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Die RV Belgica 1898 in der Antarktis (Foto: KBR)

Südpol: Mit der Polarstern auf den Spuren von Adrien de Gerlache vor 125 Jahren

Am 19. Dezember sticht ein Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien und den USA in Richtung Südpol in See. An dieser Antarktik-Expedition nimmt auch Matthias Troch teil, Gletscherforscher an der Universität Gent (UGent). Die Expedition folgt den Spuren der ersten wissenschaftlichen Antarktik-Reise des belgischen Forschers Adrien de Gerlache mit seinem Schiff RV Belgica (Foto), die vor 125 Jahren unterwegs war. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Mannschaft um Adrien de Gerlache überlebte seinerzeit rund ein Jahr in der bitteren Kälte am Südpol. Die neue Expedition nimmt sich „nur“ rund 11 Wochen Zeit für ihre Forschungsaufgaben. Matthias Troch von der UGent erforscht dabei die Folgen der Klimaerwärmung für die Gletscher, die schneller schmelzen denn je. Doch die Route, die die Polarstern mit ihrem internationalen, Forschungsziel ansteuert, ist mehr oder weniger die der RV Belgica von vor 125 Jahren. Der belgische Wissenschaftler will denn auch einen Blog führen, bei dem die Unterschiede zwischen diesen beiden Südpol-Expeditionen aufgezeigt werden.

Die weltweit erste Antarktik-Expedition, die der belgische Wissenschaftler Adrien de Gerlache durchführte, war natürlich völlig anders, als entsprechende Forschungsreisen heute, wie Matthias Troch gegenüber VRT NWS vor der Abreise in Richtung Südpol erzählt: „Expeditionsleiter de Gerlache und sein Team haben damals eine heldenhafte Reise unternommen. Sie haben sich mit ihrem Schiff im Polareis festgefahren und waren letztendlich rund ein Jahr dort in der Antarktis. Fast die gesamte Besatzung hat damals überlebt und die Crew hat auch sehr relevante wissenschaftliche Informationen geliefert. Das waren Pioniere.“

(Lesen sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Polarsternn (Foto: KBR)

Damit sich die heutige Expedition nicht wieder im „ewigen Eis“ festfährt, wird die Reise mit dem Forschungsschiff und Eisbrecher Polarstern (Foto) unternommen.

Heute fast vergessen

Die allererste Polarexpedition, die dazu noch eine belgische Expedition war, ist heute fast vergessen. Und doch lieferte die der Wissenschaft Erkenntnisse, die heute noch Relevanz haben. Nicht zuletzt deshalb ist es die Mühe wert, die Geschichte von damals noch einmal zu erzählen.

In erster Linie überzeugt bis heute der durch die Umstände damals erzwungene Pioniergeister der Leute um de Gerlache. Sie mussten improvisieren und erfindungsreich sein. Sie mussten schließlich in diesem bitterkalten Winter 1898 am Südpol überleben. Lebensmittel waren nicht für einen so langen Aufenthalt eingeplant und so mussten sich die Besatzung auf die Jagd begeben. Und gegessen wurde alles, was geschossen werden konnte, auch Pinguine oder Seehunde…

Wissenschaftlich war diese Expedition von damals sehr wichtig, wie auch der belgische Wissenschaftler, der an der neuen Reise teilnimmt, zu berichten weiß: „Das Team konnte auch während dieser schlechten Umstände ein Jahr lang Wetterverhältnisse aufzeichnen. Und das ist bis heute eine wichtige Datensammlung. Daneben haben sie den westlichen Teil der Antarktis kartografieren können. Die Besatzung bestand übrigens auch aus Leuten, wie Frederic Cook und Roald Amundsen. Die gingen später ihren eigenen Weg und entdeckten noch viel mehr.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

"Leben" in der Antarktis: Das Team der RV Belgica (Foto: KBR)

Die Reise von damals ist nachgezeichnet

Die Königliche Belgische Bibliothek (KBR) und ihr Museum haben aus Anlass des 125-jährigen Geburtstags der Expedition von Adrien de Gerlache dessen gesamte Reise rekonstruiert und diese auf ihrer Webseite mit Fotos, Zeichnungen, Notizen und Aufzeichnungen nachgezeichnet.

Die neue Expedition an Bord der Polarstern wird vielleicht nicht so heldenhaft sein, denn, so Matthias Troch, „wir werden es wärmer haben, denn dort ist jetzt Sommer und wir sitzen an Bord eines Schiffes. Die See wird die größte Kälte wohl abfedern.“ Es ist ausreichend Proviant an Bord und jagen wird wohl kaum nötig werden.

Die Wissenschaftler werden von der Polarstern aus neue Untersuchungen durchführen. Dazu gehören Wasserproben und Gesteinsproben vom Boden der Antarktis: „Dabei suchen wir nach Spuren von jahrhundertealten Gletschern. Auf Basis von längst geschmolzenen Gletschern wollen wir erfahren, wie und woran sie geschmolzen sind. Diese Daten wollen wir mit heutigen Erkenntnissen vergleichen, um zu sehen, ob wir in der Tat in einer schwierigen Phase leben oder nicht.“ Dies könne dabei helfen, herauszufinden, wie die Zukunft aussehen kann, so der Genter Forscher: „Wenn das Eis der Antarktis schmilzt, dann steigt der Meeresspiegel weltweit um 3 Meter.“

Neben Troch befindet sich bei der Mannschaft der Polarstern übrigens noch ein weiteres belgisches Teammitglied. Das ist die Antwerpener Dokumentarfilmerin Meltse Van Coillie. Die Expedition beginnt am 19. Dezember 2022 und endet im März 2023.    

Adrien de Gerlache (Foto: KBR)
KBR
Die RV Belgica (Foto: KBR)

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