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Langjähriger Gewerkschaftsführer hört auf, doch das "Wie" wirft Fragen auf

Marc Leemans (Foto) war viele Jahre lang Vorsitzender der christlichen Gewerkschaft ACV. Diese Woche kündigte er an, sein Amt bis zum Jahresende abgeben und in Rente gehen zu wollen. Leemans bekam für seine langjährige von allen Seiten großes Lob, denn er prägte die Sozialverhandlungen in unserem Land mit. Doch jetzt bekommt sein geplanter Abgang ein „Geschmäckle“.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Marc Leemans ist 62 Jahre alt und kann noch keine vollständige berufliche Laufbahn von 42 Jahren aufweisen. Aus diesem Grunde kann der christliche Gewerkschaftler noch nicht in Rente gehen. Doch am Mittwoch sickerte durch, dass Leemans nicht selber kündigen werde, sondern von seinem Arbeitgeber, der christlichen Gewerkschaft ACV die Kündigung zum Jahresende bekommt.

In diesem Fall greift ein System von Arbeitslosigkeit mit Unternehmenszuschlag, de facto also eine Frührente. Nicht selten greifen Arbeitgeber auf dieses System zurück, wenn ältere Beschäftigte ihr Unternehmen verlassen wollen oder sollen. Diese Vorgehensweise ist völlig legal in Belgien, bleibt aber umstritten.

Von den politischen Parteien im Land kommt überwiegend Kritik zu dieser Vorgehensweise eines der führenden Gewerkschaftsbosse. Dieser wolle nicht mehr arbeiten und würde sich mit seinem Arbeitgeber darauf einigen, dass man ihm kündige.

Damit würde sich ausgerechnet ein Gewerkschaftler des Missbrauchs von bestehenden Systemen schuldig machen, auf die die meisten Arbeitgeber keinen Zugriff haben würden. Leemans Vorgehensweise geben für einen Arbeitnehmervertreter ein schlechtes Bild ab, auch und gerade in Zeiten, in denen es in vielen Bereichen der Wirtschaft einen akuten Facharbeiter- und Personalmangel.

12 Jahre lang hatte Marc Leemans die größte Gewerkschaft des Landes geführt. Lange hatte er den sozialen Dialog in Belgien geprägt und massiv die laufende Sozial- und Beschäftigungspolitik der Regierungen kritisiert. Er war stets ein zurückhaltender Verhandlungspartner, doch in der Sache war er deutlich und teilweise unnachgiebig, was ihm bei Freund und Feind Ansehen einbrachte. Dass er jetzt auf diese Weise geht, hat wohl so keiner erwartet.    

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