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Inland
Wirtschaft

Obstbauern protestieren mit Traktorkolonne nach Brüssel gegen die niedrigen Preise

Am frühen Montagmorgen hatten sich zahlreiche Obstbauern aus den Provinzen Limburg und Lüttich mit ihren Traktoren auf den Weg nach Brüssel gemacht, im hier gegen die niedrigen Preise zu protestieren, die sie vom Großhandel bzw. von den Supermarkt- und Warenhausketten für ihre Produkte bekommen. Ziel der Traktorkolonne war der Hauptsitz des belgischen Einzelhandelsverbands Comeos in Oudergem. 

Andreas Kockartz
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Rund 80 Traktoren von Obstbauern aus den Provinzen Limburg und Lüttich hatten sich am frühen Montagmorgen in Glons zwischen Lüttich und Tongeren getroffen, um von dort aus via Oerle, Sint-Truiden, Boutersem und Tervuren über die Landstraße N3 nach Oudergem zu Comeos zu fahren. Dort gab es eine Protestkundgebung mit Ansprachen. Danach zog die Kolonne weiter zu einigen Supermärkten.

Grund dieses Protestes sind die zu niedrigen Preise, die der Groß- und der Einzelhandel in Belgien für die Produkte der Obstbauern zahlen. Xavier Laduron vom Bauernverband sagte dazu am Montagmorgen gegenüber VRT NWS: „Derzeit zahlen die Supermärkte nicht genug, um unsere Kosten zu decken. Das geht nicht mehr. Die Situation muss sich ändern, sonst gibt es in einem oder zwei Jahren keine Äpfel und Birnen mehr, die in Belgien angebaut werden.“

Für ein Kilo Äpfel bekommen die Landwirte im Großhandel derzeit zwischen 30 und 40 Eurocent, je nach Sorte (z.B. 35 Eurocent für 1 kg Jonagold). Dieses Kilo verkaufen die Supermärkte und Warenhäuser für 2 €: „Um die Kosten zu decken und den Lohn der Erntehelfer zu zahlen, brauchen wir 1 € pro Kilo. Unserer Ansicht nach haben die Märkte genug Marge, um das zu zahlen. Die Marge muss besser verteilt werden. Und die Preise müssen für die Verbraucher im Handel auch nicht teurer zu werden.“

Wie die meisten Sektoren in Belgien hat auch die Landwirtschaft derzeit unter hohen Löhnen, hohen Energiepreisen und hohen Transportkosten zu leiden. Die Qualität der in den Provinzen Lüttich und Limburg gezüchteten Äpfel und Birnen ist sehr hoch, doch die Verbraucher kennen zumeist die Preispolitik, die sich dahinter versteckt, nicht. Inzwischen geben viele Züchter auf und roden ihre Obstbäume, um sich anderen und lukrativeren Produkten zuzuwenden. 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Einzelhandelsverband erklärt die niedrigen Preise

Comeos, der angesprochene Einzelhandelsverband, weist auf weggefallene Exporte durch den Krieg in der Ukraine als Grund für die niedrigen Preise für die Obstbauern. Aufgrund dessen liege ein Überangebot an Äpfel und Birnen vor und darum würden die Preise für diese Produkte auch so niedrig liegen.

Comeos-CEO Dominique Michel ging selbst auf die protestierenden Landwirte zu, die am Montagvormittag mit ihren Traktoren nach Oudergem gekommen waren: „Mehr als die Hälfte der Birnen werden ins Ausland exportiert, bis selbst in die Mongolei, nach Indien oder nach Vietnam. Jetzt ist der Export nach Russland und in die Ukraine vollständig weggefallen, wodurch große Mengen übrigbleiben, die für ein Überangebot sorgen. Wenn es zu viel Obst gibt, sinkt der Preis.“

„Ich habe nie gesagt und werde auch nicht sagen, dass die Produzenten in Belgien zu viel bekommen. Die Tatsache, dass weniger und weniger für Lebensmittel ausgegeben wird, ist kein guter Trend“, so Michel weiter. Dass die Supermärkte aus dem niedrigen Einkaufspreis große Vorteile ziehen würden, wiederlegt der Comeos-Vorstand: „Laut einer Studie des Preisobservatoriums vom Dezember letztes Jahr ist die Marge des Retail-Handels in Belgien auf 1,29 % zurückgegangen. Das bedeutet, dass ein Einkaufswagen in einem Supermarkt über 100 € dem Betreiber 1,29 € einbringt.“

Dominique Michel erinnert daran, dass 93 % der Birnen und 68 % der Äpfel, die in den belgischen Märkten verkauft werden, belgischen Ursprungs seien. Der Import sei also eher beschränkt. Und ab Juni würden die Lieferungen aus dem eigenen Land aufhören: „Dürfen unsere Kunden dann keine Äpfel und Birnen mehr essen?“ 

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