Wie zu jedem Monatsanfang ändern sich auch zu jedem Jahreswechsel einige Dinge, die die Bürger unseres Landes betreffen. Dabei geht es unter anderem um eine deutliche Lohn- und Gehaltserhöhung durch die hohe Inflation und durch den Index. Es wird mehr Unterstützung für einkommensschwache Haushalte in Zusammenhang mit den hohen Energierechnungen geben. Doch an anderen Stellen werden auch höhere Gebühren oder Tarife anfallen.
Mehr Gehalt und Lohn, höhere Gebühren beim Arzt: Was ändert sich in Belgien ab dem 1. Januar 2023?
Eine Million Belgier erhalten rund 11 % mehr Lohn
Die Löhne von einer Million Arbeitnehmern werden am 1. Januar um etwa 11 % steigen. Das geht aus einer Berechnung des Personaldienstleisters Acerta hervor. Die automatische Lohnindexierung bedeutet, dass die Löhne dem Anstieg der Lebenshaltungskosten, d. h. der Inflation, folgen. 11 Prozent sind ein Rekordanstieg seit Einführung der automatischen Lohnindexierung in Belgien. Die Berechnung von Acerta gilt für die Beschäftigten in Industrie, Handel, Dienstleistung und Landwirtschaft.
Die Mindestrente steigt
Die niedrigsten Renten in Belgien steigen auf über 1.500 € netto. Das betrifft z.B. Alleinstehende, die eine vollständige berufliche Laufbahn absolviert haben. Von der Rentenerhöhung können rund eine Million Belgier profitieren. Konkret steigen die Pensionen zum Jahreswechsel um 2,6 %. Auch hier sorgen der Index und die Inflation für eine Beschleunigung bei der Anhebung der Bezüge. Ehepartner von Selbständigen, die im Betrieb an mindestens 90 Tagen pro Jahr mitarbeiten, haben ebenfalls jetzt Anrecht auf eine Mindestrente.
Die Sozialtarife für Strom und Gas werden angehoben
Zum 1. Januar werden die Sozialtarife für Strom und Erdgas in Belgien angepasst. Die Regulierungsbehörde für den Gas- und Strommarkt (CREG) gibt dazu an, dass der Sozialtarif für Strom auf 28,57 Eurocent und der Sozialtarif für Erdgas auf 3,729 Eurocent pro Kilowattstunde inkl. Mehrwertsteuer angehoben werden. Dieser Sozialtarif ist ein reduzierter Tarif für einkommensschwache Haushalte. Bis zu zwei Millionen Bürger und Haushalte in Belgien haben Anspruch darauf. Der entsprechende Tarif gilt einheitlich bei allen Energielieferanten und wird alle drei Monate neu festgelegt.
Befristete Corona-Arbeitslosigkeit wird abgeschafft
Das System der befristeten Corona-Arbeitslosigkeit bzw. der entsprechenden Kurzarbeit läuft in Belgien zum Jahreswechsel aus. Dem entgegen wird aber die Kurzarbeit aufgrund der Energiekrise in der Wirtschaft bis zum 31. März 2023 verlängert.
Studierende dürfen 600 Stunden lang arbeiten
Studierende dürfen im Laufe des Kalenderjahres 2023 bis zu 600 Stunden zu ermäßigten Sozialbeiträgen arbeiten. Bisher lag der Grenzwert bei 475 Stunden. Dies verändert die Zahlung des Kindergeldes für das Elternhaus nicht. Um das Kindergeld zu behalten, dürfen Studierende bis zu 240 Stunden pro Quartal arbeiten.
Höhere Arztgebühr
Ein Besuch beim Hausarzt steigt in Belgien zum Jahreswechsel auf 30 €. Bisher wurde hier eine Gebühr von 27,25 € verlangt. Doch jetzt wird die Gebühr entsprechend der Inflation um rund 10 % nach oben angepasst.
Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub verlängert
In Belgien wird zum 1. Januar 2023 der Geburtsurlaub verlängert. Bisher galt dieser Sonderurlaub für 15 Tage, doch jetzt wird er auf 20 Tage angehoben. Dies gilt für Eltern, deren Kinder ab dem Jahreswechsel zur Welt kommen.
Das Email wird ein rechtsgültiges Kommunikationsmittel und Dokument
Im für ein Inkrafttreten am 1. Januar 2023 reformierten Bürgerlichen Gesetzbuch in Belgien wird ein Email definitiv als rechtsgültige Benachrichtigung angesehen. Schon jetzt werden Emails täglich als offizielles Dokument und auch als Beweismaterial genutzt und akzeptiert, doch ab sofort wird dies auch auf einer rechtsgültigen Basis behandelt. Dazu muss eine entsprechende Email aber nachweislich gelesen bzw. bestätigt oder beantwortet sein. Ohne Bestätigung muss ein Absender beweisen können, dass ein Adressat die betreffende Benachrichtigung auch empfangen und gelesen hat.
Immobilien: Notariatsgebühren werden gesenkt
Zum Jahreswechsel sinken die Notariatsgebühren, die beim Kauf eines Eigenheims anfallen. Ab dem 1. Januar beläuft sich die Gebühr für einen privaten Immobilienkauf auf einen Festbetrag von 750 €. Die Gebühr für den Kaufvertrag und für die Krediturkunde liegt ab dann bei 550 €. Im Durchschnitt sparen die Eigenheimkäufer ab nächstes Jahr dadurch bis zu 1.000 €. Damit können die anfallenden Unkosten bei 98 % der Hauskäufe gesenkt werden. Die Senkung der Gebühren gehört zu einer grundlegenden Reform des Notariatsektors bzw. des Notarberufs in Belgien.
