Belgiens neue Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Caroline Gennez von den flämischen Sozialisten Vooruit (Foto) will analysieren, in wie fern unser Land noch Hilfe für Afghanistan leisten kann oder will. Diese Hilfe sei wichtig, doch „alles hängt von Kontext ab.“ Angesichts der Tatsache, dass die Taliban jetzt Frauen in Afghanistan auch verbietet, zur Universität zu gehen oder für internationale Hilfsorganisationen zu arbeiten, müsse man die Taliban international scharf verurteilen.
Umgang mit den Taliban: "Belgiens Einsatz in Afghanistan von Tag zu Tag neu bewerten"
„Es hat mich nicht überrascht“, sagte Entwicklungshilfeministerin Gennez am Dienstag gegenüber VRT NWS über die Entscheidung der Taliban, dass Frauen nicht mehr für internationale Hilfsorganisationen arbeiten dürfen. In den vergangenen Wochen untersagten die Taliban afghanischen Frauen und Mädchen den Zugang zu jeglicher Bildungsmöglichkeit. „Es ist allerdings beunruhigend. Der Impakt auf die afghanische Bevölkerung ist immens, denn 28 Millionen Menschen sind dort von Hilfe abhängig.“
Ohne weibliche Mitarbeiter bei den internationalen Hilfsverbänden können Frauen und Mädchen in den eher konservativen ländlichen Gebieten nicht mehr erreicht werden, so Gennez. Die flämische Sozialistin drängt denn auch auf eine deutliche und unmissverständliche internationale Reaktion auf den neuerlichen Umgang mit Frauen in Afghanistan.
„Josep Borell (der hohe Vertreter für das Ausland der EU (Red.)) hat bereits einen kräftigen Standpunkt eingenommen. Ich hoffe, dass alle anderen Organisationen dies auf höchster Ebene ebenfalls tun“, so Caroline Gennez dazu.
Weitere belgische Hilfe für Afghanistan?
Wie steht es in Zusammenhang mit dieser Entwicklung mit der Hilfe, die Belgien in Afghanistan leistet? Belgische regierungsunabhängige Organisationen (NGO’s) sind dort nicht aktiv, doch unser Land leistet materielle Nothilfe über die Vereinten Nationen. In den vergangenen Jahren konnten über diese Unterstützung rund 2,5 Millionen afghanischen Zugang zu einer gesundheitlichen Mindestversorgung verschafft werden.
„Über diesen Weg versuchen wir Einfluss auf das Regime zu haben, auch wenn dies nicht evident ist. Ein Dialog ist quasi unmöglich, doch die einfachen Menschen dort dürfen nicht noch mehr zu Opfern werden,“ so die Ministerin.
Caroline Gennez will aber nicht, dass Belgien seine Hilfe auch unter den aktuellen Umständen seine Hilfeleistungen für das Land beendet: „Jedes Menschenleben, dass man auf diese Weise rettet, ist die Investierung wert. Doch man muss natürlich auch den Kontext im Auge behalten, bewerten und schauen, wo der Impakt liegt. Das evaluieren wir von Tag zu Tag.
Die belgische Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit garantiert aber auch, dass die Belgier, die sich derzeit in Afghanistan aufhalten, permanent mit dem Schutz der Behörden in der Heimat rechnen können.
