Am „Klein Kasteeltje“ in Brüssel, wo sich Asylbewerber registrieren lassen müssen, haben gestern wieder Dutzende von Menschen die Nacht im Freien verbringen müssen. Die meisten von ihnen sind Asylbewerber, die eigentlich aufnahmeberechtigt sind, aber nirgendwo einen Unterbringungsplatz bekommen. Es waren mehr von ihnen als sonst, was möglicherweise mit der Räumung des besetzten Hauses in der Paleizenstraat Anfang dieser Woche zusammenhängt.
Etwa 200 Asylbewerber übernachten in Brüssel (erneut) in Zelten: "Beunruhigende Situation“
Die Vorgeschichte
Diese Woche wurde ein besetztes Haus in der Paleizenstraat im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek geräumt, in dem bis vor kurzem etwa 1.000 Menschen in sehr unhygienischen und unsicheren Verhältnissen lebten. Bei den meisten Bewohnern handelte es sich um Asylbewerber, die nicht in das Fedasil-Aufnahmenetz aufgenommen werden konnten, obwohl sie dazu berechtigt waren. Ihnen wurde versprochen, dass sie vor der Räumung mit Bussen in eine Notunterkunft gebracht werden würden.
Etwa 160 von ihnen wurden mit Bussen in ein Hotel in Sint-Pieters-Leeuw (Flämisch-Brabant) gebracht, ohne dass die Gemeinde davon wusste. Andere stiegen nicht in den Bus und flüchteten auf eine Brücke in der Nähe des „Klein Kasteeltje“ in Brüssel.
"Es ist ein erschütterndes Bild: Dutzende von Zelten stehen hier, einige improvisiert mit Plastikplanen", berichtet unsere Reporterin Marieke Van Cauwenberghe heute Morgen von der Brücke in der Nähe des „Klein Kasteeltje“. "Es sind Anwohner, die hier den Menschen helfen. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und es ist sehr windig."
Insgesamt sollen etwa zweihundert Menschen die Nacht dort verbracht haben. "Die meisten kamen aus dem besetzten Haus in Schaeabeek", sagt Michel Genet, Direktor von Ärzte der Welt. "Sie haben keinen Platz in den Bussen bekommen, die von der Paleizenstraat abfuhren. Ihnen wurde ein Aufnahmeplatz versprochen, den sie aber nicht bekommen haben. Sie kommen aus Afghanistan, Somalia und Burundi, und normalerweise müssen sie von Fedasil untergebracht werden.“
Ein solches Zeltdorf sei keine nachhaltige Lösung, betonte Genet. "Die Staatssekretärin für Asyl und Migration Nicole de Moor (CD&V) hatte versprochen, sie wolle zuerst den Asylbewerbern helfen, die von der Paleizenstraat in ein Hotel in Sint-Pieters-Leeuw gebracht wurden, aber wir denken, dass den Menschen auf der Straße zuerst geholfen werden sollte. Die Menschen können nicht weiter in einem Zelt leben."
Die Anwohner des „Klein Kasteeltje“ werden schon seit einiger Zeit mit den dramatischen Zuständen konfrontiert. "Seit August übernachten Asylbewerber hier im Freien", erzählte Ine Vos. "Im Oktober kamen dann die Zelte und in den letzten Tagen ist die Zahl der Menschen exponentiell gestiegen. Zuerst waren es vor allem Afghanen, jetzt ist eseine Mischung verschiedener Nationalitäten und es herrscht ein totales Chaos."
Jeden Tag muss Vos an dem improvisierten Zeltlager vorbeigehen, wenn sie ihre beiden Kinder im Alter von 8 und 11 Jahren zur Schule bringt; ihnen kann sie die Situation nicht erklären. "Wir versuchen, selbst etwas zu tun, um zu helfen, aber es wächst uns bald über den Kopf. Es gibt wirklich alles Mögliche, was von den Anwohnern getan wird, aber diese Menschen haben ein Recht auf systematische Hilfe."



