Der Genter Künstler Octave Landuyt wird am 26. Dezember 100 Jahre alt. Als Allroundtalent schuf Landuyt Gemälde, Skulpturen, Schmuck, Inneneinrichtungen, Bühnenbilder und Kostüme für die Oper sowie Kunst für den öffentlichen Raum. Der flämische Komponist und Dirigent Dirk Brossé ist mit Octave Landuyt befreundet. Er spricht voller Bewunderung von ihm und bezeichnet ihn als "universellen Mann der Renaissance" und seinen "geistigen Vater".
Wer an der Station Porte de Namur in Brüssel ein- oder aussteigt, läuft wohl meistens achtlos an einem Werk von Octave Landuyt (Foto unten) vorbei. In der Metrostation befinden sich die vier monumentalen Medaillons Het uiteindelijke Verkeer (Der ultimative Verkehr) aus dem Jahr 1979, die die verschiedenen Stadien des Lebens darstellen: Geburt, Liebe, Erwachsensein und Tod. Die Problematik von Leben und Tod nimmt in Landuyts Werk einen zentralen Platz ein.
Sein Stil ist schwer einzuordnen, tendiert aber oft ins Fantastische, Surreale, mit verzerrten menschlichen und tierischen Figuren. Landuyt hat seine Werke in Belgien und im Ausland ausgestellt, u. a. auf der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel. Seine Werke gehören zu den Sammlungen bedeutender Museen.
Octave Landuyt unterrichtete auch andere wichtige belgische Künstler wie Hubert Minnebo, Karel Dierickx und Camiel van Breedam und beeinflusste sie. Aber auch Dirk Brossé, ein Dirigent und Komponist, wurde von Landuyt tief beeinflusst.
"Als ich 16 Jahre alt war, hatte ich 1 000 belgische Francs gespart und bin mit dem Fahrrad zu Landuyt gefahren, um eines seiner Werke zu kaufen. Seine Frau nahm mich mit in den Keller, gab mir eine Lithografie und sagte ‘Wenn Sie noch 1 000 Francs haben, kommen Sie wieder’. So entwickelte sich meine Verbindung zur Familie und sind wir seit Jahrzehnten befreundet."
Lernen zu schauen
Dirk Brossé bezeichnet Octave Landuyt heute als seinen "geistigen Vater" und "Lehrmeister". Er durfte dem Künstler beim Malen häufig zuschauen. "Er hat mich das Schauen gelehrt. Landuyt fasste das, was er tat, in Worte und sprach über die vielen Schichten, die in einem Gemälde verborgen sind. Ich konnte das selbst in meiner Musik anwenden." Brossé komponierte für seinen Freund den "Landuyt-Zyklus", sieben Lieder auf Texte von Elie Saegeman, die von der berühmten Sopranistin Claron McFadden auf CD gebracht wurden.
Brossé bewunderte Landuyt sowohl für seine technischen Kenntnisse in der Malerei, dem Bronzeguss oder dem Schmuckdesign als auch für sein breites Interesse, auch an nicht-westlicher Kunst. "Jedes Gespräch mit Octave Landuyt war eine Lektion in Kunstgeschichte und Philosophie. Er ist ein sehr gelehrter Mann und ein vielseitiger Künstler. Man kann ihn als einen echten uomo universale bezeichnen, einen zeitgenössischen Renaissance-Menschen, der zeitlose Kunst macht."
In der Galerie De Mijlpaal in Heusden-Zolder findet die Ausstellung Panta rhei: Octave Landuyt 100 statt. Der "letzte echte multidisziplinäre Künstler seiner Generation, dem es gelungen ist, ein völlig idiosynkratisches, vielfältiges und technisch anspruchsvolles Werk zu schaffen". Außerdem sind Werke von Camiel van Breedam, Hubert Minnebo, Koen Vanmechelen, Nedda El-Asmar und Lore Langendries zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum 12. Februar 2023.