Der Preis für ein Päckchen Tabak steigt wieder
Der Preis für ein Päckchen Tabak wird in Belgien um einen halben Euro angehoben. Damit wird ein solches Päckchen im Durchschnitt 8 € kosten. Bis 2024 will Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) den Preis sogar auf 9 € anheben. Er will damit vom Rauchen abraten und den Ankauf von Tabakprodukten weiter unattraktiv machen.
Veränderungen für einige Autofahrer
In einigen Bereichen sind Autofahrer von Anpassungen und höheren Gebühren betroffen. Die Verkehrssteuer für Oldtimer steigt im belgischen Bundesland Flandern von bisher 42 € auf jetzt 100 €. Das betrifft Fahrzeuge, die älter als 25 Jahre sind und die mit einem 0-Kennzeichen angemeldet sind. Die steuerliche Absetzbarkeit für Diesel und Benzin bei Hybrid-Firmenwagen, die auf Strom und auf Verbrennungsmotoren fahren, wird in Belgien halbiert. Nicht zuletzt verlieren Pick-up-Trucks in Belgien ihre steuerlichen Vorteile für kommerzielle Angelegenheiten. Sie werden ab sofort wie normale PKW oder SUV besteuert.
TÜV für Motorräder
Ab dem 1. Januar 2023 müssen auch Motorräder in Belgien zur technischen Überprüfung. Das ist der Fall, wenn ein Motorrad gebraucht verkauft wird und wenn ein Motorrad in einen Unfall verwickelt war.
Post: Briefmarken und Pakete werden teurer
Die belgische Post, Bpost, hebt ihre Tarife an. Eine Non-Prior-Briefmarke kostet ab dem 1. Januar 2023 1,39 €, also 20 Cent mehr als bisher. Eine Prior-Briefmarke wird ab dann 2,17 € statt 1,98 € kosten. Für die Beförderung von Paketen bis 2 kg wird jetzt eine Gebühr von 7,80 € verlangt. Bpost erhebt ab 2023 auch eine Zusatzgebühr von 1 € pro Paket, das zwischen Black Friday und Weihnachte befördert werden soll.
Flandern: Mieter von Sozialwohnungen müssen sich beim Arbeitsamt anmelden
Die flämische Landesregierung verlangt von Mietern von Sozialwohnungen, dass sich diese beim Landesarbeitsamt VDAB anmelden. Hinzu kommt noch, dass Flandern die Norm der Sprachkenntnisse für die Betroffenen nach oben korrigiert. Einwanderer, die eine Sozialwohnung mieten wollen, müssen Niederländisch mit Niveau A2 belegen können. Bisher galt hier Niveau A1. Wer diese neuen Regeln nicht beachtet, muss mit Bußgeldern rechnen.
Brüssel: Wasserrechnung jetzt monatlich und elektronisch
In der Region Brüssel-Hauptstadt werden ab dem Jahreswechsel alle Wasserrechnungen für Privathaushalte und Unternehmen monatlich und auf elektronischem Wege verschickt. Bisher verschickte die Brüsseler Wassergesellschaft Vivaqua ihre Rechnungen alle drei Monate per Post. Dies bleibt bei jenen Haushalten weiter so, wenn Vivaqua über keine elektronischen Kontaktangaben verfügt.
Brüssel: Die Verkehrsgesellschaft MIVB/STIB verbilligt den Seniorentarif
Die regionale Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB senkt die Tarife des Jahresabos für Über-65-Jährige von bisher 60 € auf nur noch 12 €. Damit passt die Verkehrsgesellschaft diesen Tarif dem für Jugendliche unter 25 Jahren an, die seit 2021 nur noch 12 € pro Jahr für ihr Abo zahlen müssen.
Allgemeines Rauchverbot auch auf den Bahnsteigen
Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB teilt mit, dass ab dem 1. Januar 2023 auch das Rauchen auf den Bahnsteigen verboten ist. Die Bahn will damit ihre Bahnhöfe vollständig rauchfrei gestalten. Das Rauchen in den Gebäuden der Bahn, vor allem in den Bahnhöfen selbst, ist bereits seit einigen Jahren verboten.
Die Bahn wird ab Februar 2023 deutlich teurer
Ab dem 1. Februar 2023 werden die Standard-Fahrscheine bei der belgischen Bahn 8,73 % teurer. Abonnements für Berufspendler werden sogar um 9,73 % teurer. Für Jugendliche und Senioren steigen die Tarife ebenfalls, aber weniger stark, als bei den regulären Tickets. Ein Seniorenticket wird ab dann 7,80 € kosten, also 60 Eurocent mehr. Die sogenannten „Youth Tickets“ für einfache Fahrten werden dann 7,10 € kosten, 50 Eurocent mehr als bisher. Die NMBS/SNCB gibt an, dass ihre Energierechnung im kommenden Jahr um 200 Mio. € höher liegen wird, als 2022 und auch die Indexierung der Löhne und Gehälter der Mitarbeiter hätten einen großen Effekt auf die Bilanzen. Die steigenden Fahrpreise für die Reisenden und die Pendler würden diese Mehrkosten allerdings nur teilweise decken.
