Belgien erhält von der Europäischen Union 60 Mio. €, um die Straßen- und Schieneninfrastruktur im Hinterland der Häfen von Antwerpen und Zeebrügge für den Transport von schwerem militärischem Material anzupassen. Europa hat das Budget für solche Projekte seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gehörig angehoben.
Die EU finanziert Straßen- und Gleisbauarbeiten in Belgien für den Transport von schwerem militärischem Material
In der jüngsten Vergangenheit hatte die EU Projekte im Sinne der militärischen Mobilität budgetär eher etwas vernachlässigt, doch seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine sieht die Sache wieder ganz anders aus und einige Projekte bekommen eine neue Priorität. In Belgien geht es dabei um zwei konkrete Projekte.
Fast 31 Mio. € fließen in ein Projekt im Antwerpener Hafen, um einige Rangierbahnhöfe und deren Umfeld an die Bewegung und den Transport von vor allem schwerem militärischem Material der US-Streitkräfte anzupassen, damit deren Beförderung mit Güterzügen in Richtung Deutschland beschleunigt werden kann. Der Hafen von Antwerpen wird schon lange als Transithafen für US-Material, dass zur Verstärkung der Nato nach Europa gebracht wird.
Rund 30 Mio. € sind für die Anpassung eines Teilstücks der Autobahn E34 zwischen den Häfen von Antwerpen und Zeebrügge vorgesehen. Dieses Autobahnstück ist derzeit nicht für schwere Militärtransporte auf der Straße vorgesehen. Unter anderem müssen drei Brücken entlang der Verbindungsstraße N49 zwischen Damme (Westflandern) und Maldegem (Ostflandern) erneuert werden.
Diese Arbeiten kommen auch dem normalen Verkehr in Richtung Küste zugute. Das Hauptziel liegt aber beim militärischen Aspekt.“
Stefaan De Rynck, Sprecher der EU-Kommission
„Diese Arbeiten kommen auch dem normalen Verkehr in Richtung Küste zugute“, so Stefaan De Rynck, Sprecher der EU-Kommission, dazu gegenüber VRT NWS: „Das Hauptziel liegt aber beim militärischen Aspekt.
„Die europäische Verteidigung geht nach vorne, langsam aber sicher“, so De Rynck weiter: „Die russische Aggression gegen die Ukraine beschleunigt diesen Prozess. Und ein Teil davon ist die Mobilität von Personal und Material. Einige europäische Länder liefern der Ukraine militärisches Material. In jeder militärischen Strategie ist entscheidend, dies schnell zu bewerkstelligen.“
Das EU-Geld fließt in Projekte in ganz Europa. Davon stehen einige direkt unter dem Einfluss des Krieges in der Ukraine: „Dazu wurde schon 1 Milliarde an Investitionen zugestimmt und es kommt noch ei einem weiteren ‚call‘, wie man das nennt. Es stehen noch 600 Mio. € zur Verfügung und es kommen vielleicht noch Projekte in Belgien hinzu.“
Unser Land ist nun einmal das Tor zum Rest von Europa.“
Oberstleutnant Jürgen Felies
Jürgen Felies, Oberstleutnant der belgischen Armee, weist gegenüber VRT NWS darauf hin, dass diese Arbeiten bereits geplant waren, doch dass sie jetzt mit den EU-Mitteln schneller umgesetzt werden können. Das sei für Belgien eine gute Sache: „Unser Land ist nun einmal das Tor zum Rest von Europa. Wenn eine Krise ausbricht, ob das nun militärisch oder etwas anderes ist, muss man schnell an Ort und Stelle sein.“
„Das die Kapazität auf Straße und Schiene vergrößert wird, kommt auch dem Transportsektor und unserer Wirtschaft zugute“, unterstreicht der Oberstleutnant: „In Sachen militärische Mobilität müssen noch andere Dinge verbessert werden, wie die Harmonisierung von Prozeduren innerhalb Europas. Jedes Mal, wenn eine Grenze überschritten wird, stellt das eine lange Prozedur von Zulassungen dar.“
