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80 Jahre nach der Flucht aus einem Auschwitz-Zug aus Belgien besucht ein 91-Jähriger in Begleitung von Schulkindern das KZ

Simon Gonowski (Video - Übersetzung im Text) ist 91 Jahre alt. Als er 11 Jahre alt war, konnte er aus einem der Deportationszüge entkommen, die vom Sammellager in der Kaserne Dossin in Mechelen (Prov. Antwerpen) aus in Richtung der Vernichtungslager in Osteuropa unterwegs waren. Jetzt reiste er gemeinsam mit etwa 100 Mittelschulkindern nach Ausschwitz und Birkenau. Diese Reise ist eine Initiative des War Heritage Institute, eine staatliche belgische Einrichtung, die militärisches Kulturgut bewahrt und die Erinnerung an Kriege weitergibt. Im Jüdischen Museum in Brüssel widmet sich eine Ausstellung den Landschaften in Belgien, durch die die KZ-Züge damals fuhren.

Andreas Kockartz
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Rund 100 Schulkinder zwischen 16 und 17 Jahren sind Ende der vergangenen Woche vom Brüsseler Militärflughafen Melsbroek aus in Richtung Krakau in Polen abgeflogen. Schüler und Lehrkräfte wurden von dem 91 Jahre alten Juden Simon Gronowski begleitet, der vor rund 80 Jahren aus dem sogenannten XX. Deportationszug aus Mechelen in Richtung Auschwitz-Birkenau entkommen konnte.

Es war der 19. April 1943, als der XX. Deportationszug bei Wellen in der Provinz Limburg vom Widerstand gestoppt werden konnte. Dabei konnten aber nur 17 Insassen entkommen und gerettet werden. Danach fuhr der Zug ein Stückchen weiter und im Waggon, in dem Simon Gonowski und seine Mutter saßen, gelang es jemandem auf Höhe von Berlingen bei Wellen in der limburgische Gemeinde Borgloon, die Türe zu öffnen. Gonowskis Mutter rief ihrem Sohn zu, er solle springen. Er sprang, doch seine Mutter schaffte es nicht… 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Am Holocaust-Museum in der Kaserne Dossin in Mechelen steht ein ähnlicher Waggon, wie die, in denen die Deportierten des XX. Zuges transportiert wurden

Insgesamt wurden aus diesem Zug, der mehrmals von Widerständlern gestoppt wurde, 236 Menschen gerettet werden. Gonowskis Familie, Schwester, Vater, Mutter, kam in den Vernichtungslagern ums Leben.

Beim Besuch der Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau möchte das belgische War Heritage Institute erreichen, dass die rund 100 Schulkinder und deren Lehrer aus flämischen und frankophonen Schulen zu „Erinnerungs-Botschaftern“ werden und dabei soll ihnen die persönlich erzählte Geschichte von Simon Gonowski helfen.

Dieser erzählte ihnen (siehe Video oben), was er dort fühlt: „Das ist das fünfte Mal, dass ich in Auschwitz bin, doch es berührt mich noch immer. Denn das hier ist der Friedhof von meiner Mutter und meiner Schwester. Sie haben keinen Grabstein, doch jemand hat mir erzählt, dass der echte Friedhof der Toten in den Herzen der Lebenden liegt.“ 

Von Seiten des Instituts heißt es dazu: „Auf diese Weise bleibt auch die nächste Generation auf der Höhe der Gefahren bestimmter Tendenzen, Richtungen und Mechanismen, die auch heute noch Teile unserer Gesellschaft zu dieser Art von Gräueltaten treiben könnten.“ Das WHI verweist dabei in Krakau auch auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der nur rund 300 km von Auschwitz tobt: „Dies ist ein Beispiel dafür dass Kriegsgräuel noch immer nicht zur Vergangenheit gehören.“ 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Schülerinnen und Schüler besuchen das KZ Auschwitz

"Land(es)capes from the XX. Convoy"

Passend dazu zeigt das Jüdische Museum in Brüssel mit der Ausstellung „Land(es)capes from the XX. Convoy” eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte genau dieses Zuges, aus dem Simon Gonowski so gerade noch entkommen konnte. Dieser Zug transportierte letztendlich 1.631 Juden und andere von den Nazis verabscheute Menschen in die KZs.  

Der flämische Fotograf Jo Struyven (Fotos unten) aus Sint-Truiden in Limburg greift für seine Bilder, die im Jüdischen Museum zu sehen sind, auf diese doch einmalige Geschichte in Westeuropa zurück und zeigt uns die Landschaften, in denen sich diese Aktionen des Widerstands ereigneten.

Diese Bilder zeigen laut Museum und laut Fotograf Struyven auf der einen Seite eine Art Gedenken an damals und auf der anderen Seite die Gleichgültigkeit dieser heute kahlen Landschaften, in denen es keine menschliche Anwesenheit zu geben scheint, obschon sich dort (un)menschliche Taten ereigneten.

„Land(es)capes from the XX. Convoy”, noch bis zum 14. August 2023 im Jüdischen Museum, Miniemenstraat 21, 1000 Brussel. Info: https://www.mjb-jmb.org/

Jo Struyven (Foto: Kristien Bonneure)
Foto (c) Jo Struyven

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