Die Krise wird für die Wirtschaft in Belgien im kommenden Jahr schwierige Zeiten bringen. Laut dem Finanzdienstleister Graydon Creditsafe haben rund 28 % der belgischen Unternehmen keine finanziellen Reserven mehr. Es deutet sich eine Pleitewelle an und überdies geht die Zahl der Start-ups und neuen Unternehmensgründungen spürbar zurück, wie Graydon ermittelte.
Viele haben keine Reserven mehr: 2023 wird ein schwieriges Jahr für die Unternehmen
Die Coronakrise schien überwunden zu sein, da griff Russland im Februar die Ukraine an. Dies sorgte in der Folge für eine bis heute andauernde Energiekriese und auch die Inflation steigt in einer Geschwindigkeit, die so bisher kaum erlebt wurde.
Jetzt drohen auch in Belgien problematische Zeiten für die Unternehmen, vor allem für die kleineren und mittelständischen Firmen. Ihre finanziellen Reserven sind weitgehend aufgebraucht und laut Graydon Creditsafe haben derzeit etwa 28 % der hiesigen Unternehmen gar nichts mehr auf der „hohen Kante“. Nach der Coronakrise betraf das noch 18 % der Firmen, doch im Laufe des zu Ende gehenden Jahres verschärft sich diese Situation.
Inzwischen laufen auch die Coronahilfen nacheinander aus und dies rettete wohl nicht wenige Firmen in unserm Land vor dem Konkurs. Doch die Zeiten werden nicht besser: Energiekosten steigen, Rohstoffe werden teurerer und knapp, Personalmangel sorgt für Probleme und die Lohnkosten gehen infolge der anhaltenden Inflation weiter in die Höhe. Die Einkommen steigen dadurch zum 1. Januar um rund 11 % und das müssen die Arbeitgeber teilweise selbst stemmen.
Eigentlich beginnt die Pleitewelle jetzt erst wirklich.“
Eric Van Den Broele, Graydon Creditsafe
„Eigentlich beginnt die Pleitewelle jetzt erst wirklich. Derzeit sehen wir etwas mehr an Corona gebundene Konkurse als letztes Jahr. Pleiten, die aufgrund der heutigen Schwierigkeiten erfolgen, müssen noch kommen“, so Eric Van Den Broele von Graydon Creditsafe am Samstag gegenüber VRT NWS. Doch es werden auch immer mehr Unternehmen beobachtet, die zwar nicht in Konkurs gehen, die aber ihre Bücher schließen und aufgeben, bevor es zu spät ist.
Belgienweit schlossen in auslaufenden Jahr 2022 insgesamt 92.772 Unternehmen ihre Aktivitäten. 2021 betraf dies 81.651 Firmen. Hinzu kommt auch, dass weniger neue Unternehmen gegründet werden, so Van Den Broele: „2021 gab es noch einen Höhepunkt bei der Zahl der Start-ups, weil sich noch viele Leute im Jahr davor zurückgehalten haben. Diese Zahlen zeigten eine Erholung. Doch 2022 beobachteten wir einen deutlichen Rückgang, vor allem bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Es ist wichtig, diese Entwicklung im Auge zu behalten.“
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im zu Ende gehenden Jahr in Belgien 122.347 neue Firmen gegründet wurden - der höchste Wert der vergangenen 10 Jahre. Aber, dass waren 5,63 % weniger Unternehmensgründungen als noch 2021.
