In New York beginnt diese Woche der Prozess gegen den mutmaßlichen islamistischen Terroristen Sayfullo Saipov, der am 31. Oktober 2017 mit seinem Pick-up-Truck in Manhattan wahllos Radfahrer und Fußgänger überfahren hatte. Damals verloren 8 Menschen ihr Leben, darunter Ann-Laure Decadt (Foto) aus Oostnieuwkerke in Westflandern. Deren Angehörige sind nach New York gefahren, um dort als Nebenkläger am Prozess teilzunehmen.
Prozess zum Terroranschlag 2017 in New York: Angehörige eines Todesopfers aus Flandern sind vor Ort
An der Schuld von Sayfullo Saipov besteht kaum Zweifel. Er überfuhr mit seinem schweren Pick-up-Truck Fußgänger und Radfahrer, um danach einen Schulbus zu rammen. Als er aus seinem Fahrzeug ausstieg, rief er „Allah-uh Akbar“ und schwenkte mit zwei Schusswaffen, die sich später als ein Luftgewehr und eine Paintball-Waffe herausstellten. Ein New Yorker Polizist stoppte Saipov mit einem Schuss in den Bauch, worauf dieser festgenommen werden konnte.
Sapov war zum Zeitpunkt des Anschlags 29 Jahre alt, verheiratet, Vater von 3 Kindern und radikalisierter Anhänger der islamistischen Terrorgruppe IS. 7 Jahre davor war er aus Usbekistan in die USA eingewandert und gewann in der Lotterie seine „Green Card“ zum Aufenthalt in den Vereinigten Staaten.
Am 31. Oktober 2017 kamen bei seiner Amokfahrt in Manhattan zwei Amerikaner, fünf argentinische Touristen und die damals 31 Jahre alte Ann-Laure Decadt aus Oostnieuwkerke in Westflandern, Mutter eines drei Jahre alten Sohnes und eines erst drei Monate alten Babys. Zwei weitere Belgier wurden schwer verletzt. Bei einer Frau mussten beide Beine amputiert werden.
Angehörige hoffen auf Antworten auf ihre Fragen
Jetzt nehmen ihre Mutter und ihre zwei Schwestern als Zeugen und Nebenkläger an diesem Prozess in New York teil. Der Täter riskiert eine lebenslange Haftstrafe oder sogar die Todesstrafe. Justine Decadt, eine der Schwestern von Ann-Laure Decadt, sagte gegenüber VRT NWS, dass sie vor dem Prozess ein bisschen nervös sei: „Ich bin aber auch erleichtert, dass der Prozess jetzt stattfindet, denn er wurde mehrmals verschoben. Ich finde es sehr schwer, einzuschätzen, wie wir uns bei diesem Prozess fühlen werden, doch er wird zweifellos viele Emotionen auslösen.“
Der Prozess sollte eigentlich schon 2020 stattfinden, doch die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass er mehrmals verschoben wurde: „Vielleicht ist es nicht schlecht, bestimmte Emotionen erneut zu fühlen. Manchmal kann das dabei helfen, alle Fakten nochmal zu durchlaufen und den Tod von Ann-Laure platzieren zu können. Wir haben auch viele Fragen, also in dieser Hinsicht kann der Prozess auch heilend sein.“
Der Anwalt der Familie, Johan Heymans, sagte gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 dazu: „Die Familie hofft an erster Stelle, Antworten von Saipov selbst zu bekommen. Warum hat er zu diesen schrecklichen Taten gegriffen. Die Angehörigen der Opfer haben jahrelang keine Einsicht in die Strafakte erhalten. Beim Prozess selbst werden sie Fakten entdecken über das, was andere Zeugen erlebt und mitgemacht haben.“
