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Vor genau 80 Jahren griff ein belgischer RAF-Pilot im Alleingang das Gestapo-Hauptquartier in Brüssel an

Vor genau 80 Jahren, am 20. Januar 1943, griff der belgische RAF-Pilot Jean de Selys Longchamps (Foto) das Gestapo-Hauptquartier in Brüssel an der Louizalaan an. Obschon er diesen Angriff im Alleingang durchzog und dafür von der britischen Luftwaffe gerügt werden musste, genießt er bis heute bei den Briten einen Heldenstatus. 

Andreas Kockartz
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Jean de Selys Longchamps, übrigens ein Großonkel von Belgiens Prinzessin Delphine, legte vor genau 80 Jahren einen spektakulären Angriff während des Zweiten Weltkriegs hin. Der Belgier war nach der Besetzung Belgiens durch die Nazis 1940 auf die britischen Inseln geflohen. Selys Longchamps, ein Pilot, schloss sich damals der RAF an und gehörte zur Staffel 609, eine „Spitfire“-Staffel, die zu großen Teilen aus Belgiern bestand. Ganz nebenbei: Hunderte belgische Soldaten aller Waffengattungen dienten nach 1940 in der britischen Armee und nicht wenige von ihnen waren über Dünkirchen dorthin geraten.

Am 20. Januar 1943, ein Mittwoch, gelang dem belgischen Baron ein unerhörter Angriff. Ohne die Zustimmung seiner Vorgesetzten flog er mit einer Hawker „Typhoon“ (und nicht mit einer „Spitfire) nach Brüssel, wo er das damalige Gestapo-Hauptquartier an der Louizalaan beschoss und wo er auch zwei Bomben abwarf. Dabei kamen mehrere führende Brüsseler Nazi-Offiziere ums Leben, andere wurden verletzt. Bei seinem Rückflug warf Baron Jean de Selys Longchamps noch eine belgische und eine britische Fahne über seiner Hauptstadt ab. Viele Brüsseler hatten diesen Angriff damals regelrecht gefeiert.

Allerdings mussten ihn nach der Landung an seinem britischen Stützpunkt seine Vorgesetzten zurechtweisen und degradieren. Doch die Nachricht dieses tollkühnen Angriffs in Brüssel erreichte auch rasch die RAF und der Baron wurde im Nachhinein mit der damals höchsten Auszeichnung für Piloten, mit dem „Distinguished Flying Cross“ ausgezeichnet.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Unscheinbares Gebäude an der Louizalaan mit dunkler Gestapo-Vergangenheit

Tragischer Held, berühmte Familie

Wie so viele andere war aber auch Baron de Selys Longchamps ein tragischer Held. In der Nacht vom 15. auf den 16. August 1943 wurde seine Maschine bei einem Angriff auf deutsche Stellungen in Ostende durch Flugabwehrbeschuss getroffen, wobei das Landegestell zerstört wurde. Bei der Landung am RAF-Stützpunkt von Manston brach das Gestell endgültig und die Maschine überschlug sich. Der Baron kam dabei ums Leben.

Er wurde in der Nähe des Flughafens, in Minster-in-Thanet beerdigt, wo heute der Regionalflughafen von Kent zu finden ist. Nach dem Krieg wurde Selys Longchamps postum zum „Ritter des Leopoldordens“ in Belgien ernannt.

Jean de Selys Longchamps ist übrigens der Onkel von Sybille de Selys Longchamps. Sie ist die Mutter von Delphine Boël, der außerehelichen Tochter von Belgiens Alt-König Albert II., die heute offiziell eine Prinzessin im belgischen Könighaus ist, nach dem sie ihr leiblicher Vater nach langen Zweifeln anerkannt hat. 

Denkmal für Jean de Selis Longchamps vor dem Gebäude an der Louizalaan, das er vor 80 Jahren angegriffen hatte

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