Ein Jahr nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine wird der Impakt dieses Krieges in vielen Bereichen deutlich. Das zeigt auch das Beispiel der flämischen Provinz Limburg. In den ersten 10 Monaten des Krieges in der Ukraine sank die Wirtschaft hier in etwa im gleichen Maße wie in der Coronakrise.
Der Krieg in der Ukraine versetzte der Provinz Limburg einen ähnlich schweren Schlag, wie die Coronakrise
„Normalerweise hat eine wirtschaftliche Erholung nach einer tiefen Krise immer eine V-Form“, sagt VOKA-Limburg-Geschäftsführer Johann Lieten, „doch jetzt sehen wir, dass die Erholung die Form eines Hockeyschlägers hat. Das bedeutet, dass wir nur sehr träge aus dem Tal kommen.“
„Russland war für Limburg ein sehr wichtiger Exportmarkt“, so Lieten, „unser drittwichtigster Exportmarkt, gut für 15 % unserer Fernausfuhr. Das ist auf etwas weniger als 3 % zurückgefallen. Doch auch der Export innerhalb der Europäischen Union ist zurückgegangen, weil auch dort die Wirtschaft gesunken ist.“
„Der zweitwichtigste Sektor in unserer limburgischen Wirtschaft ist der Bausektor,“ so Lieten weiter. Innerhalb eines Jahres wurden 5 % weniger Baugenehmigungen erteilt. Durch den Mangel an Rohstoffen, hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten und Facharbeitermangel am Arbeitsmarkt sei in der Provinz Limburg auch das Bauwesen ausgebremst worden.
Paradox
Ein Jahr nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine seien nur noch 25 % der in Limburg aufgenommenen ukrainischen Flüchtlinge, denen das flämische Arbeitsamt VDAB einen Job vermittelte, in einem Arbeitsverhältnis: „In den Niederlanden sind 50.000 Ukrainer am Arbeitsmarkt aktiv. In Belgien bekommen die Ukrainer eine sehr hohe Sozialhilfe. Die Leute machen einen Trade-Off und sind eigentlich besser dran, wenn sie nicht arbeiten gehen.“
Arbeitsmigration
Auch für die Unternehmen in Limburg ist es nach wie vor schwierig, geeignetes Personal zu finden, was wiederum das Wachstum der hiesigen Firmen einschränkt: „Wir müssen die bestehende Arbeitsmarktreserve aktivieren und unsere Langzeitkranken reintegrieren. Wir haben mehr Langzeitkranke als Arbeitslose. Das geht natürlich nicht. Wir brauchen eine aktive Einwanderungspolitik, so wie in Kanada oder Australien, wobei zielgerichtet Leute gesucht werden, ins Land geholt werden können.“
Ohne Arbeitskraft und Verstand können die Unternehmen nicht funktionieren, so VOKA-Geschäftsführer Lieten abschließend.
