Der Pavillon Bulgariens bei der diesjährigen Architektur-Biennale von Venedig entsteht mit flämischer Beteiligung. Der VRT-Journalist und Fotograf Alexander Dumarey hatte vor einiger Zeit eine Reportage über leerstehende Schulen in Bulgarien produziert und auf Basis seiner Bilder sind Entwürfe für den Pavillon entstanden. Jetzt ist unser Kollege gemeinsam mit bulgarischen Architekten und Grafikern dabei, diesen Pavillon zu entwerfen.
VRT NWS-Journalist und Fotograf am Entwurf für den bulgarischen Pavillon der Architektur-Biennale von Venedig beteiligt
Bulgarien nimmt an der Architektur-Biennale von Venedig, die am 20. Mai 2023 eröffnet wird, erst zum zweiten Mal teil. Das bulgarische Kulturministerium hatte einen Wettbewerb für Entwürfe dazu auf den Weg gebracht und es wurden insgesamt 34 Vorschläge eingereicht. Ausgewählt wurde das Projekt „Education ist he Mouvement from Darkness to Light“ von einem Team um den Architekten Boris Tikvarski. Und der ließ sich dazu von Fotografien unseres VRT-Kollegen Alexander Dumarey inspirieren.
Dumarey erzählte, wie das zustande gekommen ist: „Ich beschäftige mich seit langem mit diesem Fotoprojekt, also freue ich mich darüber, dass ich damit ein größeres Publikum erreichen kann. Ich bin schon zehnmal in Bulgarien gewesen und ich fotografiere dort seit 2016 leerstehende Schulgebäude. Dieses Projekt ist mit der Zeig gewachsen, weil mir dieser Leerstand dort so sehr aufgefallen ist. Ich habe wohl schon tausende Bilder davon gemacht, wovon ein Teil online veröffentlicht ist. Architekt Boris Tikvarski ist zufällig auf diese Fotos gestoßen. Er kontaktierte mich kurz nach Weihnachten und danach ist der Ball ins Rollen gekommen.“
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Dumareys Bilder sind der Leitfaden für den Entwurf
In weniger als einem Monat Zeit haben drei bulgarische Architekten und ein Grafiker einen Entwurf für den Pavillon erstellt, wozu die Fotos von Alexander Dumarey als Leitfaden dienten. Der Entwurf mag gewagt sein, da er Bulgarien eher von einer negativen Seite zeigt, weil die Bilder von Verfall erzählen. Leere Schulbänke und das Fehlen von Kindern sind hierfür ein Symbol… Dass dies ein negatives Bild von Bulgarien zeichnet, dessen ist sich Dumarey durchaus bewusst: „Die leerstehenden Schulen zeigen auf eine sehr direkte Art und Weise Niedergang und Verfall von Bulgarien. Im Laufe von 15 Jahren ist die Bevölkerung um 10 % gesunken. Es ist sicher gewagt, um eine negative Seite eines Landes bei einem internationalen Event wie dieser Biennale zu zeigen.“
Bulgarien kämpfe seit Jahren mit diesem Problem, so Dumarey und das liege an rückläufigen Geburtenraten und an einer enormen Auswanderung: „Die leerstehenden Schulen sind so etwas wie die Kanarienvögel in einer Kohlenzeche: Ein erstes Zeichen dafür, dass in Dörfern die Bevölkerung austrocknet.“
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Die Medien in Bulgarien reagierten verärgert auf das Projekt
Dass ausgerechnet das Projekt von Boris Tikvarski und seinem Team gemeinsam mit Alexander Dumarey Bulgarien bei der Architekturbiennale von Venedig repräsentiert, ist in Bulgarien nicht überall mit Applaus aufgenommen worden und auch in den Medien war diese Entscheidung umstritten: „Ich kann die Aufregung gut verstehen, denn ein Entwurf rund um leerstehende Gebäude zeichnet kein schönes Bild eines Landes. Andererseits erzählt der Entwurf auf eine sehr direkte Weise die Geschichte vom heutige Bulgarien und die Jury hat uns wohl deshalb ausgewählt. Normalerweise bleiben Entwürfe für Pavillons mehr oder weniger geheim bis zur Eröffnung der Biennale, doch meine bulgarischen Teamkollegen haben schon jetzt besonders viel preisgegeben, in der Hoffnung, dass dies der Kritik an dem Entwurf etwas entgegensetzen kann.“
Die Fotos sind fertig
Die Wahl ist entschieden und das Team beginnt in diesen Tagen mit der Umsetzung der Entwürfe, so Dumarey: „Meine Fotoserie ist vollständig und fertig und ich werde jetzt das Research für das Projekt weiter begleiten. Es wird ein Husarenstück, um alles bis zum 20. Mai fertigzubekommen. Das Budget ist im Vergleich mit anderen Ländern sehr beschränkt und entspricht etwa einem Zehntel von den großen Ländern und wir haben nur rund dreieinhalb Monate Zeit, den Pavillon auszuarbeiten und aufzubauen.“
Ziel sei, alles in Bulgarien produzieren zu lassen und dann alles nach Italien zu transportieren: „Ich fahre sowieso nach Venedig, um das Resultat zu sehen und ich verfolge den Fortschritt der Arbeiten natürlich auch. Es macht mich stolz, dass meine Fotos dort zu sehen sein werden.“
