Vergangenes Jahr wurden im Antwerpener Hafen 110 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Das war mehr als der vorangegangene Rekord von 90 Tonnen im Jahr 2021. Doch wie ist das zu werten? Ist dies ein schwerer Schlag gegen den internationalen Drogenhandel? Oder ist das vielleicht nur ein Topfen auf einem heißen Stein?
Rekord: 2022 wurden 110 Tonnen Kokain im Hafen von Antwerpen entdeckt
2022 beschlagnahmten Polizei, Finanzministerium und Zoll 110 Tonnen Kokain, 2,8 Tonnen Haschisch und 1,2 Tonnen Heroin im Hafen von Antwerpen. Vor allem die Menge des hier entdeckten Kokains ist enorm und stellt einen neuen Rekord dar. „Das bedeutet, dass hier jeden Tag feine Ermittlungsarbeit geleistet wird“, lobte Bundesfinanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V) die Arbeit der Beamten. Die zeige, so der flämische Christdemokrat, dass die ständige professionelle und entschiedene Vorgehensweise des belgischen Zolls erfolgreich im nicht ablassenden Kampf gegen den internationalen Drogenhandel sei.
„Außerhalb Südamerikas sind wir in Antwerpen die N°1, was Kokain betrifft“, sagte Kristian Vanderwaeren vom belgischen Zoll gegenüber VRT NWS: „In Südamerika sind voriges Jahr 270 Tonnen Kokain beschlagnahmt worden. 70 Tonnen davon sollten nach Antwerpen geschmuggelt werden. Belgien steht für rund 40 % aller Feststellungen in Europa. Antwerpen ist also für die Kriminellen wirklich die Top-Bestimmung.“
Enge Zusammenarbeit mit den Niederlanden
Der belgische Zoll arbeitet in Sachen Drogenfahndung eng mit den Kollegen in den Niederlanden zusammen. Während die Belgier 110 Tonnen Kokain aus dem Verkehr ziehen konnten, entdeckte der niederländische Zoll im Hafen von Rotterdam rund 50 Tonnen dieser Droge. Dies sei ein gemeinsamer Rekord und ein Beweis dafür, dass sich eine enge Kooperation und der entsprechende Austausch von Informationen lohne, hieß es dazu, auch wenn die beschlagnahmte Kokainmenge in Rotterdam gegenüber 2021 gesunken ist.
Tropfen auf dem heißen Stein?
Im neuen Jahr wird der belgische Zoll auf jeden Fall 108 neue Mitarbeiter in Dienst nehmen, die ausschließlich im Hafen von Antwerpen aktiv sein werden. Gleichzeitig werden neue Scanner angekauft, während in den Niederlanden auf künstliche Intelligenz, chemische Detektion und auf das Tracken von Containern gesetzt wird, sowie auf den Versuch, es den Drogenschmugglern mit technische Barrieren schwer zu machen. Jede verdächtige Bewegung und jede neue Form von Verstecken, die entdeckt werden, helfen beiden Häfen weiter, hieß es weiter dazu.
Doch ist es weiter unklar, was 160 Tonnen Kokain, die in Antwerpen und in Rotterdam entdeckt und vernichtet wurden, eigentlich bedeuten. Schätzungen zufolge werden auch angesichts so deutlicher Ermittlungserfolge nur etwa 10 bis 20 % der wirklich geschmuggelten Drogenmenge auch beschlagnahmt. Da die Preise für Kokain auf dem Straßenmarkt eher stabil bleiben, ist davon auszugehen, dass die beschlagnahmte Menge nicht so groß ist, um den Markt zu stören.
Kollateralschäden
Angesichts eines im Drogenkrieg beim Beschuss eines Hauses in Antwerpen in der Nacht zum Montag, dessen Bewohner mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht werden, ums Leben gekommenen 11 Jahre alten Mädchens, ist auch wieder deutlich geworden, welche kriminellen Nebeneffekte diese Art von Verbrechen hat. Bundesfinanzminister Van Peteghem meinte dazu, dass die Menschen, die dieses Kokain kaufen und nehmen, einmal in ihren Spiegel schauen sollten…
