Offenbar hat die belgische Bundesregierung 2018 bei der Niederlassung des chinesischen Internetgiganten Alibaba am Lütticher Regionalflughafen in Bierset Versprechungen ohne gründliche Analyse der Fakten gemacht. Dieser Ansicht ist Jonathan Holslag (Foto), Professor für internationale Politik an der Brüsseler Universität VUB. Belgische Politiker versprachen, dass am Lütticher Standort des E-Commerce-Giganten tausende Jobs geschaffen würden und dass sich via Alibaba Zugangswege zum chinesischen Markt öffnen würden. Beides ist bis heute nicht eingetroffen, so Holslag.
Hat die belgische Politik bei Alibaba am Lütticher Flughafen geschludert?
2018 verhandelten hohe Vertreter von Alibaba aus China mit der belgischen Bundesregierung über eine Vergrößerung des Standorts am Lütticher Regionalflughafen in Bierset, wo schon seinerzeit Millionen Pakete für Europa abgefertigt wurden. Der chinesische Internet- und Handelsriese versprach damals, 900 direkte und 3.000 indirekte Jobs zu schaffen und dass belgische Unternehmen einfacher ihre Produkte nach China liefern könnten. Die belgische Regierung ging damals darauf ein und jetzt stehen weitere Verhandlungen an, denn Alibaba möchte in Lüttich seine Kapazität verdreifachen.
Doch ein international durchgeführter vergleichender Bericht von VUB-Professor Holslag zeigt auf, dass aus den damaligen Versprechungen von Alibaba und der belgischen Bundesregierung bis heute, 5 Jahre danach, noch nichts geworden ist. Im Gegenteil. Das chinesische Unternehmen sorgte in Lüttich für gerademal 250 neue Arbeitsplätze und der Handel mit China über diesen Standort ist nicht mehr als eine Einbahnstraße in Richtung Belgien (und Europa).
Von belgischer Seite her hat es keine gründliche Analyse gegeben.“
Jonathan Holslag, VUB
„Ich glaube, dass es von belgischer Seite her keine gründliche Analyse zu dem gegeben hat, was Alibaba eigentlich ist. Während belgische Politiker behaupteten, dass Alibaba kleinen Unternehmen bei uns helfen würde, ihre Produkte in China zu exportieren und dass belgische Marken besser in China vermarktet werden würden, klang dies in den chinesischen Dokumenten ganz anders“, so Holslag in der VRT-Politik-Talksendung „Terzake“ („Zur Sache“).
„Das Ziel der chinesischen Politik mit Alibaba ist überhaupt nicht, ausländische Unternehmen zu unterstützen, sondern diese zu umgehen. China will auf diese Art und Weise seine Produkte direkt zu den europäischen Kunden bringen und zwar ohne Zwischenpersonen.“ Und, so der Politikprofessor weiter, der chinesische Markt soll möglichst frei von ausländischen Waren und Gütern bleiben: „Auch daraus haben die Chinesen niemals ein Geheimnis gemacht.“
Wir haben gegenüber China Abhängigkeiten geschaffen, die wir nicht mehr abbauen können, aber den roten Teppich sollten wir nicht weiter ausrollen.“
Jonathan Holslag, VUB
„Wir haben gegenüber China Abhängigkeiten geschaffen, die wir nicht mehr abbauen können, aber den roten Teppich sollten wir nicht weiter ausrollen,“ so Holslag weiter gegenüber „Terzake“: „Auf europäischem Niveau aber auch bei uns müssen Schritte gesetzt werden. Und bei Alibaba drängt die Zeit, denn den Erweiterungsplänen wurde bereits zugestimmt. Sie wollen verdreifachen.“
Falls sich die Aktivitäten des chinesischen Internethändlers so fortsetzen, wie bisher, so der Politologe, habe Belgien ein großes Problem: „In den vergangenen Jahren ist die belgische Ausfuhr über den Luftweg in Richtung China um 400 Millionen Paketen zurückgegangen und der Import aus China hat um 1 Milliarde Pakete zugenommen. Macht man das mal 3 dann hat man ein gigantisches Problem.“
