr in dieser Zone um etwa ein Fünftel. Während der Verkehrsplan in einigen Brüsseler Gemeinden und Ortsteilen weiter für Probleme sorgt, scheint er in der Gemeinde Brüssel-Stadt weitgehend ein Erfolg zu sein.
6 Monate nach seiner Einführung sorgt der Brüsseler "Good Move"-Plan für ein Viertel weniger Autoverkehr im "Fünfeck"
Als der „Good Move“-Plan in der belgischen Hauptstadt vor etwa 6 Monaten im September 2022 eingeführt wurde, schien er im „Fünfeck“ in Brüssel-Stadt sogar für mehr Verkehr zu sorgen. Zum Beispiel in der Dansaertstraat war fest ständig Stau. Mobilitätsschöffe Bart Dhondt von den niederländischsprachigen Grünen (Groen) sagte damals, es brauche mindestens ein halbes Jahr, bis dieser Plan greifen würde. Er hat wohl recht behalten.
Im Allgemeinen, so schreibt die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ dazu, suggerieren die Zahlen, dass der Verkehrsplan im Brüsseler „Fünfeck“ dafür sorgt, was damals versprochen wurde, nämlich für bedeutend weniger Autoverkehr. Und der Fahrradverkehr konnte wachsen. Das Mobilitätsamt der Stadt Brüssel verglich die Zahlen und Verkehrszählungen vom 26. Oktober 2021 mit denen vom 8. November 2022. Diese Zählungen fanden zu den Stoßzeiten morgens und abends an 45 Kreuzungen innerhalb des Fünfecks und an 30 Messpunkten am Kleinen Ring statt.
Am Kleinen Ring wurde deutlich, dass die Zahl der Autos, die ins Fünfeck hinein- oder aus dieser Zone wieder hinausfuhren, um 16 % gesunken waren. Allerdings erbrachten diese Zählungen lokal sehr unterschiedliche Ergebnisse. Auf Höhe der Pachecolaan sank die Zahl der Autos um 16 %, während am Barricadenplein knapp die Hälfte Autos hinzukam. Andernorts, zum Beispiel an der Vlaamse Poort, blieb sie nahezu gleich.
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Deutlicher Rückgang im Zentrum
Im Zentrum des „Fünfecks“ sind die Zahlen überdeutlich. Hier waren tatsächlich 19,2 % weniger Autos unterwegs, dafür aber rund ein Fünftel mehr Radfahrer. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Inzwischen müsste eine neue Zählung her, denn die letzte ist (8. November 2022) dürfte längst überholt sein. „Viele Leute haben ihr Mobilitätsverhalten inzwischen angepasst und diese Bewegung hält noch an,“ so Mobilitätsschöffe Bart Dhondt dazu gegenüber BRUZZ.
Ein oft gehörtes Argument gegen den Verkehrsplan „Good Move“ ist immer wieder, dass der Plan den Verkehr lediglich auf den ohnehin chronisch verstopften Kleinen Ring verschoben habe und dass dort ein regelrechter „Verkehrsinfarkt“ herrsche, doch dies stimmt so nicht, wie Zahlen von GPS-Anbietern, die der Brüsseler Stadtverwaltung vorliegen, belegen.
Im Januar 2023 dauerte es exakt eine Stunde, um den Kleinen Ring vollständig während einer Stoßzeit zu fahren. Das ist 5 Minuten schneller gewesen, als vor Corona und nur wenig langsamer als im Frühjahr 2021. Mobilitätsschöffe Dhondt bleibt überzeugt: „Viele Leute haben eine andere Mobilitätswahl getroffen und sind zum Beispiel auf das Rad oder in den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen. Der Verkehrsplan erfüllt damit sein Ziel: Eine angenehmere Stadt für alle.“
Proteste in anderen Brüsseler Gemeinden
In den Brüsseler Ortsteilen Anderlecht, Jette und Schaarbeek gab es gegen „Good Move“ zum Teil heftige Proteste und die jeweiligen Kommunalverwaltungen ruderten in Sachen Neuordnung der Verkehrssituation zurück und passten einiges wieder an, bzw. machten „Good Move“ zumindest in Teilen rückgängig. In Brüssel-Stadt aber blieb man hartnäckig und sorgte lediglich mit einigen Feinheiten und Nachrüstungen für Entspannung.
„Wir hatten uns die Zeit genommen“, so Mobilitätsschöffe Bart Dhondt, „diesen Plan gut vorzubereiten und wir haben und die Zeit genommen, diesen Plan zu einem Plan für die gesamte Mehrheit zu machen und nicht nur zu einem Plan der Grünen. Das hat sich gelohnt, wenn alle stehen weiterhin dahinter.“
Auch die schnelle Reaktion des Stadtrates habe dabei geholfen, dem Plan mehr Akzeptanz zu verleihen: „Wenn die Leute mich oder meine Kollegen auf ein Problem angesprochen haben, nahmen wir das ernst und schauten, ob wir etwas anpassen konnten, ohne die Philosophie des Verkehrsplans zu verletzen. Das haben sowohl unsere Koalitionspartner, als auch die Einwohner gemerkt.“
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Es gibt aber noch Probleme
In einigen Bereichen ist es allerdings noch immer so, dass es etwas mehr Autoverkehr gibt, als früher und das betrifft zum Beispiel den Bereich an der Pacheco- und an der Berlaimontlaan sowie an der Zandstraat in der Nähe davon im Bereich Nordbahnhof und Botanischer Garten bzw. Finanzturm. Und in Anneessens zwischen Börse und Bahnhof Süd/Midi stauen sich regelmäßig die Autos in der Loof- und der Gierstraat. Letztendlich kann nach wie vor die Dansaertstraat (Foto unten) nicht mehr Autos vertragen, als derzeit und vor allem der aus dem „Fünfeck“ herausfahrende Verkehr sorgt in den Stoßzeiten für Frust, wie bei BRUZZ festgestellt wird.
Doch, so ergaben Befragungen der Redaktion, habe die Frequenz der Staus und Verkehrsprobleme auch hier etwas angenommen. „Die Dansaertstraat muss mittelfristig zur Fahrradstraße werden. Wir sind mit der Situation noch nicht zufrieden“, so Mobilitätsschöffe Dhondt. Er erinnert auch daran, dass die November-Zählung stattfand, während es im Stadtzentrum deutlich mehr Baustellen gab, als heute: „Es erschien seltsam, doch wir sahen Leute, die das ganze ‚Fünfeck‘ durchkreuzten, um diese Baustellen zu umfahren. Jetzt, wo an den Baustellen nur noch nachts gearbeitet wird, ist es auch in der Dansaertstraat viel ruhiger geworden.“
Noch, so der niederländischsprachige Brüsseler Grüne, sei die Arbeit in Sachen „Good Move“-Plan aber nicht zu Ende: „Wir suchen weiter nach Lösungen für Straßen, in denen es noch Probleme gibt.“
