Auch der Katholischen Kirche in Belgien laufen die Gläubigen davon. Dem Jahresbericht 2021 der Kirche ist zu entnehmen, dass sich letztes Jahr 5.237 Bürger aus dem Taufregister haben streichen lassen. Das sind etwa viermal so viele wie im Jahr 2020. Zudem wurden vergangenes Jahr 86 Vorfälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche oder Kirchenvertreter bekannt, Fälle, von denen viele vor mehr als 30 Jahren stattfanden oder bei denen die Täter heute nicht mehr leben.
Belgiens Kirche in der Klemme? Über 5.000 Ausschreibungen aus dem Taufregister
Weshalb derzeit so viele Menschen die Katholische Kirche in Belgien verlassen, ist genau nicht festzulegen, doch es liegt nahe, dass vieles mit der Berichterstattung der Medien in unserem Land zu sexuellem Missbrauch in der Kirche und zum Umgang der Kirche damit zu tun hat.
Auch die Tatsache, dass der Vatikan noch immer daran festhält, dass Homosexualität eine Sünde sei, lässt sich viele Menschen von der Kirche abwenden. Dies macht sich in vielen Bereichen bemerkbar, also nicht nur in der Zahl der Streichungen aus dem Taufregister (in Belgien kann man nicht aus der Kirche austreten, wie dies in anderen Ländern der Fall ist).
Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Taufen ebenso zurück, wie die Zahl der Kommunionen und Firmungen. Es wurden zudem fast 2.000 Paare weniger getraut, als 2019 (für das Coronajahr 2000 liegen keine Zahlen vor).
Der Jahresbericht der Katholischen Kirche in Belgien zeigt auch auf, dass die Zahl der geweihten Priester, Diakone oder Laien, die die belgische Nationalität haben, deutlich zurückgeht. Rund 20 % der knapp 3.000 Geistlichen in unserem Land sind Ausländer, vor allem Kongolesen (178), Franzosen (42) oder Polen (20).
Interessant ist, dass die Kirche in Belgien immer häufiger ihre Gebäude mit anderen christlich-katholischen Gemeinschaften teilt, z.B. mit Polen, Filipinos, Spaniern, Italienern, Vietnamesen und vermehrt auch mit Ukrainern. Nicht selten werden katholische Kirchen und Kapellen auch von orthodoxen Religionsgemeinschaften genutzt.
