Der Virologe des belgischen Gesundheitsamts Steven Van Gucht ruft auf, Besuche bei Neugeborenen wegen der starken Verbreitung des RSV-Virus aufzuschieben. Die starke Zunahme des Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Säuglingen in Verbindung mit der Zunahme von Corona-Infektionen führt zu einem zunehmenden Druck auf den Gesundheitssektor. "Man könnte sagen, dass das RSV-Virus derzeit ein größeres Problem darstellt als das Corona-Virus, aber es betrifft eine andere Kategorie von Patienten", sagt Van Gucht.
Virologe Van Gucht warnt vor Verbreitung des RSV-Virus: Besuche bei Neugeborenen besser vermeiden
Mehrere Kinderkliniken haben in den letzten Tagen wegen der steigenden Zahl von Säuglingen und Kindern mit akuten Atemwegsinfektionen bereits Alarm geschlagen.
Steven Van Gucht von Sciensano nuanciert die Zahlen: "Es ist schwer zu sagen, ob mehr RSV im Umlauf ist als in anderen Jahren. Die Zahlen deuten eher auf ein normales Muster hin.” Obwohl die Atemwegsinfektionen jedes Jahr im November und Dezember vermehrt eintreten, ist besondere Vorsicht geboten, da auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen des Coronavirus wieder ansteigen.
Van Gucht (unten) erinnert an einige Vorsichtsmaßnahmen, u. a. die Besuche bei Familien mit Säuglingen eine Zeit lang zu verschieben, da sehr kleine Kinder den RSV-Virus oft einfangen.
"Gute Gewohnheiten können jetzt einen großen Unterschied machen. Denken Sie daran, sich die Hände zu waschen, gut zu lüften, bei Krankheit zu Hause zu bleiben oder bei leichten Symptomen und in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Mundschutz zu tragen und sich zu vergewissern, dass die Corona- und Grippeimpfung in Ordnung ist."
Auch die Zahl der Grippeinfektionen wird in den kommenden Wochen voraussichtlich steigen, was den Druck auf das Gesundheitssystem weiter erhöht.
Coronavirus auf dem Vormarsch
Die neuesten Zahlen des belgischen Gesundheitsinstituts Sciensano belegen, dass die Infektionen auf Wochenbasis um 28 Prozent auf 963 Fälle im Schnitt und pro Tag gestiegen sind. Auch die Reproduktionszahl liegt mit 1,22 wieder über 1, was bedeutet, dass die Epidemie an Schwung gewinnt. Die Zahl der Todesfälle bleibt jedoch mit durchschnittlich 4 pro Tag stabil.
Außerdem wurden zwischen dem 24. und 30. November im Schnitt und pro Tag 70 neue Krankenhauseinweisungen gemeldet, was einem Anstieg von 36 Prozent entspricht. Derzeit befinden sich 957 COVID-Patienten im Krankenhaus (+30 Prozent), von denen 48 intensivmedizinisch betreut werden müssen (+4 Prozent).
Insgesamt haben mehr als 3,8 Millionen Belgier eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten, was 41 Prozent der erwachsenen belgischen Bevölkerung entspricht. Bei den 65- bis 84-Jährigen sind es fast 72 Prozent, bei den über 85-Jährigen fast 71 Prozent. Etwa 11.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sind auch zum zweiten Mal gegen Corona geimpft worden.
