Der französische Energiekonzern und Betreiber der belgischen Kernkraftwerke hat sich mit der Regierung in Brüssel auf eine Laufzeitverlängerung der beiden Atommeiler Doel 4 und Tihange 3 einigen können. Das Kernkabinett der belgischen Bundesregierung stimmte dem entsprechenden Text dazu von Premierminister De Croo (Open VLD) und Energieministerin Van der Straeten (Groen) und Engie am frühen Montagabend zu. Das Vorhaben beinhaltet auch die Gründung einer Gesellschaft zwischen Engie und dem belgischen Staat, die die beiden Meiler quasi gemeinsam betreiben.
Belgiens Regierung und Engie einigen sich auf eine Laufzeitverlängerung für zwei Atommeiler
„Dieses Abkommen macht die Laufzeitverlängerung der beiden Reaktoren für 10 weitere Jahre möglich“, so Premier Alexander De Croo. Damit würden die Arbeiten zur Vorbereitung des Weiterbetriebs der beiden Meiler über 2025 hinaus in Angriff genommen werden. Ziel ist, dass Doel 4 im gleichnamigen AKW bei Antwerpen und Tihange 3 im AKW bei Lüttich bis zum Winter 2026-2027 sicher arbeiten und damit die Energieversorgung für unser Land sichern können.
Ab diesem Dienstag, so der liberale belgische Regierungschef, können einige entsprechende Studien beginnen, die der Regierung ausreichend Informationen verschaffen können, damit zu diesem Weiterbetrieb die Berichte zu den Auswirkungen auf die Umwelt eingereicht werden können: „Das zweite Element ist, dass Studien in Zusammenhang mit der Sicherheit beginnen können.“
Wie sie wissen, befinden wir uns heute in einer Situation, in der unser Land ein Energieexporteur in andere Länder, wie z.B. Deutschland ist. Doch dieser Beschluss betrifft den Winter 2026 und die Winter, die danach kommen.“
Premierminister Alexander De Croo
Dies seien die wichtigsten Elemente, um dafür zu sorgen, dass die beiden Meiler bis zum Winter 2026-2027 so vorbereitet werden können, dass sie dann für 10 weitere Jahre Elektrizität produzieren. Premier De Croo legte am Montag noch Wert auf die Feststellung, dass das Abkommen mit Engie zur Laufzeitverlängerung für Doel 4 und Tihange 3 für die Bevorratungssicherheit unseres Landes enorm wichtig sei.
Er sagte dazu im Rahmen einer Pressekonferenz am Montagabend: „Wie sie wissen, befinden wir uns heute in einer Situation, in der unser Land ein Energieexporteur in andere Länder, wie z.B. Deutschland ist. Doch dieser Beschluss betrifft den Winter 2026 und die Winter, die danach kommen. Die Laufzeitverlängerung dieser beiden Reaktoren ist ein Eckstein in unserem Energieplan.“
Engie und die Finanzierung des Rückbaus anderer AKW und der Lagerung des Strahlenabfalls
Kraftwerksbetreiber Engie wollte im Rahmen der Verhandlungen zum Weiterbetrieb von Doel 4 und Tihange 3 auch Klarheit bezüglich der Kosten der Stilllegung und des Rückbaus der Meiler, die jetzt in Belgien vom Netz gehen und zur Endlagerung des hierzulande anfallenden Atommülls bzw. der entsprechenden Brennstäbe, doch auf diese Fragen gab es am Montag noch keine Einigung, wie Premier De Croo bemerkte: „Wir haben die grundlegenden Arbeit erledigt, um diesen Betrag in den kommenden Wochen zu bestimmen. Aber was wichtig ist, ist, dass wir hiermit unsere Arbeit beginnen können.“
Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten von den flämischen Grünen (Groen) ergänzte dazu: „Es ist in unser beidem Interesse, Deutlichkeit zu diesen Parametern zu schaffen. Was kostet das? Wer übernimmt welche Kosten? Wer trägt die Verantwortung?“ Auf Basis dieses Rahmens werde in den kommenden Wochen weiterverhandelt, um die Feinheiten rund um die Rechnung für die Lagerung des Strahlenabfalls zu bestimmen. Niemand habe etwas davon, so Van der Straeten, „nicht zu wissen, wie hoch die Rechnung sein wird.“ Man müsse auch diesen Aspekt in die Hände nehmen, so die flämische Grüne abschließend.
Konkret betrifft das auch die Frage, wie hoch die diesbezüglichen Kosten für den belgischen Steuerzahler sind. Engie hat bereits eine „nukleare Reserve“ von 15 Mia. € angelegt, will aber vermeiden, dass in den kommenden Jahren weitere Kosten auf den Konzern zukommen. Die belgische Bundesregierung will hingegen verhindern, dass der Steuerzahler tiefer in die Tasche greifen muss.
In den französischen Medien kursierte eine finale Summe von 20 Mio. €. Nicht zu unterschätzen ist für den Energiekonzern Engie, dass diese Unkosten durchaus die Börse beeinflussen könnte, denn bei zu hohen Aufwendungen könnten die Kurse für die Aktien einbrechen oder zumindest deutlich an Wert verlieren…
Neue Gesellschaft und "nicht bindender Vertrag"
Energieministerin Van der Straeten sagte auch, es sei entscheidend, einen „starken und wirkungsvollen Betreiber zu haben: „Es ist wichtig, dass die Betreibung auf die gleiche Art und Weise fortgesetzt werden kann. Darum wird eine Gesellschaft gegründet, die über ausreichende Mittel und Personal verfügen kann.“ Der belgische Staat wird hier zur Hälfte partizipieren. So können die Risiken oder die Gewinne geteilt werden.
Engie nennt das Abkommen und die Gründung einer neuen Betreibergesellschaft ebenfalls einen wichtigen Schritt nach vorne. Doch echte Garantien, dass die Meiler Doel 4 und Tihange 3 tatsächlich ab 2026 Strom produzieren und 10 Jahre lang weiterbetrieben werden können, will der französische Konzern nicht geben. Deshalb ist auch hier lediglich die Rede von einem „nicht bindenden Abkommen.“ Diese Garantie könne man auch in den kommenden Monaten noch nicht geben, „denn es gibt noch nichts zu garantieren.“
