In Antwerpen beginnt die Gerichtsverhandlung gegen den vermutlichen Serienmörder Stephaan Du Lion (Foto). Der Fensterputzer aus Deurne ist wegen des Mordes an vier Frauen in den 1990er Jahren angeklagt. Bemerkenswert: Der Angeklagte konnte 26 Jahre lang aus dem Visier der Justiz bleiben. Sein Motiv bleibt ein Rätsel.
Prozessbeginn gegen Stephaan Du Lion: Fensterputzer, der 4 Frauen ermordete und 26 Jahre lang unentdeckt blieb
Zwischen 1992 und 1997 wurden in und um Antwerpen vier Frauen ermordet. Sie wurden alle mit einer Schnur oder einem Seil erdrosselt, aber ansonsten scheint es keine Verbindung zwischen den Opfern zu geben. Auch nach jahrelanger Detektivarbeit blieben die Mordfälle ungelöst.
Bis Oktober 2018: Plötzlich gibt es eine DNA-Übereinstimmung zwischen einem der Opfer und dem Fensterputzer Stephaan Du Lion. Drei der vier Opfer kannte er durch seine Arbeit als Fensterputzer, einem von ihnen war er beim Radfahren begegnet. Als er von der Polizei verhört wurde, gestandt er die Morde.
Wer ist Stephaan Du Lion?
Geboren am 12. Mai 1964 in Borgerhout (Antwerpen), wuchs er mit seinen drei älteren Schwestern in einem Arbeiterhaushalt auf. Seine Kindheit stand ganz im Schatten seines tyrannischen und aggressiven Vaters. Stephaan Du Lion ging nur bis zum Alter von 16 Jahren zur Schule.
Du Lion arbeitete schon jung als Fensterputzer, wurde aber in seinen frühen Zwanzigern wegen zweier Überfälle verurteilt. In den folgenden Jahren folgt eine Reihe von Verurteilungen, meist wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Misshandlung.
2015 musste Stephaan Du Lion seine DNA abgeben, nachdem er wegen versuchten Diebstahls verurteilt worden war. Durch diese DNA-Probe konnte er schließlich mit diesen vier Morden in Verbindung gebracht werden. Bis dann schienen in diesen vier Mordfällen alle Spuren in eine Sackgasse zu führen. Die Ermittlungen wurden deshalb alle zwischen 2002 und 2010 eingestellt.
Wie kam die Justiz Du Lion dann doch noch auf die Spur?
Im Jahr 2017 gibt es einen plötzlichen Durchbruch in den Ermittlungen und von da an geht alles ganz schnell: Eine DNA-Probe im Fall der ermordeten Ariane Mazijn passt zu einer DNA-Probe von Stephaan Du Lion. Seine DNA war in der Straftäterdatenbank gespeichert worden, da er 2015 wegen versuchten Diebstahls verurteilt worden war. Daraufhin werden die Ermittlungen zum Tod von Ariane Mazijn wieder aufgenommen.
Wenig später wird Du Lion hierzu vernommen. Er behauptet, er könne sich nur daran erinnern, mit einer Frau an Arianes Mazijn‘s Adresse Sex gehabt zu haben, aber er erkenne sie nicht auf einem Foto.
Zwei Wochen später wird er erneut verhört. Dann gesteht er, dass er die Frau niederschlug und vergewaltigte. Du Lion gesteht auch, dass er eine Schnur von einer Sonnenbank abriss und sie damit erwürgt habe. Zu diesem Zeitpunkt entdeckt die Polizei auffällige Ähnlichkeiten zwischen diesem Fall und dem von Eve Poppe.
Dieser Fall wird im März 2019 neu aufgerollt. Ein paar Monate später gesteht Du Lion, dass er auch für ihren Tod verantwortlich ist. Darüber hinaus bittet er um Aussagen zu zwei weiteren Mordfällen. Auf der Grundlage dieser neuen Aussagen werden die Akten von Lutgarda Bogaerts und Maria Van Den Reeck wieder geöffnet und in die Ermittlungen erneut aufgenommen.
Was war das Motiv von Du Lion?
Du Lion hat die vier Morde zwar gestanden, aber er hat nie erklärt, warum er sie begangen hat. Was hat ihn dazu bewogen? Und warum hat er 26 Jahre lang geschwiegen?
In einem seiner Verhöre sagte er der Polizei, dass es ihm leid tue und dass er selbst nicht wisse, warum er es getan habe. Er sagt auch, dass er nicht genau sagen könne, was genau passiert sei, weil er diese Erinnerungen in seinem Kopf unbewusst verdränge. Er behauptet, er habe sie jahrelang mit Alkohol unterdrückt.
Du Lion spricht in mehreren Verhören auch von seiner schrecklichen Kindheit. Vor allem das gewalttätige Verhalten seines Vaters soll ihn geprägt haben. Einem Freund aus Kindertagen zufolge hatte Du Lion den Spitznamen "Pitbull" und betrachtete Frauen als Gebrauchsgegenstände. Seine Ex-Partnerin wiederum gab an, er sei sehr aggressiv und habe seine Familie terrorisiert.
Die meisten Zeugen beschrieben ihn als jemanden mit einem großen Ego. Er duldete keinen Widerspruch, insbesondere nicht von Frauen. Es ist klar, dass das Leben von Du Lion viele Jahre lang von Gewalt geprägt war.
Acht Frauen und vier Männer sind für die Volksjury dieses Prozesses ausgelost worden. Sie werden nun entscheiden müssen, ob Du Lion der Morde an Ariane Mazijn, Lutgarda Bogaerts, Maria Van De Reeck und Eve Poppe schuldig ist. Das Verfahren kann etwa 10 Tage dauern. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe.
"Mein Mandant ist wegen dieses Prozesses sehr nervös. So viele Jahre, nachdem er diese vier abscheulichen Taten begangen hat, werden die Familien ihm direkt in die Augen schauen können", erklärte der Anwalt des Angeklagten, Christian Clement.
