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Inland
Justiz

Brüsseler Terrorprozess: Mitglieder der Hilfskräfte sprechen über ihren Einsatz

Nach langem Hin und Her zu den Umständen der Überbringung der Angeklagten vom Gefängnis zum Gerichtssaal konnte am Freitag noch einmal über Inhalte beim Schwurgerichtsprozess zu den Terroranschlägen vom 22. März 2016 gesprochen werden. Dabei wurden die im Laufe der Woche begonnenen Zeugenaussagen der Hilfskräfte fortgesetzt werden. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Zeugenaussagen der Feuerwehrleute, der Notärzte und anderer Hilfskräfte, die nach den Anschlägen auf den Flughafen von Zaventem und auf die Metrostation Maalbeek im Brüsseler Regierungsviertel an den Orten des Geschehens im Einsatz waren, sollen dabei helfen, dass sich das Gericht ein Bild von den Folgen der Explosionen machen kann.

Major Nicolas Jalet von der Brüsseler Feuerwehr sagte, dass sich die Hilfs- und Rettungsdienste in der belgischen Hauptstadt seit 2005, quasi nach den Anschlägen von Madrid und London, auf einen möglichen Terroranschlag in der belgischen Hauptstadt vorbereitet hätten: „Diese Vorbereitungen haben uns vor allem dabei geholfen, uns auf dem Terrain effizienter zu organisieren. Doch ein Anschlag bleibt eine Welle, bei der man den Boden unter seinen Füßen nicht mehr fühlt.“

Die Bilder, die bei den Ausführungen der Rettungskräfte gezeigt wurden, waren zeitweise recht heftig. So wurden Ersthelfer gezeigt, die am Brussels Airport Schwerverletzte mit Gepäckkarren evakuieren mussten.

Feuerwehr-Major Jalet sprach auch von den emotionalen Einflüssen auf seine Leute: „Das erste Bild, dass einer unserer Offiziere sah, war der leblose Körper einer Frau mit daneben zwei weinenden Kleinkindern. In einem solchen Moment muss man sich zwischen seine Mannschaft zu führen oder sofortiger Opferhilfe entscheiden.“  

Angst vor weiteren Sprengkörpern

Die Hilfskräfte mussten mit der Angst arbeiten, dass möglicherweise noch eine Bombe explodieren könnte, während sie Opfern halfen. Man rechnete auch damit, dass es noch irgendwo anders in Brüssel einen Anschlag geben könnte.

Glück im Unglück gab es denn noch zu vermelden, so Major Jalet. Das Wetter war am 22. März 2022 gut, so dass Opfer, die z.B. aus der Metrostation Maalbeek geborgen wurden, sofort auf der Straße noch medizinisch versorgt werden konnten. Und die Attentate passierten tagsüber, so dass ausreichend Personal in Bereitschaft war und zur Verfügung stand.

Beim Anschlag auf den Nationalflughafen in Zaventem wurden 141 Personen verletzt und 16 getötet. In Maalbeek gab es 154 Verletzte und ebenfalls 16 Tote. Der Ernst und die Schwere der Verletzungen hätten es besonders den jüngeren und weniger erfahrenen Rettungshelfern und Sanitätern schwer gemacht, so Major Jalet. Erfahrenere Krankenwagenbesatzungen hingegen waren von der hohen Zahl der Opfer beeindruckt.

Schwerste Verwundungen und Chaos in der Kommunikation

Olivier Vermylen, Chefarzt für medizinische Erstversorgung am Brüsseler Brugmann-Krankenhaus, ging weiter auf die Verletzungen ein: „Wir sahen schwere Schädel-Hirn-Traumas durch die Explosion, ernste Verletzungen an Brust und Bauch, heraushängende Eingeweide und schwerste Verwundungen auf Höhe der Gliedmaßen. Viele Menschen hatten auch Verbrennungen oder einen Hörschaden erlitten. Die psychologischen Folgen waren auch sehr schwer, auch bei den Rettungskräften. Wir hatten viele Leute, die nach diesem Einsatz zusammengebrochen sind.“

Aus den Zeugenaussagen der Mitarbeiter der Rettungs- und Hilfskräfte sowie von beteiligten Medizinern wurde deutlich, wie groß das Chaos nach den Anschlägen war. Die Kommunikation verlief gestört, weil die Netze überlastet waren. Zudem war den Rettungskräften nicht immer klar, wie viele freie Plätze es für die zahlreichen Opfer in den Krankenhäusern gab. 

Das war vor allem ein Problem bei den Verletzten aus dem Flughafen in Zaventem, denn man wusste nicht, wohin diese gebracht wurden. So beschlossen die Einsatzleiter, um selbst Kontakt zur Notrufzentrale 112 aufzunehmen, um so herauszufinden, wohin man die Schwerverletzten aus Maalbeek bringen konnte.  

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