Die großen Unternehmen in Belgien befürchten, dass die Gewinne, die sie 2023 erzielen werden, von den hohen Unkosten aufgefressen werden. Dabei geht es nicht nur um die steigenden Energie- oder Rohstoffkosten, sondern auch um die hohen Lohnkosten durch die automatische Indexanpassung der Einkommen an die Inflation.
Belgiens Unternehmerverband warnt davor, dass die Gewinne 2023 "in Rauch aufgehen werden"
Der belgische Arbeitgeber- und Unternehmerverband VBO sagt, dass nicht nur die Anpassung der Löhne und Gehälter an die Inflation ein Grund für Besorgnis sind - die Einkommen steigen zum Jahresanfang um durchschnittlich 11 %, sondern auch die steigenden Energiekosten.
Viele Unternehmen müssen in diesen Tagen ihre Verträge mit den Energieproduzenten und -lieferanten neu verhandeln und überall stehen deutlich höhere Preise an. Der VBO geht davon aus, dass die Mehrkosten, die in den kommenden Monaten auf die Großunternehmen in unserem zukommen, zwischen 35 und 55 Mia. € liegen werden. Diese Summe liegt in etwa im Bereich der Gewinne, die 2023 anvisiert werden.
Das bedeutet, dass diese Gewinne nicht investiert werden können, so VBO-Vorstand Pieter Timmermans: „Wenn die Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre Preise anzuheben oder an die Verbraucher weiterzugeben, dann gehen die Gewinne eines Jahres vollständig in Rauch auf. Das bedeutet, dass kein Geld mehr da ist, um zu investieren. Und die Investitionen von heute sind die Jobs von morgen.“
Kleinere Unternehmen noch stärker betroffen
Die steigenden Lohn- und Energiekosten fressen zudem die Reserven vieler mittelständischer Betriebe in Belgien auf. Jetzt steht bei den Betroffenen die Frage im Raum, ob es sich noch lohnt, weiterzumachen oder ob man nicht besser die Bücher dichtmacht, bevor es zu spät ist.
Eine Frage, mit der die Unternehmen zu tun haben, ist die, ob sie die steigenden Kosten an ihre Kunden weitergeben können oder sollen. Wollen die Verbraucher für z.B. steigende Gehälter, höhere Rohstoff-, Verpackungs- oder Transportkosten aufkommen oder mitbezahlen?
Ein Beispiel ist die Süßwarenindustrie - konkreter die in diesem Sektor handarbeitlich aktiven Mittelständler. Theoretisch müsste eine Packung Kekse, Waffeln oder Schokolade in Belgien im Einzelhandel gut 10 bis 15 % teurer sein oder werden, als noch im vergangenen Jahr...
