Am Brussels Airport in Zaventem ist am Sonntagvormittag das erste belgische Flugzeug aufgestiegen, dass mit nachhaltigem Treibstoff angetrieben wird. Konkret startete eine Maschine von Brussels Airport in Richtung Malaga, die teilweise Treibstoff an Bord hatte, der aus gebrauchtem Backfett und aus Abfällen von tierischen Fetten zusammengestellt war. Noch ist diese Art Treibstoff für Flugzeuge sehr teuer, doch Brussels Airlines will gemeinsam mit der Lufthansa-Gruppe ab 2026 mehrere Flugzeuge in Betrieb nehmen, die solchen „Bio-Kerosin“ verbrennen können.
Brussels Airlines startete den ersten Flug mit nachhaltigem SAF-Kerosin
Die Maschine von Brussels Airlines ist am Morgen am Nationalflughafen in Zaventem teilweise mit sogenanntem SAF-Treibstoff betankt worden. Das steht für „sustainable aviation fuels“ also für nachhaltigen Treibstoff. Dieser Treibstoff ist eine alternative und synthetische Form von Flugzeugbenzin, dass weniger Treibhausgase ausstößt, als Kerosin.
Auf verschiedenen Abschnitten des Fluges SN 3737 von Brüssel nach Malaga wurde dieses Flugzeug von einem Gemisch aus nachhaltigem und normalen Treibstoff angetrieben. Die Maschine hatte beim Start 38 % SAF an Bord und 62 % herkömmliches Kerosin. SAF besteht aus Fettabfällen aus der Gastronomie (z.B. Frittenfett) und aus tierischen Fettabfällen sowie aus pflanzlichen Fetten.
Nato-Pipeline
Diese Art von Flugzeugkerosin ist nicht ganz neu, denn z.B. die Air France mischt SAF allen Flugzeugen bei, die von Frankreich aus starten. Insgesamt nutzen schon etwa 40 Airlines diesen nachhaltigen Treibstoff für ihre Maschinen.
Neu an der belgischen Geschichte ist allerdings, dass alle Fluggesellschaften, die den Brussels Airport anfliegen, hier SAF tanken können. Dieser wird über die unterirdische Nato-Pipeline CEPS („Central European Pipeline System“) hierhergebracht. Diese Pipeline verbindet Frankreich, Deutschland und die Benelux-Länder und sorgt in erster Linie dafür, dass die Nato-Flugzeuge ständig mit Kerosin versorgt werden können. Doch sie wird auch von der zivilen Luftfahrt genutzt.
Augenwischerei?
Brussels Airlines wird gemeinsam mit der Konzernmutter Lufthansa dafür sorgen, dass bis 2026 etwa 5 % des benötigten Kerosins SAF sein wird. Noch kostet dieser Treibstoff 3 bis 10 Mal so viel wie herkömmliches Kerosin und ob dies die umwelt- und klimafreundliche Lösung des CO²-Problems für die Luftfahrt ist, sei dahingestellt. Schon die Menge an „Zutaten“ für enorme Mengen an SAF stellt eine riesige Herausforderung dar.
Bei Greenpeace spricht man über SAF von „greenwashing“ und der europäische Umweltverband Transport & Environment befürchtet, dass dazu Unmengen an Palmöl, Sojaöl und Zuckermelasse verwendet werden müssen, was wiederum zu landwirtschaftlicher Monokultur zu Lasten von Lebensmitteln und im schlimmsten Fall zu weiteren Rodungen von wichtigen Wäldern führen kann.
