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Mehr und pünktlichere Züge: 10 Jahres-Plan der Bahn und der belgischen Regierung

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB und der Bahninfrastruktur-Dienstleister Infrabel stehen vor großen Herausforderungen. Das belgische Verkehrsministerium schoss mit beiden Unternehmen neue Geschäftsführungsverträge mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Damit arbeitet die Bahn zum ersten Mal seit langem mit einem langfristigen Planungsziel. Das allerdings hat es in sich: 10 % mehr Züge, die pünktlicher sein müssen.

Andreas Kockartz
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Bundesverkehrsminister Georges Gilkinet von den frankophonen Grünen Ecolo sprach denn auch von einem historischen Augenblick, als die NMBS/SNCB und Infrabel ihre neuen Geschäftsführungsverträge mit der Regierung vorlegten. Ab dem 1. Januar 2023 brechen also für die Bahn neue Zeiten an. Es wurde aber auch langsam Zeit dafür, denn die letzten entsprechenden Verträge wurden 2008 unterzeichnet und seit dem dümpelt die Bahn Jahr für Jahr den Ereignissen hinterher.

Nun sieht der neue Vertrag vor, dass die Bahn und Infrabel innerhalb der kommenden 10 Jahre 10 % mehr Reisezüge einsetzen muss, um damit 30 % mehr Reisende zu befördern. Zwei Züge pro Richtung in  jedem belgischen Bahnhof müsse das Mindestangebot sein, so die Verträge. Infrabel muss dafür sorgen, dass eine modernisierte Infrastruktur mehr Güterzüge ermöglicht, denn die Regierung möchte den Güterverkehr auf der Schiene verdoppeln.

Dies alles enthält auch „kleine Details“: Züge sollen früher am Morgen und später am Abend fahren. In den nächsten Jahren soll ein Großteil des Fahrzeugparks von NMBS/SNCB erneuert werden. Das Durchschnittsalter der hier eingesetzten Lokomotiven, Triebwagen und Waggons ist rund 25 Jahre alt und - interessant für Liebhaber - einige davon stammen noch aus den 1960er Jahren. Jetzt sind aber z.B. für die Reisenden und die Pendler mehr Beinfreiheit gefragt, Klimaanlagen, Stromstecker, ein besserer Mobilfunkempfang und mehr Platz für Fahrräder. 

Hohe Anforderungen

Hinzu sollen auch neue und einfachere Tarifsysteme greifen, die es den Fahrgästen ermöglichen, je nach Nutzen flexibel zu sein. Hier reift die Idee, höhere Tarife während den Stoßzeiten einzufordern und günstigere Fahrscheine zu den anderen Tageszeiten. Die Bahn erhält dazu übrigens zum erste Mal seit Jahrzehnten eine Tariffreiheit.

Hier gilt es einiges auf Vordermann zu bringen und dass betrifft nicht nur das Gleisnetz sondern auch die Bahnhöfe. Viele Bahnstationen in Belgien brauchen eine Modernisierung und sie sollen zudem freundlicher gestaltet werden, mit mehr Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder. Auf Prestigeprojekte werde man verzichten, so Mobilitätsminister Gilkinet und sich lediglich auf den Nutzen der Bahnhöfe konzentrieren.

Der grüne belgische Verkehrsminister setzt dabei nicht nur auf Wirtschaftlichkeit oder auf ein für die Wirtschaft nützliches Verkehrssystem, sondern auch auf Klimaschutz. Die Bahn soll endlich eine echte Alternative zum Straßenverkehr werden. Nicht zuletzt sollen NMBS/SNCB und Infrabel auch dabei helfen, den CO2-Ausstoß in Belgien bis 2050 zu halbieren. Bis 2032 wird die belgische Bundesregierung in das Projekt Bahn rund 44 Mia. € investieren - etwas mehr als vorgesehen und etwas weniger, als die beiden Staatsunternehmen verlangt hatten. 

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