Während der Recherche zu einer Dokumentarreihe unter dem Titel „Voices of Liberation“ über die Befreiung Westeuropas am Ende des Zweiten Weltkriegs stolperte der Filmemacher Wannes Peremans über ein seltsames Foto. Darauf waren am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers von Dachau ein weißer und ein farbiger Mann zu sehen. Auf der Rückseite des Fotos stand notiert: „Das ist der belgische Kongolese Johny Vosté, der einzige schwarze Mann im Konzentrationslager von Dachau.“
Johny Vosté oder wie ein kongolesischer Belgier das KZ Dachau überlebte
Wannes Peremans suchte eine Antwort auf die Frage, wer dieser Johny Vosté eigentlich war. Dazu schrieb er ein Buch mit dem Titel „Wo ist Johny? Die Suche nach einem kongolesischen Belgier in Dachau“ („Waar ist Johny? De zoektocht naar een Congolese Belg in Dachau“). Der Weg des Autoren und Filmemachers führte auch nach Mechelen in der Provinz Antwerpen, wo die eigentliche Suche für ihn begann.
„Alles begann im Kongo“, so Peremans: „Da kam Johny 1924 als Sohn des Kolonialbeamten Alfons Vosté aus Mechelen und seiner kongolesischen Haushälterin Fatouma zur Welt.“ Vater Alfons kehrte einige Jahre danach wieder nach Belgien, genauer in seine Heimatstadt Mechelen zurück und nahm seinen Sohn mit. In Mechelen begann denn auch die Recherche von Wannes Peremans: „Ich habe zuerst versucht, herauszufinden, ob er noch lebt. Das hätte sein können, war aber nicht der Fall. Ich habe aber wohl mit einem anderen Überlebenden von Dachau gesprochen, dem Johny im Lager begegnet ist. Also wusste ich, dass die Geschichte wahr war.“
Widerstandskämpfer
Über Berichte und Erzählungen von Widerstandskämpfern gegen die Nazis entdeckte Peremans, dass Johny sich im jungen Alter von nur 17 Jahren 1941 der Resistance angeschlossen hatte. Doch er wurde verraten und im Sommer 1942 festgenommen und nach Deutschland verschleppt. Über viele Zwischenstationen landete er letztendlich im KZ Dachau. Dort, so Peremans, überlebte er auch aufgrund seiner Sprachenkenntnisse: „Er sprach gut Deutsch und konnte sich ab und zu mit den Bewachern einigen.“
Besonderes Dokument
Im Zuge seiner Recherchen stieß der Dokumentarfilmer und Autor auf ein ganz besonderes Dokument. Einem der Mithäftlinge von Johny Vosté, der Deutsche Edward Kupfer, war es gelungen, während seiner drei Jahre Aufenthalt in Dachau ein Tagebuch zu führen. Darin erzählte er vom täglichen Leben in dem KZ. Im Zuge der Befreiung des Lagers bat er seine Mitgefangenen, eine Erklärung zu unterzeichnen, nach der dieses Tagebuch echt sei und dass er ein Deutscher sei, dem man Vertrauen schenken könne. Einer der KZ-Häftlinge, die dieses Erklärung unterzeichneten war…. Johny Vosté.
„Plötzlich hielt ich es einfach in Händen: Johny Vostés Briefchen. Das war vielleicht die schönste Entdeckung während der Arbeiten an meinem Buch.“ Später tauchte noch ein Foto von Vosté auf, ein Farbfoto, das ein US-Militärarzt in Dachau aufgenommen hatte. Dieses Foto wird heute in einem Museum in Washington aufbewahrt. Peremans ist davon überzeugt, dass noch einige Leute in Mechelen Johny Vosté gekannt haben müssen. Mit seinem Buch hofft er, diese Leute zu finden…
