In Pattaya in Thailand ist der frühere belgische Gendarm Robert Beijer (Foto bei der Vorstellung seines Buches "Le dernier mensonge" ("Die letzte Lüge")) festgenommen worden. Mit dieser Verhaftung rückt eine Person in den Fokus, die seit rund 30 Jahren immer wieder mit der Killerbande von Brabant in Zusammenhang gebracht wird. Beijer ist von der thailändischen Polizei festgenommen worden, weil er sich illegal in diesem Land aufhält. Inzwischen ist ein belgisches Ermittlerteam im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens nach Thailand abgereist.
Link mit der Killerbande von Brabant? Ex-Gendarm Robert Beijer in Thailand festgenommen
Das belgische Ermittlungsteam besteht aus einem Untersuchungsrichter, mehreren Beamten der Soko „Bande von Brabant“ und einem Staatsanwalt. Sie haben den Auftrag, in der Wohnung von Robert Beijer in Pattaya nach möglichen Hinweisen auf die Killerbande von Brabant zu suchen. Der Name von Beijer fällt bei den Ermittlungen zu den Verbrechen dieser Bande immer wieder. Die Killerbande von Brabant führte in den Jahren 1982, 1983 und 1985 mehrere blutige Überfälle auf Delhaize-Warenhäuser durch, wobei 28 Menschen ihr Leben verloren. Doch auch einige andere Gewaltverbrechen gehen wohl auf das Konto dieser Bande.
Robert Beijer kam 1952 in Schaarbeek in Brüssel zur Welt und folgte nach misslungenem Studium einer Ausbildung bei der belgischen Gendarmerie. 1977 trat er der Drogenfahndung der Kipo Brüssel bei, wo er gemeinsam mit seinem Ausbildungskollegen Madani Bouhouce aktiv war. Auch dieser Name taucht regelmäßig im Killer-Dossier auf. 1981 flogen beide Beamten bei der Gendarmerie raus, weil sie ein Telefongespräch zwischen einem ihrer Vorgesetzten und einem Informanten abgehört hatten.
Detektive?
Dieser Zeitpunkt ist nicht unwichtig, denn zur gleichen Zeit gründete die belgische Polizei eine eigene Drogenfahndung und damit beginnt ein weiterer Zwist zwischen Polizei und Gendarmerie in Belgien. Beijer und Bouhouche wurden degradiert und zu Streifenbeamten gemacht, was beide natürlich nicht besonders lustig fanden. Nicht lange danach gerieten die beiden in Verdacht im Rahmen der Ermittlungen zu einem Raubmord am Flughafen von Zaventem, bei dem ein Polizist getötet wurde. Bouhouche wurde wegen Mittäterschaft verurteilt und Beijer wegen Hehlerei, denn er hatte versucht, Diebesgut aus diesem Überfall zu verkaufen.
Später, als beide aus der Haft entlassen wurden, kündigten sie bei der Gendarmerie und gründeten ein Detektivbüro und nutzen dabei Daten, die sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber entwendet hatten. Dazu gehörten Kontakte zu Polizisten, Gendarmen und auch zu Personen aus der Unterwelt. Auf Basis dieser Angaben verdienen sie mit Erpressung einiges an Geld.
Verbrechen mit Hintergrundwissen
Im Laufe der Zeit sind Robert Beijer und Madani Bouhouche in mehrere Verbrechen verwickelt, z.B. in einen Waffendiebstahl bei einer polizeilichen Sondereinheit. Dieser Diebstahl konnte nur durch Mitwissen von (Ex-)Polizisten erfolgen, so die Ermittler damals. Die Namen Beijers und Bouhouches fallen wieder und auch in Zusammenhang mit dem Mord an dem Waffenhändler und FN Herstal-Mitarbeiter Juan Mendez 1986.
Beijer arbeitete damals doch als Informant der Gendarmerie und sorgte für Infos zu Details zu dem Ermordeten. Aber, über Bouhouche war Beijer auch verdächtig in diesem Fall. Das waren die 1980er Jahre in Belgien. Seinerzeit konnte ein Informant auch Verdächtiger sein oder umgekehrt… Waffen, die beim Mord an Mendez gestohlen wurden, tauchten später in einer gemieteten Garagenbox von Bouhouche und Beijer wieder auf.
Weitere Verhaftung und Verurteilung
1989 überfielen die beiden nachweislich einen Diamantenhändler in Antwerpen, wobei dieser umkam und wobei dessen Bruder schwer verletzt wurde. Für dieses und für andere Verbrechen wurden Bouhouche zu 20 Jahren und Beijer zu 14 Jahren Haft verurteilt. Beijer wurde damals übrigens auch in Pattaya festgenommen, wohin er geflohen war und wo er mit seiner thailändischen Frau und seinen dort zur Welt gekommenen Kindern lebte.
Die Namen von Robert Beijer und Madani Bouhouche wurden immer wieder in Zusammenhang mit den Killern von Brabant genannt, obschon es keine direkten Beweise dafür ab. Doch hatte Beijer kurz vor dem brutalen Überfall auf den Delhaize von Aalst (Ostflandern) dort Fotos gemacht… Und Beijer hatte der Polizei mehrmals angeboten, Informationen zu der Bande gegen Haftverschonung zu geben. Doch wegen dessen einschlägigem Ruf ging niemand jemals darauf ein. Robert Beijer war ein Meister darin, falsche Spuren zu legen und Informationen zu manipulieren und zu verdrehen.
Immer verdächtig gewesen
Was ihn und seinen „Spießgesellen“ hier verdächtig machte ist, dass die beiden seinerzeit Waffen und Autos stahlen, Garagenboxen mieteten, in denen Waffen entdeckt wurden, unter falschem Namen Wohnungen mieteten und jede Menge Kontakte zur Unterwelt und zu dubiosen (Ex-)Polizisten hatten. Man kann zumindest davon ausgehen, dass sie in den 1980er Jahren dabei waren, eine kriminelle Organisation zu gründen. Und dann gab es auch Verbindungen zur „Gruppe G“, eine illegale Vereinigung von rechtsradikalen Gendarmen, die ebenfalls in Zusammenhang mit den Verbrechen der Killer von Brabant genannt wurden.
Beijer lebte seit seiner vorzeitigen Haftentlassung 1999 wieder in Pattaya in Thailand, wo er jetzt festgenommen wurde, weil vor Jahren seine Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist. Vielleicht wird er dadurch von der thailändischen Justiz ausgewiesen, was wiederum für die belgische Justiz interessant sein könnte, denn im Falle dessen würde er nach Belgien ausgewiesen… Madani Bouhouche zog nach seiner vorzeitigen Haftentlassung nach Frankreich in die Nähe der Pyrenäen um, wo er 2005 ums Leben kam, als er beim Fällen eines Baumes von diesem erschlagen wurde.
