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Gesundheit

Auch in Belgien liegt in den Apotheken ein Medikamentenmangel vor

Inzwischen stellen auch die Apotheken in Belgien fest, dass bestimmte Medikamente plötzlich nicht mehr zu bekommen sind, weil die Vorräte in den Vertriebszentren nicht mehr aufgefüllt werden können. Immer öfter müssen die Kunden und Patienten mehrere Apotheken abklappern, um ihr dringend benötigtes Medikament zu finden.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Schon vor der Coronakrise war es nicht selten, dass bestimmte Medikamente zeitweise nicht zu finden waren, doch diese Krise hat das Problem noch verschärft. Derzeit sind etwa 380 bestimmte Mittel nicht erhältlich, wie die belgische Bundesagentur für Medikamente und medizinische Produkte angibt. Das betrifft zwar „nur“ 4 % der in unserem Land angebotenen Produkte, doch für den, den es trifft, kann das fatal sein. Es handelt sich u.a. um Medikamente, die unter Umständen lebensrettend sein können.

Dazu gehören z.B. das Antibiotikum Amoxicillin, diverse Mittel zum Senken des Cholesterinspiegels und sogar um Medikamente zur Behandlung von bestimmten Krebsarten, von Schlaganfällen, von Diabetes oder auch von Immunschwächekrankheiten. Nach Angaben der Behörden hat der Mangel an 13 bestimmten Produkten inzwischen einen kritischen Stand erreicht, wie auch die flämische Tageszeitung De Standaard meldete.

Globales Problem

Das Problem ist überall zu spüren, nicht nur in Belgien. Und es ist ein globales, sprich internationales Problem. Auch in der Pharmaindustrie stellen immer weniger Produzenten ihre Rohstoffe zur Medikamentenproduktion selbst her und nicht selten produziert nur ein Unternehmen weltweit ein bestimmtes Mittel oder eine essentielle Zutat. Und offenbar ist die Lagerung bzw. Vorhaltung von Produkten und Vorräten auch nicht mehr überall gegeben. Dies unterstrich jetzt auch Febelco, Belgiens Marktführer für den Vertrieb von medizinischen Produkten.

Wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen

Grund dafür sind nicht selten wirtschaftliche Erwägungen zum Senken der Kosten oder zum Erhöhen der Verdienste bei den Herstellern, den Pharmakonzernen und den Vertriebsunternehmen. Bei Problemen mit der Belieferung zieht Europa, und damit auch Belgien, derzeit den Kürzeren. In der Europäischen Union z.B. sind Medikamente wesentlich günstiger, als in den USA oder in anderen Regionen der Welt. Kommt es also weltweit zu Lieferproblemen, dann werden die Länder vorgezogen, in denen Medikamente teurer sind.

Akut sind auch geopolitische Interessen oder folgen von entsprechenden Entwicklungen. Da muss nicht zuletzt China genannt werden. Europa ist bei bestimmten Rohstoffen für medizinische Produkte quasi abhängig von China und deshalb zieht die EU in Erwägung, solche Produktionen zurück nach Europa zu holen. Die Coronakrise hatte gezeigt, wie Abhängig der Westen von chinesischen Produkten im Gesundheitswesen sein kann. Und schon damals spürten das die Apotheken und deren Kunden auch in Belgien. Eigentlich sollte man doch aus Krisen lernen… 

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