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Großer Meister im Kleinformat: Ausstellung in Antwerpen zeigt Radierungen und Kupferstiche von Rembrandt

Das Museum „De Reede“ in Antwerpen zeigt rund 80 Radierungen des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn aus einer Privatsammlung. In diesen Radierungen und Kupferstichen zeigt sich der Künstler auch mal von seiner lustigen Seite, doch er beweist auch viel Empathie für die, die er so portraitierte. Im Gegensatz zu monumentalen Gemälden, wie seiner „Nachtwache“ sind die Radierungen sehr klein, eher eine Art Fotografien. 

Kristien Bonneure Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der weltberühmte niederländische Maler Rembrandt van Rijn (1606-1669) ist bis heute vor allem über sein Monumentalwerk „Die Nachtwache“ bekannt oder auch über seine markanten Porträts und Selbstportraits. Doch im Laufe seiner Arbeit fertigte er rund 300 bekannte Radierungen an, von denen derzeit etwa 80 im Museum „De Reede“ in Antwerpen zu sehen sind. Diese Radierungen beweisen, dass Rembrandt nicht nur ein Meister in Sachen Öl auf Leinwand war, sondern auch mit der Radierungsnadel mit Kupferplatten und mit Druckerpressen umgehen konnte.

Die in Antwerpen gezeigten Radierungen und Kupferstiche kommen aus der privaten Sammlung des Niederländers Jaap Mulders, der in diesem Teil des Werks von Rembrandt vor allem dessen „fotografisches Auge“ und seine „ungeahnte Fertigkeit“ bewundert: „Für mich ist Rembrandt ein Fotograf avant la lettre.“

(Lesen Sie bitte unter der Illustration weiter)

Der „Barmherzige Samariter“ und „der Hundehaufen“

Dass sich Rembrandt van Rijn unter umständen selbst nicht ganz ernst in seiner Arbeit nahm, beweist der in Antwerpen zu sehende Kupferstich des „Barmherzigen Samariters“ und eines Nebendarstellers auf diesem Abbild. Zu sehen ist, wie der verwundete Mann gerade in eine Herberge gebracht wird. Ein sehr feines Meisterwerk, das im Vordergrund einen Hund zeigt, der gerade „sein Geschäft verrichtet.“ Sammler Mulders schmunzelt: „So etwas lässt man sich doch als einfacher Künstler nicht einfallen…“

Rembrandt observierte die einfachen Menschen, die er später in seinem Werk verewigte. In seinen Stichen und Radierungen aber zeigt er diese mit einer gehörigen Portion Humor, wie dies auch die klassischen Streetfotografen, wie Henri Cartier-Bresson, Robert Doisneau oder Vivian Mayer machten. Und detailreich sind sie allemal, wie „Der Rattengiftverkäufer“, der von Tür zu Tür geht und mit lebenden und toten Ratten für sein Geschäft wirbt.

(Lesen Sie bitte unter der Illustration weiter)

Bettler, Fidler und Nackte

Rembrandt portraitiert seine Protagonisten, die eher aus den unteren gesellschaftlichen Klassen kommen, mit ihren Lumpen, Instrumenten und Gesichtern und er scheint in all seiner Feinheit auch immer eine leichte Hand zu haben. Und er arbeitete sehr genau, was auch Drucke beweisen, die nicht größer sind, als eine Briefmarke.

Auch seine Akte in den Kupferstichen und Radierungen suchen ihresgleichen. Rembrandt zeigt sie sehr natürlich und sehr genau. Eine Abbildung zeigt z.B. eine nackte Frau, die gerade ihre Strümpfe ausgezogen hat. Auf den Beinen sind sogar die Abdrücke davon in der Haut zu sehen.

Selfies!?

Apropos Fotograf. Rembrandt war auch ein Meister der Selfies. Er fertigte zahlreiche teilweise sehr kleine Selbstportraits, in denen er in den Spiegel schaute und sich selbst zeichnete. Dies tat er wohl zur Fingerübung und um Routine zu erlangen. In diesen Selfies zeigt er sich von einer besonders humorvollen Seite, denn er zieht die tollsten Grimassen und zeigt sich in allen Lebenslagen.

Doch großformatig stellt er Szenen aus der Bibel dar, wie den predigenden Christus oder Christus gegenüber Pontius Pilates. Alles in allem sehen wir hier einen Rembrandt van Rijn, der genau wie in seinen Gemälden unglaublich kreativ mit hell und dunkel umgeht, sowohl in seinen Porträts, als auch in seinen Landschaften. Die Arbeiten sind zwar schon rund 400 Jahre alt, doch sie bleiben aktuell, auch wegen ihrer fotografischen Haltung.

Rembrandt: Photographer avant la lettre ist noch bis zum 22. Mai 2023 im Museum „De Reede“, Ernest van Dijckkaai 7, 2000, Antwerpen zu sehen. Info: https://museum-dereede.com/de/

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