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Belgien gilt als Drehscheibe für Menschenschmuggel aus Vietnam

Belgien ist offenbar ein wichtiges Zentrum für Menschenschmuggler, die Vietnamesen nach Europa bzw. nach Großbritannien schleusen. Dies geht aus einem Bericht des belgischen Zentrums für Migration, Myria, hervor. Der Jahresbericht von Myria legt einen Fokus auf den Menschenschmuggel aus Vietnam. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Bericht von Myria zeichnet ein düsteres Bild des Menschenschmuggels und Menschenhandels aus Vietnam nach Europa. Diese Schleuser sind in Belgien zunehmend aktiv: 2021 meldeten sich 28 Opfer von Schleuserbanden bei den Zentren für Opfer von Schleuserbanden in Belgien. 23 davon waren Vietnamesen.

Vor dem Hintergrund des Erstickungstodes von 39 Vietnamesen in einem Kühllaster in England, der 2019 über den Hafen von Zeebrügge nach Großbritannien kam, ist dies keine wirkliche Überraschung. Übrigens trat Myria beim Prozess gegen die Verantwortlichen als Nebenkläger auf.

Aber, die Schleuserbanden zeigen sich unbeeindruckt von diesem Fall und sie machen skrupellos weiter. Seit dem sind die „Tarife“ für eine Schleusung aus Vietnam über Belgien nach England angehoben worden. Alleine 7.000 britische Pfund kostet der „Transport“ von Belgien über den Kanal auf die britischen Inseln, wie Myria herausfand.

Davon, dass die Schleuser wenig Skrupel an den Tag legen, erzählte 2019 auch ein 16 Jahre altes vietnamesisches Mädchen, dass die Polizei bei einer Hausdurchsuchung gegen Schleuser in einem Safehouse in Brüssel entdeckte. Sie sollte 15.000 € zahlen, doch der Transport klappte nicht. Nach dem Essex-Drama erhielt sie eine SMS von ihrem Schmuggler mit den Worten: „Glückwunsch, dass ich deinen Transport verschoben habe. Sonst wärest du jetzt bei den 39 gestorbenen Vietnamesen.“ 

Umfassendes Netzwerk aufgerollt

Das Bundezentrum für Migration legt viel Wert auf Zeugenaussagen. Die Erzählungen des damals 16 Jahre alten vietnamesischen Mädchens sei wichtig gewesen, um Beweise gegen die Verantwortlichen des tödlichen Schmuggels von 2019 gewesen, so der Myria-Bericht.

Die Schleuserbande, die für das Essex-Drama verantwortlich war, hat zwischen 2018 und 2020 nachweislich 156 Schmuggeltransporte organisiert und damit etwa 7 Mio. € verdient. 335 Vietnamesen wurden nach Europa gebracht, wofür sie jeweils rund 12.000 € zahlen mussten. 195 dieser Vietnamesen wurden über Belgien und Frankreich nach Großbritannien geschafft, wofür diese jeweils 11.800 € zahlen mussten. 

"Reisekosten" abarbeiten

Die Opfer und deren Familien in Vietnam machen damit hohe Schulden, die sie abarbeiten müssen. Vietnamesinnen arbeiten dazu unter widrigen Umständen in Nagelstudios, Männer arbeiten auf Baustellen und weitere Personen werden in der Gastronomie eingesetzt - alles auf illegale Weise.

Sie werden in menschenunwürdigen Umständen untergebracht und oft jahrelang ausgebeutet. Sie werden von Fall zu Fall, so der Myria-Bericht, auch in der Herstellung von gefälschten Zigaretten und Cannabis oder zum Drogenschmuggel eingesetzt. Inzwischen setzen die Banden auch auf die Produktion der synthetischen Droge Crystal Meth.

Myria bittet darum, Auffälliges zu melden, gerade auch bei offenbaren Fällen von wirtschaftlicher Ausbeutung zur Schuldenbegleichung. Doch einfach ist dies nicht unbedingt. Menschenschmuggler und Menschenhändler arbeiten Hand in Hand und viele Vietnamesen sehen sich selbst nicht als Opfer. Zudem ist die vietnamesische Gemeinschaft sehr in sich geschlossen und loyal. Und der Druck zu schweigen ist hoch… 

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